Tag 0 – Eine kurze Erklärung
Dies ist der Nachfolgeblog zu „Die nordischen Nomaden“, der epischen Reise von Dennis und mir.
Die kommenden zwei Wochen werde ich mit einer Gruppe von Freunden verbringen, die aus allen Ecken der Erde nach Göteborg anreisen. Es folgt eine kleine Übersicht:
Heute von zu Hause aus mit dem Flugzeug angekommen sind Felix, Julian, Tim und Nadine.
Übermorgen früh kommt Matze mit dem Zug aus Flensburg, wo er bei Freunden zu Besuch war.
Übermorgen am Abend dann kommen Yoa und Mieke aus Wien mit dem Zug angereist, die zuvor von Nepal nach Wien geflogen waren.
Und am Tag darauf folgt schließlich noch Finn, der direkt aus Kanada anfliegt und in Oslo landet, von wo aus er sich direkt zum Kanuverleih begibt.
Dann sind wir zu neunt und somit vollzählig für den Trip.
Für die kommenden Blogbeiträge wechseln wir uns mit dem schreiben ab und jeder von uns schreibt mal an einem oder zwei Tage. Alle Inhalte also ohne Gewähr.
Nun folgt aber ein Tag an dem es zwei Einträge gibt, und zwar weil an dem Tag die Truppe mit Nadine, Tim, Felix und Julian bereits in Göteborg anwesend war, ich jedoch noch allein unterwegs war. Hier also der Tag aus meiner Sicht:
Nachdem ich Dennis am Flughafen abgesetzt hatte, fuhr ich nach Jönköping und besuchte die „Elmia Lastbil“, die größte Nutzfahrzeugmesse Skandinaviens. Als Schüler bekommt man dort freien Zutritt und das wolle ich ausnutzen. Hier ein paar Eindrücke davon.
Nachdem ich dort ein paar Stunden verbracht und ausgiebig die vielen Maschinen und Anbaugeräte bestaunt hatte, fuhr ich dann am späten Nachmittag in Richtung Ullared, wo ich auf dem Weg noch den größten Supermarkt der Welt besuchen wollte. Nicht weil ich irgendwas speziellen benötigte, sondern einfach um es mal gesehen zu haben. Dort angekommen suchte ich mir einen der 3200 Parkplätze und ging in Richtung Eingang, wobei ich schon an mehreren Restaurants, Imbissen und dem angebauten Sexshop vorbeikam. Im Markt selbst dann ging ich an den Türmen aus Einkaufskörben vorbei und schnappte mir eine der Lagekarten, die an der Infotafel auslagen. Nach einer kurzen Orientierungsphase stapfte ich los und erkundete die unendlich erscheinenden Flure zwischen den Regalen, die Schachbrettartig durch Buchstaben- und Zahlenkombinationen gekennzeichnet sind. In dem ganzen Koloss gezielt etwas zu finden, wenn man vorher noch nie hier war erwies sich dann als echt schwierig. Und teilweise gibt es auch noch Rolltreppen die in obere und untere Nebenetagen führen, was noch verwirrender sein kann. Bis ich dann schließlich die Outdoor-Abteilung im Untergeschoss erreicht hatte, war ich schon entlang von tausenden Regalen und zehntausenden Artikeln gewandert, und das was ich in der Abteilung wollte hatte es schließlich nicht mal. Zum Schluss schaute ich noch im Obergeschoss vorbei und staunte nicht schlecht, als ich inmitten von Christbaumkugeln, Weihnachtsmännern und Tannenbäumen herauskam. Neben der dauerhaften Weihnachtsabteilung gibt es hier auch das ganze Jahr über Halloweenkostüme und Osterartikel. Toll.




Nach diesem erlebnisreichen Tag war ich hungrig und holte mir vor dem Supermarkt eine Pizza, die ich unterwegs bei einer kleinen Pause verspeiste. Der Rückweg nach Göteborg war dann nicht mehr lange und dort machte ich mich direkt auf den Weg zum Hostel, indem die Anderen untergebracht waren. Wir begrüßten uns und redeten ein wenig, außerdem konnte ich noch im Hostel duschen. Irgendwann in der Nacht verließ ich die Gruppe dann und machte mich auf ans Meer zu einem Parkplatz an einem kleinen Hafen, den ich mir für die Nacht ausgesucht hatte. Dort angekommen sah ich in der Ferne auf dem Wasser Blitze übers Meer zucken und kurze Zeit später traf ein ordentlicher Sturm auf die Küste, der ganz schön an meinem Auto wackelte und den peitschenden Regen gegen die Scheiben trommeln ließ. Ich beobachtete eine Weile lang die Naturgewalt und die tanzenden kleinen Boote, die im Hafen auf- und niederhüpften, bis ich irgendwann einschlief.
Tag 1 – Von Tandems und Walen
Gestern Abend sind wir in Göteborg gelandet. Nachdem wir gegen 1 Uhr Nachts unser Hostelzimmer bezogen hatten, sind wir schnell ins Bett. Vorerst gab es nur ein wichtiges Ziel für den nächsten Tag. Ein leckeres Frühstück in Göteborg.
Heute stehen wir also auf und das Ziel ist schon klar. Bevor wir losziehen präsentiert uns Felix noch stolz sein Bambus Schneidebrett, dass er sich extra für diese Reise zugelegt hat. Nach einem leckeren Frühstück, dass alle Erwartungen erfüllt hat, schlendern wir gestärkt und motiviert durch die Stadt, ohne ein bestimmtes Ziel zu haben. Wir schauen uns ein schönes Viertel an und laufen an einem Kanal entlang.

An einer Kreuzung entdeckt jemand ein Red Bull Auto und wir beschließen die gleiche Richtung einzuschlagen. Zuerst entdecken wir dann ein kleines Fest auf einem Marktplatz an dem nachhaltige Produkte und leckeres Essen verkauft wird.
Aus der Ferne hören wir dann aber einen tiefen Bass hämmern, der sich für uns nach Festival oder Sport Event anhört. Kurze Zeit später laufen wir durch Zeltaufbauten in denen ein Tandem-Rad neben dem nächsten aufgereiht ist. An Kreativität fehlt es hier nicht, denn jedes ist mit aufwändigen Anbauten versehen. Raketenrad, Büro-Schreibtisch und Hotdog Rad. Von allem etwas dabei. Als wir noch etwas weiter laufen vervollständigt sich auch das Bild. Wir sehen eine etwa 50 Meter lange und etwa einen Meter schmale Stecke, mitten in einem der Kanäle von Göteborg. Der Hindernissparcours beginnt mit einer Startrampe und geht über Hügel, Wippe und ein schmales Streckenstück.



Nadine als Frau der Stunde findet heraus, dass das Event in Kürze startet und sichert für jeden noch ein kostenloses Red Bull. Also beschließen wir einen noch freien Platz direkt an der Kaimauer zu sichern und das Schauspiel aus erster Reihe zu beobachten. Die nächsten Stunden verbringen wir dann damit, den „Athleten“ zuzuschauen wie sie versuchen mit einer kurzen Showeinlage und ihrem Outfit Punkte zu sammeln um sich im Anschluss auf die Strecke zu wagen. Dass es geschätzte 80% nicht ins Ziel schaffen und vorher ins Wasser stürzen macht das Event natürlich noch amüsanter.
Nachdem das letzte Tandem im Kanal gelandet ist macht sich der Hunger bemerkbar und wir spazieren weiter durch die Stadt. Auf dem Weg zu einem Restaurant beobachten wir noch einen Touribootfahrer der sein Boot erst in einem Pfeiler lenkt und anschließend fast dessen Markiese abreist. Die Liveband auf dem Boot scheint davon aber nicht beeindruckt zu sein und spielt einfach weiter.
Zur Feier des ersten Tages lassen wir uns dann noch leckere Buns schmecken, welche bei allen sehr gut ankommen. Dementsprechend zufrieden verlassen wir dann irgendwann das Lokal und begeben uns noch auf einen kleinen Exkurs. Tim hat zufällig ein Holzwal auf dem Weg entdeckt, der Teil eines großen Outdoor Spielplatzes ist. Dort kommt bei allen nochmal das Spielkind raus und wir klettern erst auf den Wal und probieren dann fast jede Spielstation einmal aus. Das ganze endet erst als Felix fast einen Highspeed-Crash auf einem kleinen Dreirad baut und Nadine und Julian schon mulmig von der Rotation auf einem Karussell wird.

Mit einigen Lachern auf dem Spielplatz in der Tasche gehen wir dann Richtung Unterkunft wo wir uns mit David treffen. Ausgepowert und Happy hauen wir uns danach ins Nest.
Tag 2 – HSwMS Nordkaparen
Der Tag startet mit einem leckeren Frühstück in einem kleinen, unscheinbaren Café. Frisch gestärkt geht es für die Vierergruppe weiter zum allseits heiß ersehnten Marinemuseum Maritiman, einer beeindruckenden Sammlung von Schiffen direkt in der Nordsee. Warum allseits heiß ersehnt? Dieser Teil des Satzes ist frei erfunden, es bleibt dem aufmerksamen Leser überlassen, sich diesbezüglich ein Bild zu machen.
Nachdem die Eintrittskarten vor Ort online mit einer Ersparnis von rund 80 Cent pro Ticket gekauft sind, beginnt das Abenteuer. Circa fünf Minuten später stößt auch David zu uns. Hauptaugenmerk des Besuchs liegt auf einem nahezu vollständig begehbaren U-Boot.

Die HSwMS Nordkaparen, die von 1962 bis 1988 in Dienst ist, bietet Platz für eine Crew von 37 Personen. Sie fährt unter Wasser mit bis zu 16 Knoten (ca. 30 km/h) und über Wasser mit 12 Knoten (ca. 22 km/h). Ausgestattet ist das U-Boot mit vier Torpedorohren und kann bis zu einer Tiefe von 150 Metern tauchen. Besonders interessant ist der Revolver-Lademechanismus für die Torpedos.




Nach dem Besuch des Museums geht es weiter auf Entdeckungstour: Wir finden zufällig einen gemütlichen Laden, der Burritos anbietet. Auch wenn die vegetarischen Burritos für einzelne besonders scharf sind, ziehen wir gestärkt weiter. Als netter Nebeneffekt entgehen wir während unseres Aufenthaltes einem Platzregen.
Mit der Bahn und einer kurzen Fährfahrt erreichen wir eine der Schären-Inseln. Wir entdecken die ersten Pfifferlinge, Felix klettert begeistert auf ein Holz-Ding, und Tim packt, unter Neid aller, bei einer kurzen Pause seinen Campingstuhl aus.



Wir schlendern durch die Gegend, begegnen ein paar Schafen und gönnen uns einen Kaffee und Snacks in einem weiteren kleinen Café. Mit einer letzten Fährfahrt zum Festland neigt sich der Tag dem Ende zu. Abends finden wir noch eine köstliche Pizzeria, verabschieden David und laufen planlos durch die Straßen. Dabei stoßen wir auch auf Nadines „Piraten-Schiff“ – ein großes Segelschiff, das als Attraktion dient. Aber auch das „Espre so House“ (das „s“ des Leuchtschilds ist kaputt) von Felix sorgt noch für spät abendliche Unterhaltung.

Tag 3 – Der letzte Tag in Göteborg
Der Morgen beginnt, draußen hört man den Regen plätschern.
Heute ist tatsächlich das bisher schlechteste Wetter angesagt. Wir sind darauf vorbereitet und mit Regenjacke gewappnet verlassen wir das Hostel Richtung Frühstückslocation.
Ahja – 09Uhr war Treffpunkt. Um 9:00 klopft Nadine an Felix und Julians Tür: Ein verschlafener Felix mit Windfrisur öffnet die Tür: „Wir haben verschlafen“.
Ein paar Minuten später geht’s dann wirklich los.
Auf dem Plan steht heute durch die Stadt schlendern, eine ordentliche Fika und vor allem keinen Stress.
Landen tun wir zuerst in einem modernen Café, in dem wir uns alle eine andere Art von Bowl schmecken lassen. Mal wieder etwas Obst tut uns allen gut und man merkt die Bowl mundet.
Felix isst sogar die Bananen bei sich in der Bowl. Die Vitamine müssen gefehlt haben in den letzten Tagen.

Gestärkt machen wir uns auf den Weg Richtung Innenstadt, wo wir gemütlich durch den hiesigen Globetrotter (Naturkompaniet) schlendern.
Wir stellen fest, dass man sich auf die Wettervorhersage hier in Göteborg überhaupt nicht verlassen kann. Obwohl quasi Dauerregen angesagt war, ist davon wenig zu spüren. Es nieselt gelegentlich aber im Großen und Ganzen bleiben wir trocken.
Zum Mittagsessen gab es eine leckere Poke Bowl.
Wieder mal gestärkt ist unser nächstes Ziel der Uniqlo. Nadine hat davon schon viel gehört, aber war selbst noch nie in dem Laden. Nachdem diese Erfahrung gemacht wurde, geht es weiter Richtung Fika.
Wir haben die letzten Tage zu wenig Zeit mit Fikas verbracht. Das möchten wir heute ändern. Also nichts wie weg und ins nächste Café. Als wir an der Reihe sind fängt uns die Kassiererin auf deutsch anzusprechen. Was wir nicht geklärt haben, ist ob sie Deutsche ist oder nicht. Verspeist werden heute zur Fika Kardamombullar, Kanelbullar und Chocobals.

Matze ist nun auch seit 11:20 in Göteborg und David hat sich mit Matze schon um die Mittagszeit getroffen. Sie empfehlen uns den Park um die Ecke vom Hostel, wo es einige Tiere zu sehen gibt, u.a. in Gehegen. Von Robben über Pinguine bis hin zu Elchen ist alles dabei. Schon eine komische Mischung und das alles umsonst. Für uns kaum vorstellbar.
Nach einem kurzen Willkommenheißen von Matze im Park, machen sich Felix, Julian, Tim und Nadine dorthin auf den Weg.


Zum Abschluss des Tages gibt es für alle außer David noch einen chinesischen Hotpot. Für die einen mit Dumplings, für die anderen mit Nudeln. Alles in allem sehr lecker und ein sehr unscheinbares Restaurant.
Wir sind großer Vorfreude auf den morgigen Tag, denn die Anfahrt zum Kanuverleih steht an. Kaputt legen wir uns ins Bett, damit wir unsere Batterien schön aufladen können. Der Wecker klingelt morgen früh…
Erkenntnisse des Tages:
1. Die Zeit vergeht sehr schnell wenn man von einem Essen zum Nächsten übergeht
2. Dreckige Witze haben wir alle drauf
3. Auf Wettervorhersagen ist kein Verlass
4. Poke Bowls werden in Schweden kaum von Männern gegessen
Tag 4 – Es wird gewassert
Heute steht endlich der erste Tag im Kanu an. Bereits früh morgens geht’s für uns alle (außer Finn, den treffen wir auf der Mitte der Strecke) von Göteborg Richtung Lennartsfors. Der Ort ist nicht sonderlich gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln angebunden, genau genommen, kommt von der uns aus nächstgelegenen größeren Stadt nur 1x die Woche um genau 14 Uhr ein Bus. Also versuchen wir unser Glück nach einer bereits vorgebuchten Bahn+Bus Kombi mit einem spontan gesuchten Taxi für die letzten Kilometer. Wir stocken am Supermarkt direkt am Busbahnhof zunächst noch unsere Vorräte für die abendlichen, kulinarischen Ausflüge auf. Jeder ist einmal für eine der Mahlzeiten verantwortlich.
Das Großraumtaxi, dass unser Gepäck plus sieben Personen locker verstaut, findet seinen Weg nach etwa 1h Wartezeit dann doch noch zu uns und bringt uns sicher zum Kanuverleih. Gleichzeitig ist es die erste Stelle, die nur Bargeld akzeptiert. Bisher waren wir eher „Card only“ gewohnt.
Fast routiniert packen wir am Kanuverleih unsere wasserdichten Tonnen und fahren unsere professionell bepackten Kanus zum Einstieg. Endlich wieder auf dem Wasser! Die Mundwinkel strahlen von einer Backe zur anderen, während wir unserem ersten Campspot für die Nacht entgegenfahren. Aufgrund der Anreise und damit spätem Start wird es heute nur eine vergleichsweise kurze Distanz. Angekommen, starten Julian und Felix auch direkt mit der Vorbereitung des heutigen Gourmetmahls: Reiscurry mit einer reichen Auswahl an frischem Gemüse. Dank Koch- und Schnibbelhilfe und dem Gegenstand des Tages, einem Schneidebrett, ist das Festmahl für 9 Personen vergleichsweise zügig zubereitet.
Am Lagerfeuer lassen wir den Tag noch genüsslich mit einem Bier ausklingen und wärmen und wirken dem Wind entgegen, der mittlere seinen Weg durch jede Faser findet. Damit verabschieden wir uns vom ersten Kanutag und freuen uns in unseren warmen Schlafsäcken auf die nächsten Tage!










Tag 5 – Inselhopping
Unser erster ordentlicher Tag auf dem Wasser steht vor der Zelttüre. Yoa stolziert traditionsgemäß über den Lagerplatz und lässt die Mokkakanne aufheulen – endlich wieder Kaffee umgeben vom seichten Plätschern des Sees. Wir frühstücken Müsli und packen anschließend unsere blauen Tonnen. Finn ist es ein besonderes Anliegen, dass das Bier fachgerecht gelagert wird.


Dann stechen wir in See. Der Morgen ist fast windstill. Ruhig gleiten wir mit den Kanus über das Wasser. Wir kommen gut voran. Immerhin müssen wir heute auch eine Ländergrenze überqueren, denn der See liegt sowohl in Schweden als auch in Norwegen. Wir fahren durch eine Seeenge zwischen Insel und Festland und gehen schließlich an Land. Aber nicht um zu rasten, oh meine teuren Freunde, nein. Wir gehen an Land, um Pfifferlinge und Blaubeeren zu ernten. Das erstere Vorhaben ist ein voller Erfolg. Wir finden mehr Pfifferlinge als je auf einem Schwedentrip zuvor. Schon nach kurzer Suche haben wir zwei Töpfe gefüllt. Für die Blaubeerernte stehen die Dinge anders. Keine einzige karge Beere hängt an den traurigen Blaubeerbüschen. Ist die Saison schon vorbei? Ist es ein schlechtes Jahr für Blaubeeren? Hat Schweden sich verändert? Fragen ohne Antworten.
Am Nachmittag gehen wir auf Lagerplatzsuche. Wir sind kurz davor, uns mit anderen Deutschen um eine Schutzhütte zu prügeln, dann findet unsere Expeditionsgruppe aber eine traumhafte Insel, die folgende Kriterien erfüllt:
– ausreichend Zeltplätze für die Gruppe (5 Stück).
– windgeschützte Feuerstelle
– Badezugang







Wir hüpfen nach Ankunft direkt in den See und erfrischen die müden Muskeln. Anschließend wird in der Hängematte gefaulenzt, Wizard gespielt und gelesen. Abends macht Matze eine Gnocchipfanne mit Tomaten-Sahnesauce. Das Essen ist ein richtiger Banger und alle sind hellauf begeistert. Mit zwei IPAs runden wir den Abend ab, sitzen gemütlich am Lagerfeuer und dann geht’s ins Zelt. Ein würdiger Kanutag im idyllischen Schweden.
Tag 6 – Das Gewitter
Auch am heutigen Morgen gibt es den rituellen Morgenkaffe, den Yoa emsig gebraut hat. Nach erfolgtem Kafferuf sitzen nach kurzer Zeit alle im Frühstückskreis – außer Finn und Matze. Nach kurzer Beratung entschließt Yoa sich, die beiden zu wecken und lässt nochmal einen extra lauten Schrei direkt neben ihrem Zelt los. Kurz darauf steht Finn neben der Gruppe, aber Matze lässt sich weiterhin nicht blicken. Nach erneuter, lautstarker Einladung findet auch er den Weg aus dem Zelt und schließt sich uns in der Frühstücksrunde an.
Der Tag beginnt so sonnig, wie er gestern geendet hatte und somit ist die Stimmung hervorragend. Was aber schnell zum Gespräch wird ist die Wettervorhersage für den restlichen Tag, denn es gibt eine amtliche Sturmwarnung mit Starkregen für den Abend. So entsteht der Plan, heute nur ein relativ kurzes Stück weiter südlich zu fahren und bald nach einem Schlafplatz zu suchen. Also schwingen wir uns in die Kanus und paddeln los, es geht einmal quer über den See und dann fahren wir ein ganzes Stück am Ufer entlang. Auf der Strecke halten wir immer Ausschau nach vielversprechenden Plätzen und steigen ab und zu aus, um die eine oder andere Stelle auf Lagertauglichkeit zu überprüfen. Als wir um 12 Uhr auf eine Landzunge einer Insel stoßen, auf der eine frisch gebaute Wetterschutzhütte steht, legen wir schnell an und erkunden die Lage. Die Hütte hat noch kein Dach und die Umgebung ist nicht ganz optimal um unsere fünf Zelte aufzustellen, aber wir entscheiden uns, dennoch hier zu bleiben und zumindest mal den Regen abzuwarten, der gegen 14 Uhr einsetzen soll. Das Gewitter ist dann für den Abend angesagt. Also machen wir es uns bequem, es wird gegessen, es wird Kaffee gekocht und ein Tarp über die Hütte gespannt, um bei anhaltendem Regen einen Unterschlupf zu haben.
Dann baden wir noch im erfrischenden Wasser des Sees und genießen die Sonnenstrahlen, die uns aktuell noch die Häupter wärmen. Yoa, Finn und Matze beschließen, nochmal ins Kanu zu steigen und noch ein wenig die Gegend zu erkunden. Als diese schon eine Weile weg sind und sich die 14 Uhr Marke nähert, ziehen zügig Wolken auf und es fängt tatsächlich an zu regnen. Die im Lager gebliebenen räumen schnell die kritischen Dinge unter das Tarp ins Trockene. Nach einiger Zeit sehen wir ein Kanu herankommen und der Erkundungstrupp kehrt zurück in die Basis. Zum Glück ist der Regen nach kurzer Zeit schon vorbei und die Sonne lässt sich wieder blicken. Keine Spur mehr vom großen Regen der angekündigt war. Das lässt uns viel Zeit, um den Nachmittag über zu lesen, zu entspannen oder Brennholz zu machen.


Dann rufen Mieke und Yoa zur Kochaktion auf, sie haben aus Nepal einige Zutaten mitgebracht, die heute aufgetischt werden. Es werden Zwiebeln, Knoblauch, Kartoffeln und Ingwer geschnippelt, es werden Erbsen und Reis gekocht und es wird Wirsing gebraten. Am Ende entsteht mithilfe vieler Hände, Kocher und Töpfe ein mega leckeres Dal Bhat, das traditionelle Gericht, das in Nepal viel gegessen wird.
Mit vollem Magen lassen wir den Tag am Feuer ausklingen und wir sind gespannt, wo es uns morgen hin verschlägt.
Und das für heute angekündigte Gewitter? Von dem haben wir nix mitbekommen.




Tag 7 – Das letzte Bier
Der Tag beginnt wie üblich mit einem lauten Kaffeeruf von Yoa. Heute hilft löblicherweise Matze den Kaffee zuzubereiten, obwohl er sonst immer der letzte ist der aus dem Zelt kriecht. Das Frühstück läuft ganz entspannt und routiniert.
Am heutigen Tag stehen einige Kilometer an und so rudern wir früh bei strahlendem Sonnenschein los. Die Wettervorhersage hat für heute einiges an Wind angesagt, aber zunächst ist davon nichts zu merken. Das erste Ziel ist ein Spot ganz in der Nähe, welcher sehr schön ist und leider nicht von uns genutzt wurde. Weiter geht es zu einer Insel auf der sich eine Schaukel über dem Wasser befindet. Vor allem Felix und Nadine haben erheblichen Spaß an diesem einfallsreichen Spielgerät.

Danach fängt der Ernst des Lebens an und wir überqueren den ersten größeren See. Zu Beginn ist das Wasser noch sehr ruhig, aber schon nach kurzer Zeit nimmt der Wind erheblich zu. Vor allem das dreier Kanu, bestehend aus David, Matze und Finn, hat mit den Wellen stark zu kämpfen, da schon nach kurzer Zeit Wasser ins Kanu gelangt. Der zusätzliche Tiefgang ist definitiv nicht zu unterschätzen. Dank vereinten Kräften und geschickten Manövern ist aber auch diese Hürde kein Problem. Eine Kanu Leerung später kann der See überquert werden und es ist Zeit für eine Mittagspause. Wir bequemen uns auf eine Wiese und genießen die mitgebrachten Speisen.
Auf dem weiteren Weg zeigt sich die Suche nach einem Nachtlager als äußerst herausfordernd, da sich ein anderer Kanuverleih ganz in der Nähe befindet und alle verliehen Kanus dort am nächsten Tag abgegeben werden müssen.
Nach ausgedehnter Suche landen wir wieder an unserem Platz vom ersten Tag, welcher glücklicherweise frei ist.


Erschöpft schlagen wir die Zelte auf und es gibt innerhalb kurzer Zeit leckere Nudeln mit Pesto. Danach geht es an den Strand und wir spielen noch ein Quiz am Lagerfeuer, welches Tim noch auf Lager hat.
Zum Abschluss gönnen wir uns die letzten beiden Biere aus dem Vorrat. Das Arctic Beer, welches freundlicherweise von David zur Verfügung gestellt wird, kommt bei allen gut an und ist sehr süffig.
Danach ebt der Abend langsam ab und ein weiterer Kanu Tag ist erfolgreich gemeistert.


Tag 8 – Stockbrot und Schilf, das hilft!
Der Morgen: Ruhig und unscheinbar, ein Aufatmen, ein Loslassen.


Mit neuer Energie beginnen wir den Tag und bewegen uns weiter Richtung Norden. Das erste Highlight präsentiert sich in langer grüner Form. Ein Schilfmeer, welches sich uns in den Weg stellt. Wir wagen den Durchstoß. Ein Greifen, ein packen, Schweiß im Nacken und wir sind hindurch.

Beherztes paddeln führt uns zu einem Felsen. Extraordinär. Genau die richtige Höhe mit ansprechender Wassertiefe welche zum Springen einlädt. Nach einer kurzen Erfrischung und einigen Sprüngen, die den rein objektiven Zuschauer die Frage stellen lässt, inwiefern die Herren und Damen nicht Kunstspringer als Nebenberuf haben, geht es weiter.



Einige Windungen und Entensichtungen später, kommen wir zu einer Insel, welche mit einer malerischen Aussicht und einem Dano (schwedisch für Lagerplatz) so bei uns punktet, dass wir sie als Lagerplatz für die Nacht wählen.
Hängematten werden in Richtung Wasser positioniert und das Lagerfeuer geschürt, um das heutige Abendessen vorzubereiten. Das zweite Highlight: Stockbrot der Extraklasse.
Doch bevor wir uns dem Stockbrot widmen, teilt sich die Gruppe ein wenig auf. Felix und Tim begeben sich auf Erkundungstour, während sich der Rest der Gruppe einem Gesellschaftsspiel widmet.
Das Abendessen, Stockbrot mit Chili Sin Carne, wird im Licht des Lagerfeuers zubereitet und rundet den sonnigen Tag ab.
Nachts kann die Eröffnung eines neuen Sägewerks vernommen werden, man munkelt Finn sei der Betreiber.
Kleiner Foto-Dump:



Tag 9 – Eine unerwartet süße Entdeckung
Den heutigen Morgen starten wir, wie schon die letzten Tage, mit Müsli und heißem Kaffee. Die Sonne scheint, der See liegt ruhig vor uns und kein Lüftchen weht – das lädt zu einem entspannten Morgen ein.
Um 10h lassen wir unsere Kanus zu Wasser und paddeln gerade einmal zum gegenüberliegenden Ufer, um dort einen versteckten See zu erkunden, den Tim auf Google Maps entdeckt hat. Auf den ersten Metern dorthin müssen wir uns durch Gestrüpp schlagen, aber der Weg lohnt sich! Es wimmelt von Blaubeersträuchern, die tatsächlich ein paar Früchte tragen – perfekt für den geplanten Grießbrei am Abend!



Nach diesem Abstecher paddeln wir zu unserem gestrigen Badeort mit Klippe. Wir haben Glück, denn wir haben den Ort für uns. Hier schlagen wir die Zelte für die Nacht auf, essen Mittag und gehen baden. Über den restlichen Nachmittag hinweg wird gelesen, gespielt und entspannt. Wir genießen den letzten Abend in der Natur.

Zum Abendessen lassen wir es uns gut gehen: Aglio e Olio getoppt mit angebratenen Pfifferlingen und anschließend Grießbrei mit heißem Heidelbeerkompott. Den Abend lassen wir bei einer gemütlichen Runde am Lagerfeuer ausklingen. Uns geht es doch wirklich gut!




Tag 10 – Folgenreiche Entscheidung
Wie bereits die letzten paar Nächte haben sich drei der fünf Zelte dazu entschlossen das Überzelt für die Nacht wegzulassen. Diese Entscheidung kann mit einem Blick auf den Sternenhimmel belohnt werden, kann aber auch dazu führen, dass die schlafenden bei Regen nachts raus müssen um das Regendichte Überzelt anzubringen.
Wie soll es anders auch sein am letzten Tag, um 5:30 Uhr fängt es an zu tröpfeln. Die betroffenen der drei Zelte kriechen raus, bringen in Windeseile das Überzelt an und verschwinden dann wieder im Zelt. An dieser Stelle freut sich Finn, da er sich am Vorabend für das Überzelt entschieden hat. Anscheinend hat er die Wettervorhersage nicht nur gelesen, sondern auch verstanden.


Da heute der letzte Tag auf dem Kanu und die Weiterreise nach Oslo ansteht haben wir heute keine großen Entdeckungen geplant. Auch das Frühstück verschiebt sich deutlich nach hinten, da sich keiner außer Yoa und Mieke danach sehnt bei Regen das kuschelige Zelt zu verlassen. Nach einem wärmenden Kaffe und lecker Müsli bauen wir dann unser Lager ab und stechen in See.
Gemütlich paddeln wir entlang der Küste des Sees an den Inseln vorbei. Heute ist es trüber als die letzten Tage aber der Wind steht gut. Nach einer halben Stunde paddeln schauen wir auf die Uhr und beschließen, dass schon wieder Mittagszeit ist. Wir legen nochmal an und handeln mit den letzten Essensresten, bis fast alles verteilt und verspeist ist.

Nach der Mittagspause verläuft der Tag wie geplant. Wir fahren die restlichen 30 Minuten bis zum Kanuverleih und geben diese dort zurück. Dort treffen wir auch den Besitzer des Verleihs, der uns auf Nachfrage nochmal den genauen Preis nennt. In einer Hütte unter einem riesen ausgestopften Elchkopf mit Polizeimütze auf dem Kopf findet er dann auch unsere Rechnung, die er versehentlich selbst eingesteckt hat.
Nach einer kurzen Taxifahrt sind wir wieder in Årjang und fallen ohne Rücksicht auf Verluste über den dortigen Supermarkt her. Nachdem dort der Hunger gestillt und für das Abendessen eingekauft ist, gibt es noch einen kleinen Exkurs in den Systembogalet. Dort füllen wir unsere Biervorräte auf, um in Norwegen nicht das doppelte zahlen zu müssen. Als Felix dann zwei Zecken bei sich entdeckt, werden diese mit vereinten Kräften entfernt.


Anschließend verabschieden sich David und Matze und nehmen mit dem Auto alle Einkäufe mit zu unserer Unterkunft in Oslo. Der Rest steigt in den Bus und macht sich ohne Zwischenstopp auf in Richtung Oslo. Bis auf eine beherzte Bremsung des Busses, da ein Elch die Straße quert verläuft die Anreise problemlos.
In Oslo warten dann auch schon David und Matze bei der Wohnung auf uns. Wir beziehen die Zimmer und kochen noch leckere Wraps, bevor dann alle müde ins Bett fallen.

Tag 11 – Hallo Oslo
Unser erster vollständiger Tag in Oslo startet mit einem prächtigen Frühstück bestehend aus Burger mit Ei, Avocado, karamellisierten Zwiebeln und Bacon, geplant und mit Unterstützung durchgeführt von Chef Finn.

Während der Tagesplanung bilden sich drei Gruppen: Schlendertruppe Tim und Nadine, Moderne Kunst mit David, Yoa, Mieke und Gruppe Fram, bestehend aus Finn, Felix, Matze und Julian.
Vollständig gesättigt ziehen die Gruppen in alle Himmelsrichtungen Oslos los um die Stadt zu erkunden. Wir, die Gruppe Fram, fahren mit der Buslinie 30 auf die Halbinsel Bogdøy um uns das Fram-Museum genauer anzuschauen, welches unter anderem ein norwegischen Polarschiff, das in den Jahren von 1893–1912 genutzt wurde, beherbergt.
Mit glühenden Synapsen verlassen wir das didaktisch anspruchsvolle Museum und begeben uns als letzte zum Fika-Treffpunkt in einem kleinen Café. Gestärkt geht es weiter und alle außer der Schlendertruppe, die sich zu diesem Zeitpunkt schon bestens in der Gegend auskennt, schauen sich auf dem Operngebäude etwas um.

Anschließend geht es weiter in die Bibliothek, die auch als eine Art Technologiezentrum fungiert. Dort befinden sich neben Büchern und Filmen auch allerhand Gerätschaften, darunter zum Beispiel 3D-Drucker, Lasercutter, Nähmaschinen, Soundstudios, Workstations für Grafikdesign und so weiter. Sehr beeindruckend!


Weiter geht’s in eine Mall, durch Shops für Küchenzubehör und am Ende auch Kosmetik bei der Yoa auch seinen neuen Lieblingsglitzer-Lidschatten direkt ausprobiert. Der Tag neigt sich dem Ende zu und wir besuchen eine Pizzeria, die alle voll überzeugt! Matze rundet beim Bezahlen für alle, verwirrt durch den Umrechnungskurs, großzügig um 9 NOK auf 2650 NOK auf… etwa 50 Euro-Cent. Wir erklären der Bedienung den Fauxpas, und dass wir sehr zufrieden waren. Mit großem Gelächter verlassen wir die Pizzeria und spazieren bei Dunkelheit in unser Appartement.
Yoa und Julian haben an diesem Tag auch noch ein neues Gedicht auswendig gelernt, welches sie hier gerne mit der Leserschaft teilen möchten:
Bin schwarz, aus Holz und stets verschlossen,
seitdem mit Steinen sie mich beschossen.
In mir ruh’n tausend trübe Linsen,
seitdem mein Haupt ging in die Binsen.
Dagegen helfen keine Pillen:
Ich bin ein Schrank voll ungeputzter Brillen.
Tag 12 – Vom Schritte sammeln zum Saunieren
Der Regen prasselt auf das Dachfenster. Nach dem gestrigen Banger Frühstück von Finn gibt es heute ein solides Müsli – Frühstück.
Die Gruppe teilt sich heute in zwei. Gruppe 1 bestehend aus Yoa, Mieke und Julian macht sich mit einem Fußmarsch auf den Weg zum Munch Museum. Gruppe 2 bestehend aus dem Rest setzt sich gemütlich in einen Bus und fährt ins Technik Museum.
Das Munch Museum hat sich sehr gelohnt. Nicht nur sind die Werke beeindruckend (der Schrei), sondern es gibt aktuell eine besondere Ausstellung über Arif Murakabi, einen HipHopler. Das besondere ist, dass der Musiker selbst vor Ort in einem Raum sitzt und arbeitet. Man kann ihn sprechen, atmen, gähnen hören und eben auch beobachten.


Das Technikmuseum ist aus einer anderen Perspektive sehr spaßig. Wir fangen an die verschiedenen Beschreibungen zu lesen und gelangen relativ zügig in einen sehr interaktiven Teil. Es wird auf einer Tartanbahn gesprintet, die Reaktionszeit wird spielerisch getestet, verschiedene Spiegel und Lichter werden ausprobiert, es wird gemorst, Schlagzeug gespielt etc. Mehr dann in den Bildern.

Nach einem kurzen Supermarkt Besuch wird an einem Fluss stattlich gespeist. Für die einen gibt es Sushi, für die anderen Brötchen mit viel Salami. Dabei beobachten wir ein paar jüngere Kinder (ca. 8-12), die am Fluss fleißig angeln. Sie ziehen leider keinen Fisch an Land, aber gekonnt sieht es dennoch aus.
Anschließend möchten wir uns noch ein modernes Viertel anschauen, auf dem das Moderne Kunst Museum steht, das sich ein paar von uns am gestrigen Tag angeschaut haben. Wir sind begeistert von der modernen Architektur, der Ateliere und dem Flair, den die Gegend ausstrahlt.



Auch wenn es etwas später ist als sonst, verabreden wir uns gemeinsam zu einer Fika. Wir schlendern Richtung Café und treffen die anderen. Es ist immer schön sich wieder zu versammeln und die erlebten Eindrücke mit den anderen zu teilen.
Wir sind uns alle einig und sehr dankbar für das tolle Wetter, das wir während der Tage auf dem Kanu hatten. Regen und grauer Himmel in der Stadt sind halb so wild. Es gibt einem eben auch einen Grund mehr ein Cafe aufzusuchen.
Gemeinsam möchten wir uns dann auch noch das Schloss der Königsfamilie Norwegens anschauen. Wir stellen alle fest, dass es architektonisch sehr bodenständig ist und nicht viel hergibt. Dafür ist allerdings die Gegend darum malerisch schön mit Bauten, die einen erstaunen lassen.

Unser Highlight für Oslo ist das gemeinsame Saunieren in einer schwimmenden Sauna am Hafen. Dort haben wir für 21Uhr eine Buchung und davor ist Nahrungszufuhr angesagt. Dafür haben Yoa und Mieke einen Foodcourt ins Visier gefasst wo es eine Vielfalt an Speisen aus aller Länder gibt. Nachdem wir fündig geworden sind und genüsslich am Essen sind, werden wir von einem Mitarbeiter darauf hingewiesen, dass er uns unser mitgebrachtes alkoholisches Getränk entweder abnehmen muss oder wir die Foodhall verlassen müssen. Wir entscheiden uns für zweiteres und stellen anschließend fest, dass wir vor einem Polizeirevier sitzen und nun dort unsere Biere genießen, die man in der Öffentlichkeit nicht trinken darf. Naja, der Fokus wechselt von Genuss zu schnell trinken. Schon entspannt, dass wir zu jeder Uhrzeit an jedem Fleck ein Gläschen von dies oder jenem trinken dürfen. Außerdem ist es interessant zu beobachten wie man sich wegen Trinken eines Biers mit 4,5% wie ein kleiner Verbrecher fühlt.

Und jetzt das Highlight des Tages: Die Sauna. Wir laufen auf das Hafengebiet zu und sind schon voller Vorfreude auf dieses Erlebnis. Die Vorfreude wird bei der Anmeldung kurzzeitig ein wenig getrübt, weil die Wasserqualität zu schlecht sei um darin zu baden. Allerdings schiebt die nette Norwegerin noch den Zusatz hinterher, dass es nur eine Empfehlung ist und wir im Zweifelsfall eben einfach den Kopf und Wunden nicht unter Wasser tauchen sollen. Und schon wird sauniert. Holz wird durch Finn und David vorbildlich nachgelegt und David setzt seine Saunameister Künste unter Beweis. Den Aufguss hat er am Ende des Abends perfektioniert und die Handtuchwedeltechnik erst recht.


Was ein toller Tag! Nach tausenden von Schritten und müden Beinen fallen wir alle ins Bett und freuen uns auf den morgigen Tag – leider auch schon unser Abreisetag…
Gute Nacht🌚
Tag 13 – Zurück in die Heimat
So kehren wir also nach durchstandenen Abenteuern zurück in die Heimat. Ein letztes gemeinsames Erwachen in Oslo wird mit Müsli und Kaffee abgerundet. Alle sind im bescheidenen Airbnb etwas gerädert, aber wir haben auch eine herrlich aufregende Reise hinter uns.
David und Matze verabschieden sich früh vom Rest der Truppe. Sie nehmen den lukrativen und klimafreundlichen Landweg. Die übrigen 7 bringen das Gepäck in Bahnhofsnähe und dann wird noch einmal ein Skulpturenpark besichtigt – kein Tag ohne Kultur. Nur irgendwie haben sich unsere kulturellen Schwämme über die letzten Museumstage so vollgesogen, dass wir kaum noch aufnahmefähig sind. Umso eifriger trinken wir dafür Kaffee und essen Eis oder Kuchen. Das geht immer. So wird dieser letzte Oslotag ein feierlicher Gammeltag. Wir lungern noch ein wenig an der Oper herum, essen fürstliche Falafel-Wraps von einem freundlichen Syrer, der uns ein paar Datteln aufs Haus spendiert und schlendern am Ufer entlang. Es ist auffällig, dass ohne Matze in der Gruppe nur halb so viel Blödsinn gelabert wird. Es bleibt dem Leser überlassen, dies als positiv oder negativ einzustufen. Der Verfasser dieses Textes wahrt professionelle Neutralität.



Nun, irgendwann ist die Sanduhr unseres Osloaufenthaltes endgültig abgelaufen und lässt sich auch nicht mehr zurückdrehen. Das ist bedauerlich, aber gerecht. Wir steigen in den Zug und der Zug bringt uns zum Flughafen. Tschüss Oslo, du kantige, säuberlich gepflegte, moderne Großstadt des Nordens.

Eine besondere Zeit liegt hinter uns. Es ist ein schönes Gefühl, Teil einer so harmonischen Freundesgruppe zu sein. Über Seen zu paddeln, zu kochen, Blaubeeren und Pfifferlinge zu sammeln und fremde Inseln zu erobern, sind alles schöne Beschäftigungen. Zum Leben erwachen solche Momente aber erst, wenn man sie mit anderen teilt.

Tag 13.2 – Wieder auf der Straße
Ab hier übernehme ich nun den Blog wieder aus meiner eigenen Sicht und starte mit dem selben Tag wie der letzte Eintrag,
Nachdem ich mich mit Matze wieder auf die Straße begeben hatte, verließen wir Oslo und fuhren in Richtung Süden, wo unser Ziel heute das schwedische Kopenhagen sein sollte. Die Straßen waren frei und angenehm zu fahren, bei einem Ladestopp verarbeiteten wir die Reste des Trips noch zu ein paar Wraps und einem Salat mit Schafskäse.

Nach einer entspannten Fahrt über die schwedischen Schnellstraßen kamen wir am Abend über die Øresundsbroen, die fast 8km lange Brücke, die Malmö mit Kopenhagen verbindet. Sie ist die längste Brücke der Welt mit kombiniertem Auto- und Eisenbahnverkehr. Nach der Überquerung dieses imposanten Bauwerks während des Sonnenuntergangs suchten wir uns einen Parkplatz im Zentrum Kopenhagens, wo wir eine Ramen-Bar zum Abendessen angepeilt hatten. Beim Restaurant angekommen stellten wir allerdings schnell fest, dass das mit dem Ramen-essen dort heute schwierig werden würde, denn davor hatte sich schon eine lange Schlange gebildet. Der Ruf der hier servierten Ramen ist dermaßen gut und international bekannt, dass jeden Tag hunderte Menschen in der Schlange warten, bis sie an der Reihe sind. Es gibt nur 22 Sitzplätze und es ist nicht möglich zu reservieren.


Nach dieser Erkenntnis ließen wir die Schlange hinter uns und erkundeten eine Weile die Innenstadt, schauten uns um und schlenderten am Wasser entlang, wo gerade eine Ansammlung von hölzernen Segelschiffen verschiedenster Größen lagen. Dann verschlug es uns noch zum Schloss von Kopenhagen, auf welches wir einen nächtlichen Blick erhaschten.




Bald wurde es frisch und gegen 22 Uhr kehrten wir zum Auto zurück, mit dem wir dann noch aus der Stadt hinaus fuhren und zwischen den Vororten einen kleinen Parkplatz im Wald ansteuerten. Matze baute sein Zelt im Wald nebenan auf und ich schlief im Auto.
Tag 14 – Zurück in Deutschland

Nachdem am Morgen das Zelt abgebaut und der Kaffee gekocht war, fuhren wir los und legten an diesem Tag viele Kilometer zurück. Zuerst durchquerten wir den Rest von Dänemark, wobei wir nochmals eine große Brücke überquerten, dieses Mal die Storebæltsbroen. Diese war mit ihren 12 Kilometern Gesamtlänge auch imposant zu überqueren und führte uns auf das dänische Festland. Von dort aus ging es dann weiter in südlicher Richtung, bis wir die Grenze zu Deutschland überquerten. Dort hangelten wir uns die Autobahn entlang und begrüßten die deutschen Baustellen, die uns immer wieder ausbremsten. In Hamburg schließlich kam der Verkehr fast ganz zum erliegen, was sicherlich auch mit dem freitäglichen Feierabendverkehr in Zusammenhang gebracht werden konnte. Dort hatten wir dann über eine Stunde Stop-and-Go-Verkehr, was unsere Ankunft an unserem heutigen Ziel verzögerte.
Denn heute war ein meetup mit Nils und Jana geplant, die einen Tisch in einem Restaurant reserviert hatten und bei denen wir auch die Nacht verbringen würden. Sie wohnen nahe Hannover und durch die Verzögerungen auf der Stecke kamen wir schlussendlich mit 15 Minuten Verspätung am Restaurant an, wo wir sie herzlich begrüßten und gemeinsam ein herrliches Abendessen genossen. Dann ging es in die Wohnung, wo wir auf dem Balkon noch ein Bier tranken, bevor wir nach einer heißen Dusche ins Bett fielen.
Tag 15 – Ein Trip geht zu Ende
Nach einem Frühstück mit Jana und Nils gings für Matze und mich auch schon weiter. Es war echt schön, Nils und Jana mal wieder zu sehen aber Matze hatte bei sich zuhause schon Gäste warten und somit war der Ruf der Straße unüberhörbar. Die Fahrt an diesem Samstagmorgen war entspannt, auf den Straßen war nicht viel los und so kamen wir gut voran. Es wurde immer wärmer und wärmer und wir beobachteten das Thermometer im Auto, dessen Wert immer weiter bis über 30°C kletterte. Das war schon ein Kontrast zu den 10°C, die wir noch vor ein paar Tagen in Norwegen hatten.
Beim letzten Supercharger-Halt vor der Heimat, der in Wetzlar stattfand, erlebten wir noch eine nette Überraschung:
Der Supercharger liegt direkt am Leitz-Park, an dem heute das Leitz-Park-Fest stattfand. Dabei handelt es sich um den Firmencampus der Leica AG, der als öffentlich zugängliches Gelände gestaltet ist. Darauf befinden sich zum Beispiel ein Hotel und das Ernst-Leitz-Museum, in dem Fotografien gezeigt werden. Außerdem die Produktionsstandorte von Leica Camera und den anderen ortsansässigen Firmenzweigen, wie z.B. Brillengläser, Uhren oder Beamer. Auf dem Fest gab es viele Foodtrucks, eine Bühne mit Liveband, Angebote für Kinder, freien Eintritt in das Museum und Führungen durch die Produktion. Wir besuchten das Museum, in dem eine Ausstellung von Bryan Adams Fotografie-Arbeit zu sehen war.





Nach dem Besuch des Museums holten wir uns noch einen Burrito bei einem der Foodtrucks im Hof und genossen etwas die Sonne. Als wir zum Auto zurückkehrten, war der Akku zu 100% gefüllt und wir nahmen den letzten Abschnitt des Weges in Angriff. Bald waren wir in Münzesheim und ich verabschiedete mich von Matze.
Und dann rollte ich nach fünf Wochen Reisezeit und fast 10.000 Kilometern auf der Straße wieder in Knittlingen ein. In dieser Zeit habe ich viel gesehen und viel erlebt. Ich bin dankbar für meinen Freundeskreis und jeden einzelnen, der mich auf dem Weg begleitet hat. Auch das Gefühl, in Europa freies Reisen zu genießen ist immer wieder schön, wir hatten keinen einzigen Grenzübertritt mit Kontrolle oder sonstige freiheitsbeschränkenden Erlebnisse.
Ich mag das spontane Reisen ohne vorgeplante Route sehr. Wenn man keine Termine einzuhalten hat, kann man sein Reisetempo immer an die aktuelle Situation anpassen und sich Zeit lassen für das, was einem wichtig ist.
Nun ist es aber auch schön, nach Hause zurückzukehren, wieder mal im eigenen Bett schlafen zu können und seine Familie wieder zu sehen.
Danke fürs Mitlesen, wir sehen uns da draußen!
David
