Die nordischen Nomaden

Tag Null ¦ Deutschland – Knittlingen

Bald beginnt sie also. Die große Fahrt an den nördlichsten Rand Europas mit vielen Zwischenstopps, vielen Begegnungen und vielen Erfahrungen. Wir haben ja mittlerweile so einiges an Erfahrung in verschiedenen Roadtrips gesammelt, aber der jetzt vor uns liegende wird der bisher größte, der längste, der andauerndste von allen. Die Vorbereitungen und Planungen laufen und wir können es kaum erwarten, dass es bald losgeht.

Wir freuen uns sehr, hier unsere Erlebnisse mit euch zu teilen und heißen alle Mitlesenden willkommen.

Schnallt euch an, bald geht’s los.

Bis dahin.

Dennis & David

Tag Eins ¦ Polen – Kostomłoty

Am Morgen genießen wir in unserem bescheidenen Zuhause noch einmal einen Kaffee und nachdem dann die restlichen Notwendigkeiten ins Auto geladen sind, treten wir den Start der Reise an, die uns zunächst gen Osten der Bundesrepublik führen soll.

Eine besondere Ehre erweist uns bei dieser Fahrt Palmela, die uns (hoffentlich) den ganzen Weg bis zum Nordkap begleiten wird und somit die nördlichste Palme Europas sein wird.

Palmela in ihrem vorübergehenden Zuhause

Die Stimmung ist gut, die Straßen sind frei und nach einer kurzen Frühstücks-Rast bei einem Lidl rollen wir entspannt über die Autobahnen bis wir den deutsch-polnischen Grenzübertritt erreichen. Auf der polnischen Seite fahren wir noch etwa anderthalb Stunden bis wir in einem kleinen Dorf in ein Restaurant einkehren, in dem uns eine hübsche junge Dame bedient.

Nicht die hübsche junge Dame

Nach dem guten und günstigen Essen machen wir uns auf den Weg zum nahe gelegenen Supercharger, welcher etwa 20min entfernt liegt. Doch was nach einem einfachen Weg klingt, wird zu einem kleinen Abenteuer: Als wir die Strecke nach Navigationssystem fahren, kommen wir nach kurzer Zeit auf eine Straße, die schon beim einbiegen wie eine Baustelle aussieht und nach einigen hundert Metern stehen wir vor einer „Straßensperre“, die einfach aus einem aufgeschütteten Kieshaufen besteht. Ohne Schilder oder sonstige Vorwarnung.

„Straßenabsperrung“ auf polnisch

Also bleibt uns nichts anderes übrig als zu wenden und ein Stück zurück zu fahren. Nach kurzem Blick auf die Karte sehen wir, dass es eine kurze Umgehung zu geben scheint, der wir folgen. Die menschenleere Straße führt über die riesigen Felder, die hier überall die Landschaft dominieren in die nächste Wohnsiedlung. Dort biegen wir dann ab auf eine „Straße“, die uns ein wenig an unseren Trip vor zwei Jahren in Albanien erinnert, denn es ist eher eine grob befestigte Schotterpiste als eine Straße.

Auf Abwegen

Nachdem auch dieses Element des Hürdenlaufs überwunden ist, fahren wir weiter und kommen auch bald am Supercharger an, der nun allerdings voll belegt ist und vor dem schon drei weitere Tesla warten um laden zu können. Das ist nun also das erste Mal in über 100.000km Teslafahren in ganz Europa, dass ich jemals an einer Ladesäule warten muss, bis ich dran komme. Bei der Routenplanung des Trips haben wir bereits im Voraus gesehen, dass es gerade in Osteuropa noch ein paar Lücken gibt im Ladenetzwerk von Tesla und die bestehenden Standorte wie dieser hier eher klein sind mit nur vier Ladeplätzen. Da wir allerdings keinen Zeitdruck haben sehen wir das gelassen und vertreiben uns die Wartezeit mit einer Folge Breaking Bad. Nach etwa einer Stunde inklusive Ladezeit fahren wir mit vollem Akku vom Gelände und parken ganz in der Nähe an einer verlassenen Straße, um dort zu nächtigen. So geht unser erster Tag zu Ende und wir freuen uns sehr auf die kommende Zeit und auf alles, was wir erleben werden.

Bis dahin.

Tag Zwei ¦ Litauen – Kalvarija

Am heutigen Morgen haben wir uns nach einem gemütlichen Frühstück – bestehend aus frisch gebrühtem Kaffee und köstlichem Müsli – direkt auf den Weg gemacht zu unserem nächsten geplanten Zwischenstopp. Dieser bestand aus dem Supercharger in Łódź, den wir gegen 11 Uhr erreichten. Dort legten wir nur eine kurze Ladepause von zehn Minuten ein, um dann von dort aus zum nächsten Charger nach Warschau zu kommen.

Dort stellten wir bei der Betrachtung der folgenden Route fest, dass es nun eine größere Distanz zum nächsten Lader zu überwinden gilt und zwar 409km, die die Reichweite des Tesla auf der Autobahn voll ausreizen würden. Also klemmten wir sämtliche Neutronen in den Akku, die die Ladesäule hergab und luden den Akku auf 100%, ehe wir weiter fuhren.

Langstreckenplanung

Die darauf folgenden drei Stunden fuhren wir entspannt über die sehr leere, sehr gut ausgebaute polnische Autobahn (sieht alles aus als wäre es noch keine zehn Jahre alt), bis wir über die Grenze nach Litauen rollten. Dort änderten sich schlagartig die Straßenverhältnisse, das erste was man zu Gesicht bekommt ist eine gigantische Baustelle und danach hat die dortige Autobahn circa die selbe Ausbaustufe wie die K4516 zwischen Knittlingen und Freudenstein. Eine Fahrbahn pro Fahrtrichtung, schön kurvig und teilweise fehlende Markierungen.

Über den Verlauf des Tages hinweg hatten sich die großen, flachen Felder des südlichen Polens langsam immer mehr zu einem leicht hügeligen, geschwungenen Landschaftsbild gewandelt, das nun auch immer mehr Waldflächen beinhaltete.

Die ausgesuchte Route führte uns nun abseits der Autobahn durch eher rurale Gebiete und durch einige kleinere Ortschaften. In einer davon erspähte Dennis im vorbeifahren einen Supermarkt, der trotz des Sonntags geöffnet hatte und machte den Vorschlag, dass wir noch ein paar Getränke und Snacks kaufen gehen könnten. Beim Parken entdeckten wir eine öffentliche Ladesäule am örtlichen Busbahnhof, bei der wir entzückt feststellten, dass das Laden dort kostenfrei ist. Nach kurzem Blick auf die Karte beschlossen wir, diesen Wink des Schicksals anzunehmen und hier den Abend zu verbringen.

Also gingen wir einmal einkaufen, entdeckten eine öffentliche Toilette die wir nutzen konnten, und kochten im Park nebenan eine Portion Gnocchi mit Pesto. Danach erkundeten wir das Dorf noch ein wenig zu Fuß und bestaunten den merkwürdige Kontrast aus sehr gepflegten, sauberen Hauptstraßen, an denen allerdings fast ausschließlich alte, heruntergekomme Häuser stehen.

Die Straßen des Dorfes Kalvarija

Auffällig hier ist ausserdem die Jugendkultur – es scheint hier so wie wohl in jedem Land cool zu sein, nachts mit seinem Motorroller lärmend durch die Innenstadt zu heizen, nur mit auffallend weniger Stil als die italienischen Vespafahrer. Und wenn man dann alt genug für den Führerschein ist, steigt man offensichtlich auf einen 3er BMW um, mit dem man den selben Tätigkeiten nachgeht, nur mit der Unterstützung eines möglichst Basslastigen Soundsystems. So viel zu meiner Analyse der Dorfjugend Litauens.

Definitiv kein Bier

Faszinierend war auch die Feststellung, dass in Litauen Sonntags ab 15 Uhr kein Alkohol mehr verkauft werden darf und unter der Woche nur bis 20 Uhr. Dies musste ich herausfinden, als mir im Supermarkt am Self Check-Out die Bierflasche konfisziert wurde mit den Worten „No Alcohol!“. Eine kurze Recherche brachte zu Tage, dass Litauen weltweit den höchsten Alkoholkonsum pro Kopf hat und die Regierung deshalb recht strikte Massnahmen ergreifen musste. Neben der zeitlich begrenzen Verfügbarkeit ist der Konsum jeglichen Alkohols erst ab 20 Jahren erlaubt, es darf nicht in der Öffentlichkeit getrunken werden und es gibt ein striktes Werbeverbot.

Mit all diesen Beobachtungen und dem neu erlernten Wissen haben wir uns dann einen Schlafplatz außerhalb des Dorfes gesucht und nachdem dort sämtliche durch unsere Ankunft in Alarmbereitschaft versetzte Hunde wieder beruhigt waren legten wir uns schlafen. Morgen soll es weiter bis nach Riga gehen.

Bis dahin.

Tag Drei ¦ Lettland – Riga

Nachdem wir heute erwacht waren räumten wir unser Auto in den Fahrmodus um und fuhren noch einmal in die Ortschaft, wo wir uns im Supermarkt mit einem Frühstück eindeckten und erfuhren dabei nach dem gestrigen Bier-Faux-Pas noch eine weitere Besonderheit: Anscheinend gibt hier es keinen trinkfertigen Kaffee zu kaufen, weder gekühlt noch in seiner heißen Form. Zur Rettung schritt mal wieder der Busbahnhof, dort stand im Aussenbereich ein Kaffeeautomat, an dem wir uns einen Cappuccino zogen.

Käffchen am Morgen

Danach fuhren wir ab und brachten die gemütliche Strecke nach Riga mit einem weiteren Ladestopp hinter uns. Einmal mussten wir einer Straßensperre ausweichen, was uns mal wieder auf abenteuerliche Nebenstraßen führte, aber letzen Endes kamen wir gut in Riga an.

Lettischer Forst

Dort trafen wir uns mit Marco, einem Kieselmann-Kollegen, der sich gerade auf einer Radreise befindet und auch heute erst hier ankam. Er ist gerade in sein Hotel eingecheckt und wir nutzen die Gelegenheit um bei ihm zu duschen. Gemeinsam erkunden wir die Altstadt und kehren ein auf ein gutes Essen und trinken ein, zwei Bier. Wir stellen fest, dass es eine Stadt immer ungemein aufwertet, wenn sie sich an einem Fluss befindet, und wünschen uns einen solchen auch für Knittlingen.

Riga

So verging die Zeit schnell und Abends trennen sich unsere Wege für die Nacht, Dennis und ich fuhren zu unserem Schlafplatz auf der Insel, die in Riga liegt. Der Weg hierhin ist mal wieder spannend und führte über unbefestigte, sandige Wege ins Gebüsch. Somit haben wir einen Schlafplatz am Wasser, im Sand, auf einer Insel, in der Hauptstadt Lettlands. Verrückt.

Morgen früh treffen wir uns nochmal mit Marco und wollen auf den großen Markt in der Stadt.

Bis dahin.

Tag Vier ¦ Lettland – Riga

Erwachen an der Düna

Nach dem Erwachen auf „unserer“ Insel in Riga kochten wir erstmal einen Kaffee und genossen noch etwas die Aussicht aufs Grüne, die einem dieser Rückzugsort bietet. Muss toll sein, als Bewohner der Stadt einen solchen Ort in unmittelbarer Nähe zu haben. Dann fuhren wir in die Innenstadt, wo wir uns nochmals mit Marco trafen, mit dem wir dann den großen Markt in den Zeppelinhallen erkundeten. Dort gab es allerlei zu sehen, viel Fleisch, Fisch und Käse, aber auch Honig, Backwaren, Gewürze, Obst, Gemüse und Kleidung, Haushaltswaren und sonstiges. Es herrschte ein buntes Treiben mit allerlei Menschen die hier ihre Einkäufe tätigen, der Markt findet täglich statt von 8 bis 18 Uhr, und anscheinend gibt es täglich bis zu 100.000 Besucher.

Der Markt in den Zeppelinhallen

Dann haben wir uns noch jeder einen Becher des hier beliebten Getränks Kvass geholt, einer Art Mischung aus Malzbier und Radler, und schließlich noch in einem Foodcourt etwas gegessen.

Unser MIttagessen
Abschied von Marco

Dann hieß es Abschied nehmen von Marco, denn wir wollten weiterziehen und er wird sich morgen wieder in den Sattel schwingen und weiter radeln, bis er sein Ziel in Helsinki erreicht.

Unser Ziel war jetzt erstmal das Meer, also fuhren wir raus aus Riga und passierten bald die Brücke nach Jūrmala, einer Stadt auf einer vorgelagerten Landzunge, deren Befahrung eine kleine Maut kostet. Dafür sind dann die örtlichen Parkplätze kostenfrei und wir steuerten einen direkt am Strand an. Dort sollte sich eine kostenlose Ladesäule befinden, leider war die jedoch außer Betrieb. Die nächsten Stunden verbrachten wir dann am Strand und genossen die strahlende Sonne und die Meeresbrise. Ins Wasser gingen wir nicht, da am Strand ein Schild hing dass vom Baden abgeraten werde.

Der Sandstrand bei Jūrmala

Nach dem Sonne tanken machten wir eine Lagebesprechung und fuhren wieder in Richtung Riga, wo wir den örtlichen Supercharger besuchten. Der ist immer gut belegt und hat die Eigenheit, dass er seit einiger Zeit schon nur einen Teil seiner eigentlichen Leistung liefert, weshalb tagsüber gerne ein kleiner Stau entsteht. Als wir dort ankamen, waren alle Plätze belegt und vor uns warteten noch mehrere andere darauf, laden zu können. Als wir gerade unsere Möglichkeiten evaluierten, kam ein Mann auf uns zu und fragte uns wie voll wir laden wollen würden, um abzuschätzen ob er hier bleiben oder weiterfahren würde.

Es stellte sich dann heraus, dass er Lukas heißt, ein deutscher Teslafahrer ist und es entwickelte sich ein langes Gespräch über unser Ziel und unseren Plan und wir bekamen noch einige gute Tips für Ladestationen und Schlafplätze auf dem Weg nach Tallinn, denn er ist aktuell für seinen Ph.D. in Riga an der Universität und hat die letzen Wochenenden schon einige Ausflüge in die Umgebung gemacht.

Durch das Gespräch verging die Wartezeit flott und wir waren an der Reihe mit Laden. Nach dem anstecken gingen wir noch ins nebenstehende Einkaufszentrum, um uns mit einem abendlichen Snack und frischem Wasservorrat einzudecken. Nach erfolgter Ladung fuhren wir schließlich noch eine Stunde die Küste richtung Norden hoch, wo wir perfekt zum Sonnenuntergang an einem Parkplatz direkt am Strand ankamen. Dort errichtete Dennis sein Zelt am Strand, in dem er die Nacht schlafen wird und wir ließen den Abend gemütlich ausklingen.

Unser Stellplatz für die kommende Nacht

Morgen geht’s weiter nach Tallinn.

Bis dahin.

Tag Fünf ¦ Estland – Tallinn

Auch heute begann der Tag wieder mit einem gemütlichen Kaffee, diesmal am Strand vor Dennis‘ Zelt.

Morgendlicher Strandgenuss

Als dann alles zur Abfahrt bereit war stellten wir fest, dass es mal wieder echt eng werden würde mit dem Strom im Akku, wir hatten 120km zurückzulegen mit 27% Restakkustand und beschlossen, dass wir einfach mal losfahren und den Verbrauch im Auge behalten. Gesagt, getan gings los und schon bald bemerkten wir, dass es gut möglich wäre wenn wir gemütlich eine konstante Geschwindigkeit fahren. Also stellten wir den Autopilot auf 70km/h und fuhren ganz entspannt über die Straßen, die mittlerweile immer mehr durch Wälder führten und die Felder wichen immer weiter Futterwiesen mit Kühen, je nördlicher wir kamen.

Dabei fiel uns auch nochmals auf, wie anders hier die Straßenverläufe sind als bei uns zu Hause: Da es hier keine Hügel, Wälder oder sonstige Hindernisse gibt, denen es beim Bau einer Straße auszuweichen gilt, gibt es sehr einfache, schnurgerade Straßen, die die Ortschaften miteinander verbinden. Oftmals fährt man 3-4km komplett geradeaus, dann kommt ein kleiner Knick in der Straße von vielleicht 10° und danach geht’s nochmals ein paar Kilometer geradeaus. Keine Leitplanken, breite Fahrspuren die auch mal Platz zum ausweichen beim überholen lassen, und Bushaltestellen. Jede Menge Bushaltestellen. An der Autobahn, an der Schnellstraße, überall sind sie verteilt, damit die Menschen in den weitläufig verteilen Bauernhöfen und Siedlungen wenigstens irgendeine Möglichkeit haben, ohne Auto wegzukommen. Oder zur Schule.

Unser Zwischenziel, eine Ladesäule in Pärnu, erreichten wir dann mit knackigen 0,8% Rest im Akku und konnten dort für einen guten Preis den Akku wieder voll füllen. Dabei haben wir noch etwas zu Mittag gekocht und gegessen.

Leicht waghalsige Prognose

Nachdem sowohl der Akku als auch unsere Mägen wieder voll waren, wollten wir die berühmten Sandstrände des Baltikums noch etwas ausnutzen und fuhren an den Strand von Pärnu, wo wir uns ins Meer stürzten. Bzw. eigentlich nicht, denn der Strand dort war so dermaßen flach, dass man erstmal locker 100m vom Ufer aus ins Wasser laufen musste, bis man überhaupt die Chance hatte zu schwimmen. Aber das Wasser war erfrischend und nach dieser gelungenen Abkühlung machten wir uns auf den Weg das letzte Stück nach Tallinn.

Pärnu Beach

Dort kamen wir gegen 19 Uhr an und parkten in der Nähe der Burg, die wir dann erkundeten, bevor wir durch die sehr schöne Altstadt schlenderten und dort noch in ein Restaurant einkehrten.

Tallinn

Wir schlafen heute auf einem Parkplatz etwas außerhalb im Industriegebiet, von wo aus wir morgen früh um 4:30 Uhr aufbrechen werden, um um 6 Uhr mit der Fähre von Tallinn nach Helsinki überzusetzen.

Bis dahin.

Höchste Taxidermiekunst im Beer House Tallinn

Tag Sechs ¦ Finnland – Säynätsalo

Unser Tag beginnt heute um 4:30 Uhr, bzw. 3:30 Uhr deutscher Zeit. Das ist früh. Aber wer sparen will muss früh aufstehen, und die früheste Fähre war nun mal die günstigste. Da wir aber voller Vorfreude auf die Überfahrt sind, überwanden wir uns schnell aufzustehen und machten uns auf den Weg zum Terminal. Die Aussicht vom Schlafplatz belohnt die unverschämte Weckzeit auch direkt mit einer wunderschönen Morgendämmerung über dem finnischen Meerbusen.

Morgendämmerung

Dort angekommen konnten wir direkt auf die MS Finlandia fahren, dann gönnten wir uns erstmal einen Cappuccino in der Cafeteria und setzen uns, während das Schiff um 6 Uhr ablegte. Wir ließen die letzten Tage nochmals Revue passieren und stellten fest, dass die gefühlten Unterschiede zwischen den baltischen Staaten sich scheinbar in Grenzen halten. Die Menschen sind freundlich, können immer besser englisch je nördlicher man kommt und es gibt überall schöne Frauen.

Auf den Wunsch von Dennis hin möchte ich dies hier nochmals gesondert erwähnen, und er hat ja auch vollkommen recht: Egal ob in Riga, in Tallinn, in Helsinki oder irgendwo dazwischen in einem Dorf – die Dichte an attraktiven Frauen in jedem Alter, die uns auf dieser Reise über den Weg laufen ist auffallend hoch und sorgt regelmäßig für Gesprächsstoff. Man sieht auch, dass sich die Einheimischen freuen, wenn es in deren kurzen Sommer mal schön warm ist und sie die richtig kurzen Klamotten herausholen können, die sonst neun Monate des Jahres im unteren Fach des Kleiderschranks auf ihren nächsten Einsatz warten. Egal wo man ist – die Bedienung im Restaurant, die einem das Essen am den Tisch bringt; die Radfahrerin, die lächelnd an einem vorbei rollt; die Einweiserin auf der Fähre, die eher grimmig schaut und selbst die Radlader-Fahrerin, der man kurz an einer roten Baustellenampel einen Blick zuwirft – hier hat man überall etwas schönes anzuschauen und auch dies trägt sicherlich seinen Teil zum Flair und zur Schönheit dieser Staaten bei.

Naja genug abgeschweift, auf der Fähre gingen wir noch etwas an Deck und genossen den Sonnenaufgang und den frischen Wind, der uns um die Ohren wehte, bis wir schließlich ca. zwei Stunden später in Helsinki anlegten und die Vakkumsauger die Fähre ans Dock zogen.

Frisch verladen
Morgenstund hat Kaffee im Mund

Nachdem wir die Fähre verlassen hatten, suchten wir erstmal den städtischen Strand Lauttasaaren uimaranta auf, um dort nochmals ins Wasser zu hüpfen und dann die dort vorhandenen Duschen zu benutzen. Frisch gesäubert fuhren wir in Richtung Innenstadt und erkundeten diese noch eine Weile, aßen etwas und entschlossen dann, weiter zu fahren.

Lauttasaaren uimaranta

Mit der Überquerung der Bucht waren wir nun auch wieder in einem Gebiet angekommen, in dem es keinen Mangel an Teslas Superchargern gibt. Somit konnten wir heute wieder einen nutzen, der direkt auf unserer Strecke lag. Auf dem Abschnitt ist uns auch aufgefallen, dass wir das erste Mal seit der polnischen Grenze wieder eine Steigung in der Straße hatten, die mehr als ein paar Grad betrug und die Landschaft wieder etwas hügeliger wurde, was uns sehr erfreute. Hier gibt es nun keinerlei Getreidefelder mehr, sondern eigentlich nur noch Wälder und Seen, zwischendurch vielleicht noch ein paar wenige bewirtschaftete Wiesen, auf denen momentan vielerorts frisch silierte Heuballen liegen.

Supercharger sind was tolles

Da wir heute nicht so weit fahren wollten, suchten wir uns einen Schlafplatz etwa eine Stunde vom Supercharger entfernt und hielten schließlich an einem der 187.888 wunderbaren Seen, die dieses Land beherbergt. Genauer gesagt am See Päijänne auf der Insel Säynätsalo. Echt wahnsinn wie schön und friedlich hier die Landschaft auf einen wirkt, richtig malerisch und natürlich.

Wir machten es uns zum Abendessen auf einer Landzunge eines kleinen Hafens gemütlich, wo wir einen Salat mit frischem Gemüse und gebratenen Pilzen zubereiteten und den Tag bei einem Bier ausklingen ließen.

Am Ufer des Päijänne

Erst beim Schreiben des Blogs bin ich drauf gestoßen was das eigentlich für ein See ist, an dem wir hier campieren, und ich möchte es euch nicht vorenthalten – denn er ist eigentlich der See der Superlative in Finnland: 120km lang, bis zu 95 Meter tief, mit 1.118km² doppelt so groß wie der Bodensee und mit 1.886 Inseln bestückt. Er ist mit einem 150km langen Tunnel mit Helsinki verbunden, über den er die Hauptstadt mit Trinkwasser versorgt. Und er ist wunderschön.

Da sind wir doch gespannt, wie die kleineren Seen in Finnland sich dagegen schlagen und was wir die nächsten Tage alles in diesem Land sehen werden.

Bis dahin.

Tag Sieben ¦ Finnland – Kempele

Der Tag begann heute gemütlich, denn wir schliefen erstmal bis 10 Uhr aus, machten uns dann am Hafen einen Kaffee und frühstückten.

Frühstück mit Besuch (der ging leer aus)

Danach baute Dennis seit Zelt ab, das er diese Nacht wieder am Wasser errichtet hatte, und wir planten unsere Route für heute, die uns bis nach Oulu führen sollte. Nach einer Fahrt von ca. 350km durch viele Wälder, über viele Brücken und vorbei an vielen Seen kamen wir schließlich an unserem vorläufigen Ziel an, einem kleinen Hafen außerhalb von Oulu namens Varjakan Satama. Dort genoss Dennis das vielleicht kleinste Softeis der Welt für 1€ und wir kochten uns Nudeln mit Pesto am Sandstrand. Ja, hier gibt es immernoch Sandstrände. Hat mich auch verwundert.

Abendessen am Strand

Und dann machten wir uns auf in Richtung Stadt, wo wir dem vielleicht größten finnischen Kulturgut frönten, das seit 2020 sogar immaterielles UNESCO-Weltkulturerbe ist. Der Sauna.

Wir besuchten eine moderne kleine Sauna Anlage in Kempele mit Whirlpool auf einem Mini-Campingplatz, die ganzjährig für Besucher geöffnet ist. Die zu finden war gar nicht so einfach, da hier fast jeder eine private Sauna bei sich zu Hause hat und die meisten öffentlichen Saunen nur als Ganzes mietbar sind, was dann für einen Abend 150-300€ kostet. Oftmals ist dann noch ein Konferenzraum dabei und man kann Catering dazu buchen, da hier auch Geschäftsessen und Familienfeiern gerne in so einer Location gefeiert werden. So konnten wir dann bis elf Uhr für ein paar Stunden in der Sauna und im Whirlpool entspannen. Und da es nur ein paar Euro mehr ist kostete, direkt auf einem Stellplatz hier zu bleiben, beschlossen wir uns, das zu nutzen.

Schon beim einchecken fiel uns die junge Frau hinter der Theke mit ihrem anziehenden Lächeln auf, die hier arbeitet und den Laden heute alleine schmeißt. Sie wohnt hier in der Ortschaft und wir kamen ins Gespräch über die Menschen und die Kultur im Land, sie sagte uns dass die meisten Menschen lieber zurückgezogen und für sich sind. Normalerweise redet man nicht mit Fremden, außer man will wirklich was von ihnen. Das deckte sich mit unseren Erfahrungen, außer tatsächlich hier in der öffentlichen Sauna, da hatten wir vorher schon zwei Gespräche mit Einheimischen, die Interesse an unserem Trip gezeigt haben. Aber wer wirklich für sich sein möchte, geht wahrscheinlich auch nicht in eine öffentliche Sauna.

Wir unterhielten uns dann eine Weile mit ihr und waren erstaunt als sie sagte, dass sie eigentlich ungern englisch spricht und selbst eher schüchtern ist, denn sie wirkte auf uns sehr offen und lachte viel. So saßen wir noch bis nach Mitternacht bei ihr an der Rezeption und tauschten uns aus, bis sie die Saunen putzen gehen musste. Bis sie damit fertig war saßen wir immernoch an der Rezeption und nutzten das schnelle WLAN aus, das hier vorhanden war. Dann druckste sie etwas herum und frage schließlich was sie uns zahlen müsse, dass wir sie nach Hause fahren, denn sie habe gerade kein Auto. Das übernahmen wir natürlich gerne und Dennis fuhr sie nach Hause.

Die Black Sauna
Olga

Als er nach einer Umarmung mit einem Grinsen zurückkehrte machten wir uns fertig und legten uns schlafen.

Morgen geht es weiter in den Norden bis nach Inari.

Bis dahin.

Tag Acht ¦ Finnland – Inari

Heute konnten wir uns nach dem Aufstehen auf dem Campingplatz nochmal frisch machen, uns rasieren und unseren Wasserbeutel auffüllen. Dann stießen wir mit einem frisch gebrühten Koffeingetränk auf die erste vergangene Woche des Trips an und es ging weiter auf der Straße nach Norden. Nach einer kurzen Ladepause kamen wir langsam dem Polarkreis immer näher, und schließlich statteten wir dem Weihnachtsmann in seiner offiziellen Heimat einen Besuch ab. Dabei überschritten wir gleichzeitig die Grenze zum Polarkreis und sind ab jetzt also über 66° 33′ 55″ nördlicher geodätischer Breite unterwegs.

Weihnachtliche Gefühle treten auf
Übertritt!

Nach dem kleinen Szenenwechsel mit Weihnachtsmusik und jeder Menge Weihnachts-Krimskrams in den Souvenirshops bei 23° Außentemperatur starteten wir wieder durch. Am Straßenrand tauchten nun die ersten Schilder auf die darauf hinweisen, dass hier das lappländische Rentier-Zuchtgebiet beginnt und tatsächlich standen bald die ersten Tiere am Fahrbahnrand. Nach dem nächsten Streckenabschnitt gönnten uns bei einer Pizzeria am Supercharger ein Abendessen in Form einer sehr leckeren Pizza zu einem guten Preis. So gestärkt machten wir noch einige Besorgungen beim örtlichen Lidl und traten unsere letzen Etappe des Tages an.

Pizzapause

Die Wälder wurden langsam lichter, die Häuser am Straßenrand immer weniger, die Landschaft immer flacher und die Rentiersichtungen häufiger. In Lappland, dem nördlichsten Bundesland Finnlands, leben etwa gleich viele Rentiere wie Menschen. Die lassen sich durch eine Straße oder Autos nicht aus der Ruhe bringen, an heißen Tagen stehen sie anscheinend sogar gerne mit Absicht am Straßenrand, um sich vom Fahrtwind kühlen zu lassen.

Ruhige Rentiere am Straßenrand
Die Landschaft verändert sich langsam

Landschaftlich wurden die Bäume jetzt immer weniger und immer kleiner, zwischendurch gab es immer wieder Moorflächen und natürlich weiterhin jede Menge Seen. Der Boden war überzogen von einer weichen Schicht Moos, aus dem Heidekräuter wachsen. Je nördlicher wir gegen Abend fuhren, desto tundra-artiger wurde die Natur.

Ein Weg für eine andere Jahreszeit
Malerische Strombeschaffung in Inari

Nach einer letzten Ladepause am Supercharger ging es nochmal 20 Minuten an einen Schlafplatz am Fluss Syysjoensuu, den Dennis mal wieder wunderbar auf Park4Night rausgesucht hatte. Nachdem wir die letzten Tage immer spätere Sonnenuntergänge erlebt hatten, war heute Sonnenuntergang um 22:32 Uhr. Hier nähert sich die Sonne allerdings nur gaaanz langsam dem Horizont, und wenn sie dann nicht mehr zu sehen ist, ist noch sehr lange hell. Ganz dunkel wird es hier nicht, auch um Mitternacht war es noch hell.

Wir sammelten trockenes Holz und entzündeten ein kleines Feuer, an dem Dennis sich noch ein paar Champignons kochte. Dort verbrachten wir eine Weile, aber wurden von den Stechmücken vertrieben, von denen es hier wirklich Millionen zu geben scheint. Zum Tagesabschluss nahmen wir noch ein Mitternachtsbad im kalten Fluss und schauten eine Folge Breaking Bad im Auto.

Schnuckeliger Schlafplatz

Und morgen? Morgen sind wir am Nordkapp.

Bis dahin.

Tag Neun ¦ Norwegen – Knivskjellodden

Nachdem wir die morgendliche Sonne bei einem Rührei und Kaffee genossen hatten, und uns von unseren netten deutschen Mitcampern für diese Nacht verabschiedeten hatten, machten wir noch eine Erkundungstour ein Stück den Fluss hinauf, wo es einige Einsiedlerhütten und kleine Jagdhütten in der Wildnis gibt.

Spaziergang am Morgen

Dann starteten wir mit der heutigen Fahrt, die uns durch immer karger und felsiger werdendere Landschaften führte. Die Abstände zwischen den Ortschaften wurden immer länger und die Straßen immer leerer. Irgendwann überquerten wir die norwegische Grenze, womit wir uns ab jetzt wieder in der heimatlichen Zeitzone befinden. Gefühlt änderte sich ab dem Zeitpunkt des Grenzübertritt auch die Landschaft merklich, die Besiedlung wurde wieder dichter und die Felsen schroffer.

Der Weg in den nördlichsten Norden

Schließlich näherten wir uns der Ortschaft Honningsvåg, die auf der Insel Magerøya liegt. Die Insel ist seit 1999 durch den Nordkapptunnel unter dem Meer mit dem Festland verbunden. Dieser ist 6,8km lang und führt erst mit kontinuierlichem Gefälle nach unten bis auf 212m unter dem Meeresspiegel, und dann wieder mit 9% Steigung nach oben bis zur Oberfläche.

Unterwasserquerung

Nach der Durchquerung des Tunnels luden wir in Honningsvåg nochmals am nördlichsten Supercharger, bevor uns unser Weg zu einem Wanderparkplatz führte. Dort luden wir unsere ganze Campingausrüstung in zwei Rucksäcke und traten eine dreistündige Wanderung an, denn unser Ziel war es, für eine Nacht die nördlichsten Menschen Europas zu sein. Dazu mussten wir das äußerste Ende der Halbinsel Knivskjelodden erreichen und dort unser Zelt aufschlagen. Die Wanderstrecke führte uns bei allerbestem Wetter durch eine felsenübersähte Heide, vorbei an malerischen Seen und auch hier gab es noch Rentierherden. Hier wuchs jetzt dann auch nichts mehr bis auf Gras, Moos, Heidelbeeren und ab und zu an den feuchteren Stellen auch mal ein paar Blumen.

Nach etwa 8 km kamen wir perfekt zum Sonnenuntergang am nördlichsten Punkt Europas an, suchten uns einen Platz um das Zelt aufzubauen und machten uns die wahrscheinlich nördlichsten Käsespätzle der Welt. Tatsächlich stehen noch zwei andere Zelte über Nacht hier, ein polnisches Pärchen und ein Mann aus Tokio schlafen auch hier. Wir haben allerdings den besten Platz gefunden und sind somit tatsächlich für eine Nacht die nördlichsten Menschen Europas. Ziel erreicht.

Zwei am Kap

Morgen wandern wir wieder zurück und wollen dann das eigentliche Nordkapp besuchen, wo man mit dem Auto hinkommt.

Bis dahin.

Tag Zehn ¦ Norwegen – Skarsvåg

Nach einer erholsamen Nacht im Zelt als nördlichste Menschen auf dem europäischen Festland genossen wir am Morgen die strahlende Sonne, die schon weit am Himmel stand, da sie ja um 2:40 Uhr bereits aufgegangen war. Gut, dass wir uns Schlafmasken eingepackt haben, die uns bei diesen Nächten durch den Schlaf helfen.

Die beiden anderen Zelte unserer Nachbarn, die gestern noch in einigem Abstand gestanden hatten, waren schon verschwunden. Wir hatten ein Müsli eingepackt, das wir nun in der Morgensonne genießen konnten. Dann bauten wir langsam das Zelt ab und verstauten alles wieder in unseren Rucksäcken. Dann ließen wir noch einen WG Sticker im Kasten mit dem Gästebuch zurück, liefen nochmal ganz vor auf den vordersten Felsen in der Brandung und genossen einen abschließenden Moment den Augenblick, hier zu stehen.

Ein Tag am Kapp

Dann traten wir gegen 11:30 Uhr den Rückweg an, der uns die selbe Strecke wie gestern wieder zurück an den Wanderparkplatz führte. Unterwegs hatten wir Zeit, um nochmal die Ruhe der Landschaft zu genießen und abermals ein paar Rentiere zu beobachten. Der Rückweg zog sich dann merklich in die Länge und obwohl wir nur etwa 300 Höhenmeter zu überwinden hatten, strenge der Weg doch an weil der Gesamtstreckenverlauf durch steiniges, unebenes Gelände führte. Zusätzlich war erhöhte Aufmerksamkeit erforderlich, da es immer wieder Spalten zwischen den Steinen gab, die man leicht übersehen konnte. Nun war auf dem Weg einiges los und um die Mittagszeit kamen uns viele Wanderer entgegen, die Richtung Kapp wanderten.

Der Rückweg

So waren wir froh, als wir nach etwa drei Stunden wieder heile, aber erschöpft am Auto ankamen und uns erstmal eine Weile setzten und überlegten, wie wir nun weiter machen. Wir entschieden uns dafür, heute erstmal einen Campingplatz zu suchen, wo wir uns mal wieder duschen und unsere Klamotten waschen konnten. Da wir hier am Nordkapp sind, das ein sehr beliebtes Ziel für Wohnmobile, Motorradreisende und Bikepacker ist, gibt es einige Campingplätze auf der Insel. Für uns kam natürlich nur der nördlichste von ihnen in Frage, das BaseCamp NorthCape. Also fuhren wir dort hin, checkten ein, genossen eine heiße Dusche und warfen unsere Kleidung und Handtücher in die Waschmaschine.

Frisch rausgeputzt fuhren wir nach Honningsvåg, wo wir in einem Restaurant einkehrten. Auf dem Weg dorthin kamen uns eine ganze Reihe an Reisebussen entgegen und als wir in dem Dorf ankamen, sahen wir auch woher die Busse stammten: Im Hafen des 2.300-Seelen-Dorfes lagen zwei gigantische Kreuzfahrtschiffe angedockt, von denen aus die Passagiere mit dem Bus zum Nordkapp gefahren werden oder sich die kleine Ortschaft ansehen können. Tourismus pur. Nach dem leckeren Essen hielten wir noch im örtlichen Supermarkt, füllten unseren Wasservorrat auf und besorgten ein paar Snacks. Jeder Supermarkt hier hat ein Süßigkeitenregal, an dem man nach Gewicht bezahlt und auch das haben wir schon ein paar Mal genutzt.

Der süße Dennis vor dem süßen Regal

Zurück auf dem Campingplatz holten wir unsere Wäsche aus dem Trockner und schnupperten noch ein wenig die frische Abendluft, bevor wir den Abend mit einer Folge Breaking Bad abschlossen. Ein Nachteil der fehlenden Dunkelheit ist es übrigens, dass es quasi unmöglich ist, die Nordlichter zu sehen oder zu fotografieren. Und das, obwohl in dieser Nacht die Nordlicht-Aktivität besonders hoch war und sie sogar in Deutschland zu sichten waren. Zur Veranschaulichung hier mal ein Foto wie es hier mitten in der Nacht aussieht:

Foto um 0:15 Uhr Ortszeit

Mal sehen, wo wir morgen landen.

Bis dahin.

Tag Elf ¦ Norwegen – Skaidi

Am heutigen Tage ließen wir uns Zeit mit dem ausschlafen, aufstehen und zusammenpacken und unterhielten uns noch mit einem älteren deutschen Ehepaar, das gerade seinen ersten Trip mit seinem Wohnmobil machte und dazu direkt ans Nordkapp gefahren war.

Entspannen am Morgen

Gegen 12 Uhr verließen wir schließlich den Campingplatz und fuhren zu dem Teil des Nordkapps, den man noch mit dem Auto erreichen kann. Die Aussicht war zunächst getrübt von tief hängenden Wolken, aber nach einer Weile klärte sich der Himmel auf und man konnte kilometerweit übers Wasser blicken. Das Nordkapp ist ein 307m über den Meeresspiegel herausragendes Schieferplateau, von dem aus man bei gutem Wetter sehr weit sehen und auch in Richtung Westen die Küste Norwegens entlang blicken kann. Also verbrachten wir eine Weile dort, machten ein paar Bilder, liefen eine Runde spazieren und entschlossen uns, dass die 30€ Eintritt in die Norkapphallen zu viel sind und wir nicht reingehen würden. Merkwürdigerweise lag sogar der Souvenirshop im Bereich, für den Eintritt verlangt wurde, so konnten wir nichtmal billigen Ramsch für viel zu viel Geld kaufen. Fast ein bisschen schade.

Das Nordkapp mit Palmela

Also fuhren wir wieder runter von der Klippe und besuchten ein kleines Café, das nicht weit von dem Campingplatz entfernt lag, an dem wir letzte Nacht gecampt hatten. Dort mussten wir noch ein wenig auf das Eintreffen der Besitzerin warten, da das Café noch Mittagspause hatte, und setzten uns dazu in die wärmende Sonne. Als die nette alte Dame dann eintraf bekamen wir eine Tasse Kaffee und frisch gebackene Waffeln mit Marmelade, die wir gemütlich in der Sonne verspeisten.

Im Hinterhof des Cafés

Nach dem Besuch des Cafés hieß es dann Abschied nehmen vom Nordkapp und wir fuhren das erste Stück wieder Richtung Süden. Die E69 führte uns wieder über die gewundenen Küstenstraßen über die Insel, bis wir plötzlich zum Stehen kamen, weil ein Fahrzeug mit orangenem Blitzlicht auf der Straße stand. Und zwar vor dem Nordkapptunnel, der einzigen Verbindung von der Insel herunter zum Festland. Die Ampel vor dem Tunneleingang blinkte Rot. Ein freundlicher Herr mit Warnweste kam auf uns zu und erklärte, dass soeben ein Fahrzeug im Tunnel gebrannt hatte und dass die Feuerwehr im Anmarsch wäre um die Situation zu prüfen. Er meinte es sollte weniger als eine Stunde dauern, bis der Tunnel wieder freigegeben wäre. Wir berieten uns kurz und entschlossen uns, die Wartezeit zu nutzen um etwas zu Essen zu kochen.

So fuhren wir auf die direkt vor dem Tunnel liegende Parkbucht und packten den Kocher aus. Da sahen wir, dass das Fahrzeug, das im Tunnel Feuer gefangen hatte, auch auf dem Parkplatz stand und unterhielten uns kurz mit dem Fahrer. Der war ganz locker drauf, ein „Kapitän zur See und zur Straße“, wie er sich selbst betitelte. Er sprach auch deutsch, war eigentlich aber Schwede, der jetzt in Nord-Norwegen wohnt und nur einen kleinen Ausflug zum Nordkapp machen wollte. Sein Auto, ein frisch überholter und restaurierter 1974er Pontiac, stand mit offener Motorhaube da und sah soweit unversehrt aus. Er erzählte uns, er hatte einen Leistungsverlust bei der Tunneldurchfahrt und sah kurz darauf durch die Lüftungsschlitze der Motorhaube Flammen im Motorraum. Da er sich nur wenige hundert Meter vor dem Ende des Tunnels befand, entschied er sich durchzuziehen und habe den Parkplatz erreicht und mit dem zum Glück dort vorhandenen Feuerlöscher den Brand löschen können. Die Flammen waren wohl nur wenige Zentimeter neben einer Benzinleitung aus Gummi entstanden und er hatte großes Glück, dass er so davongekommen ist.

Zwei Minuten später hörten wir Sirenen und sahen ein Polizeifahrzeug anrücken. Eine junge, sehr hübsche Polizistin und ihr Kollege stiegen aus und begannen mit der Aufnahme des Zwischenfalls. Kurze Zeit später kam ein Löschgruppenfahrzeug und ein Kommandowagen der Feuerwehr und füllten den Parkplatz aus. Wir überlegten kurz, ob wir jetzt wirklich vor den Augen aller anwesenden Autoritäten unsere Nudeln kochen sollten, auch im Hinblick auf das aktuell geltende Verbot von offenem Feuer, das hier momentan wegen der anhaltenden Trockenheit gilt. Wir beschlossen, es darauf ankommen zu lassen und bereiteten in aller Ruhe unsere Nudeln zu, während die Feuerwehr die Lüftungsanlage des Tunnels auf volle Leistung schaltete und so den Rest des Rauches aus dem Tunnels blies, bevor sie darin verschwanden und nach 15 Minuten zurück kamen. Für unseren Gaskocher interessierte sich dabei niemand.

Einsatz vor dem Tunnel

Nachdem wir unser Abendessen eingenommen und dabei das Treiben beobachtet hatten, ebbte der Trubel langsam ab und der Tunnel wurde wieder freigegeben. Also setzten wir unsere Fahrt nach der etwa einstündigen Unterbrechung fort und rollten weiter die Küste entlang, wobei wir noch einmal die einzigartige Landschaftsart hier genossen. Nach etwa 80km waren wieder die ersten Bäume in Form von kleinen Birken am Straßenrand zu sehen, größer als 3-4m werden die hier nicht. Ein Stück weiter waren die felsigen Hügel dann wieder von dichten, struppigen Büschen überzogen und die Birkendichte erhöhte sich. Wir fuhren an einen Supercharger in Skaidi und luden den Tesla, in der Wartezeit gönnte Dennis sich einen Hotdog in der Tankstelle, wobei die Tankstellen hier fast immer einen kleinen Supermarkt und einen Fastfood-Bereich beinhalten – und hier war es eigentlich auch zum Teil ein Baumarkt. Ein multifunktionales Gebäude eben in einer Region, wo es sonst nicht viel gibt.

Nachdem wir zu einem Schlafplatz in der Nähe gefahren waren, was ein kleiner Parkplatz am Fluss Goahtemurjohka war, packte Dennis seine Sachen und ging los um einen Platz zu suchen, an dem er mit dem Zelt campieren könnte. Nach kurzer Zeit jedoch war er wieder am Auto und berichtete von einem mit Hakenkreuzen bemalten Fahrzeug und von Zelten, die halb verlassen im Gebüsch stünden. Da uns die Sache nicht geheuer war, entschieden wir uns doch nicht über Nacht hier zu bleiben und fuhren nochmal 20 Minuten weiter, wo wir am selben Fluss weiter stromaufwärts ein Plätzchen fanden. Dort stand nur ein Niederländischer Van und Dennis baute sein Zelt in einem Birkenwald auf, der allerdings halb zerstört war, als hätte vor kurzem ein heftiger Sturm hier gewütet.

Morgen geht’s weiter in Richtung Lofoten.

Bis dahin.

Tag Zwölf ¦ Norwegen – Tromsø

Am heutigen Morgen sind wir nach dem Ausschlafen ein paar hundert Meter an den Fluss Goahtemurjohka gelaufen, haben dort unser Frühstück gemacht und uns dann noch in das kühle Nass gestürzt und uns gewaschen. Es ist immer wieder ein herrliches Gefühl, nackt im eiskalten Wasser zu baden und zu spüren, wie es den Körper belebt und die Durchblutung anregt. Und das bei absolut klarem, sauberem Wasser.

Auf dem Weg zum Fluss liefen wir nochmal durch den halb abgestorbenen Birkenwald und fragten uns, was den wohl so zugerichtet hat. Nach kurzer Recherche schien hier wohl vor einigen Jahren ein Schädling am Werk gewesen zu sein, nämlich die Laubraupe Løvmark. Die entwickelt sich hier immer mehr zum Problem, denn sie stirbt in der kalten Jahreszeit nicht mehr ab, weil die Winter durch den Klimawandel in den letzten Jahren zu milde geworden sind. So sind immer mehr Wälder davon befallen und der Schädling breitet sich aus.

Erfrischung am Morgen

Nach der Abkühlung setzten wir uns ins Auto und fuhren los. Ziel war es, heute Tromsø zu erreichen. Dazu hatten wir uns eine Strecke ausgesucht, die zwei kurze Fährverbindungen beinhaltete und uns direkt an den Lyngenalpen vorbeiführte. Diese imposante, gletscherbedeckte Gebirgskette begleitete uns den Tag über und war mit ihren bis zu 1800m hohen Gipfeln eine willkommene Abwechslung zur Aussicht der letzten Tage. Das Wetter war herrlich und es hatte heute 27 Grad, was für diese Breitengrade im August absolut ungewöhnlich ist. Bisher hatten wir auf dem gesamten Trip perfektes Wetter und würden uns freuen, wenn das zumindest für die Lofoten die nächsten Tage so bleibt.

Mit einem Supercharger-Stop und einer Einkaufs-Pause mit Baguette-Einverleibung auf dem Weg erreichten wir dann den Fähranleger in Olderdalen. Nach einer Viertelstunde kam auch schon die Fähre, die uns innerhalb von 40 Minuten über den Fjord brachte. Dann fuhren wir etwa 20 Minuten über Land und kamen an den nächsten Fähranleger, wo wir der gerade abgelegten Fähre hinterherwinken konnten. Und das obwohl beide Fähren pünktlich nach Plan gefahren waren und wir uns auf der Zwischenstrecke genau ans Geschwindigkeitslimit gehalten hatten. Das könnte man also auch besser takten auf Seiten der Fährgesellschaft. Naja dann hieß es also eine Stunde warten bis zur nächsten Fähre und als diese dann anlegte und wir aufgefahren waren, stellten wir schnell fest, dass die Ibestad eine der mittlerweile vielen rein elektrisch betriebenen Fähren Norwegens ist. So ganz ohne Abgase und Vibrationen und im Vergleich zur vorigen war diese hier deutlich leiser unterwegs.

Fähren sind toll

So glitten wir übers Wasser in Richtung Breidvik und dort angekommen, war es noch etwa eine Stunde bis Tromsø, wo wir dann gegen 21 Uhr eintrafen. Wir suchten uns einen Parkplatz nahe der Innenstadt und liefen den Rest des Weges zu unserem Ziel: Der nördlichste McDonalds der Welt. Als Dennis das ursprünglich als Zwischenstopp vorgeschlagen hatte, war ich nicht sehr angetan von der Idee, aber letzten Endes war es eine schöne Sache und die Route dorthin war sehr malerisch.

Der nördlichste McDonalds der Welt
Bibliothek Tromsø

Nachdem wir dort zu Abend gegessen und das WLAN genossen hatten, statteten wir noch kurz dem nördlichsten Burger King der Welt einen Besuch ab, der sich nur ein paar Meter weiter befand. Der war aber nur halb so cool wie der McDonalds und so zogen wir wieder ab.

Wieder im Auto suchten wir nach einem Schlafplatz und hatten Probleme, einen wirklich geeigneten in der Nähe zu finden. Daher fuhren wir wieder eine halbe Stunde heraus aus der Stadt an der Küste entlang und wurden schließlich dank Park4Night in einem Waldstück fündig. Zu dem Parkplatz führte ein unbefestigter, enger Weg. Den konnten wir mit dem Tesla nicht ganz entlang fahren, da wir in der Mitte auf dem Boden aufsetzen. Ich blieb somit in einer Ausweichbucht stehen und Dennis schlug sein Zelt ein Stück weiter drin im Wald auf.

Der Weg zum heutigen Nachtplatz

Morgen wollen wir auf den Lofoten ankommen.

Bis dahin.

Tag Dreizehn ¦ Norwegen – Insel Austvågøya

Als wir an diesem Morgen erwachen, ist es das erste Mal auf dem Trip so richtig bewölkt und es fängt gerade an zu tröpfeln. Deshalb bauen wir schnell Dennis‘ Zelt ab, damit es nicht zu nass wird. Mit uns auf dem Parkplatz steht mal wieder ein deutscher Van, dessen Besitzerin gerade ihre drei Hunde ausführt und wir wechseln noch ein paar Worte mit ihr. Dann kochen wir unseren Kaffee, aber als wir unser Müsli essen wollen stellen wir fest, dass wir keine Milch mehr haben. Und das, obwohl wir gestern eigentlich erst drei Liter gekauft haben! Oder vielleicht eher kaufen wollten, denn offensichtlich haben wir die drei Tetrapaks irgendwo im Laden stehen lassen. Zum Glück hatten wir noch Muffins, die dann jetzt zum Frühstück herhalten mussten.

Als wir uns dann auf den Weg machten, fing es an richtig zu regnen und so fuhren wir durch den Regen. Nach einiger Zeit kamen wir an einen Supercharger und luden einmal voll, bevor es weiter ging. Je weiter südlich wir kamen, desto mehr Elektroautos bekamen wir zu Gesicht und die Landschaft wurde immer bergiger. Nach einem zweiten Ladestopp machten wir noch an einem Supermarkt halt, wo wir etwas zum Mittagessen kaufen wollten. Da hier alles ziemlich teuer ist waren wir die letzten Tage auf der Suche nach etwas gehaltvollem, günstigem, was man leicht zwischendrin essen konnte und was einen nicht arm macht. Um mal ein Beispiel zu geben: Gestern haben wir im Supermarkt zwei belegte Baguettes gekauft und dafür 17€ bezahlt. Heute machte ich jedoch im Kühlregal eine Entdeckung, die alles veränderte: Kartoffelsalat. 700g. Für 1,20€. Voller Freude über diese Entdeckung packten wir noch eine Dose Fisch für Dennis und einen Dreierpack „Brötchen“ ein (richtige Brötchen gibt’s hier nicht) und natürlich die Milch. Der Kartoffelsalat stellte sich als eine Mischung aus Kartoffelbrei mit Stücken und Lauch heraus, was ziemlich lecker war.

In kleine Scheiben, musst du ihn schneiden, Kartoffelsalat

Im Laufe der Strecke wurde das Wetter zwischendurch wieder besser, die Temperaturen waren heute zwischen 15 und 20 Grad. Wir folgten der Europastraße E6 und bogen irgendwann auf die E10 ab, der Kong Olav Vs vei, der Straße des König Olaf V. Diese führt einmal die ganzen Inselgruppe entlang und nach kurzer Zeit überquerten wir die Raftsundbrücke, die den offiziellen Start der Lofoten markiert. Dann entschieden wir uns dazu, die Hauptstraße zu verlassen und fuhren ein Stück an der Küste entlang, wo die Landschaft eine wunderbare Mischung aus Sandstränden, grünen Wiesen, Wäldern und Bergen im Hintergrund darstellte. Absolut malerisch und auf der Nebenstraße waren wir ganz allein unterwegs.

Unbeständiges Wetter in wunderschönen Landschaft

Allerdings fing es jetzt wieder an zu regnen und die Sicht auf das türkisblaue Wasser war somit etwas getrübt. Nach einigen Kilometern suchten wir uns einen Parkplatz zum Schlafen und kochten noch eine Portion Gnocci mit Tomatensoße, bevor wir uns schlafen legten. Hier wird es jetzt übrigens wieder um 22 Uhr dunkel.

Hoffen wir mal, dass morgen das Wetter wieder besser wird.

Bis dahin.

Tag Vierzehn ¦ Norwegen – Insel Gimsøya

Nachdem es die ganze Nacht ohne Pause durchgeregnet hatte, wachten wir morgens im Regen auf und nahmen unser Frühstück im Auto zu uns. Nach dem abspülen fassten wir einen Plan für heute und entschlossen uns, erstmal nach Henningsvær zu fahren und dort das Dörfchen auszukundschaften. Da es dabei immernoch fröhlich regnete, hielt sich die Aussicht in Grenzen aber der Flair des kleinen auf dem Felsen im Meer gebauten Dorfes kam trotzdem gut an. Auf den äußersten Zipfel des Dorfes ist ein Fußballfeld gebaut, welches sicher die meisten schonmal auf einem Bild gesehen haben, und auch wir haben ein paar Drohnenaufnahmen davon gemacht, als das Wetter besser wurde. Touristisch war hier schon echt einiges los, die öffentlichen Parkplätze hier waren alle ziemlich voll und es waren viele Besucher unterwegs.

Henningsvær

Danach suchten wir uns dann einen Campingplatz an dem duschen konnten, ohne dort übernachten zu müssen. Beim zweiten Anlauf fanden wir auch einen und genossen eine erfrischende Dusche, bei der wir das warme Wasser per Kreditkarte freischalten mussten und dann für 2,50€ 5 Minuten warmes Wasser hatten.

Die raue Schönheit der Lofoten

Dann fuhren wir noch ein Stück weiter und suchten uns heute ziemlich früh einen Platz zum übernachten. Mit uns auf dem Parkplatz stehen noch sechs andere Vans und Wohnmobile, von denen hier jede Menge herumfahren. Davon sind sehr viele deutsch und italienisch, aber auch die Finnen, Holländer und Schweden sind gut vertreten. Da der Regen gegen Abend ausblieb hatten wir dann noch Zeit, uns etwas zu kochen und einen Spaziergang zu machen und zum Abschluss des Tages schauten wir noch einen Film im Tesla.

Einer unserer Mitcamper diese Nacht

Morgen schauen wir uns hier noch etwas um und nehmen dann die Fähre wieder aufs Festland.

Bis dahin.

Tag Fünfzehn ¦ Norwegen – Insel Toppøya

Der heutige Tag begann wie gestern im Regen. Also packten wir Dennis‘ nasses Zelt ein, kochten einen Kaffee mit dem letzten verbleibenden Kaffeepulver und fuhren los weiter die Inselkette hinunter. Wir hielten immer wieder mal an, stiegen kurz aus und machten ein paar Bilder. Die Landschaft hier ist wirklich sehr schön anzusehen, auch bei Regen. Hier gibt es auch einige Sandstrände, an denen wir heute Surfer sahen, denn der Wellengang war durch den Wind ziemlich stark.

Schöne Strände bei unpassendem Wetter

Das erste Zwischenziel war dann der Supercharger in Reine, eine der südlichsten Ortschaften der Lofoten. Da der Lader auf einem kostenpflichtigen Parkplatz stand, hielten wir uns dort nicht allzu lange auf und fuhren bald weiter. Südlich von Reine ging es dann über ein paar auf Fels gebaute Brücken, die aus dem Wasser ragen, weiter bis nach Å, der Ortschaft mit dem kürzestmöglichen Namen. Dort parkten wir und liefen einen kleinen Pfad entlang bis zu einem Aussichtspunkt. Auf dieser Felsspitze blies einem ordentlich der Wind um die Ohren, für heute gab es sogar eine amtliche Windwarnung. Regen war zum Glück keiner mehr vorhanden, aber wir konnten ein Stück entfernt sehen, dass wieder eine Regenfront auf uns zukam.

Die südlichste Spitze der befahrbaren Lofoten

Nach dem wir noch eine Weile die Wellen beobachtet hatten, die sich gegen die kahlen Felsen der Küste warfen, zogen wir wieder ab und fuhren ein Stück die Küste rauf bis wir einen Parkplatz für die Nacht fanden. Dort machten wir uns noch eine Dose Ravioli warm, die wir mangels Dosenöffner mit dem Taschenmesser öffneten.

Unser Parkplatz für die Nacht

Das Auto steht heute neben einem Trockengerüst für Stockfisch, das so aussieht als wäre es schon sein langer Zeit nicht mehr mehr benutzt worden. Dennis hat sein Zelt auf einer vorgelagerten Landzunge direkt am Meer aufgestellt, die sich ganz in der Nähe befindet. Gegen Mitternacht haben wir noch einen kurzen Spaziergang gemacht und die frische Nachtluft zwischen den Regenschauern genossen.

Olenilsøya bei Nacht

Morgen früh wollen wir die Fähre ans Festland ab Moskenes nehmen.

Bis dahin.

Tag Sechzehn ¦ Norwegen – Bodø

Heute klingelte bei uns um 8 Uhr der Wecker, denn wir wollten etwa um neun Uhr am Fähranleger von Moskenes sein. Von dort verkehren mehrmals täglich Fähren ans Festland nach Bodø. Tickets kann man online im Voraus buchen, es gibt aber auch darüber hinaus Plätze für spontan Reisende. Die Tage vorher hatten wir schon nach Tickets geschaut, aber die Fähren tagsüber waren alle ausverkauft gewesen und nur für 23 Uhr oder 1 Uhr nachts waren noch Tickets verfügbar. Also hatten wir beschlossen, es ohne Ticket auf die spontane Weise zu versuchen und waren extra zwei Stunden vor Abfahrt am Anleger.

Moskenes Kirkje neben dem Fähranleger

Um 11 Uhr sollte die Fähre kommen und wir waren das fünfte Auto in der Reihe, hatten uns also einen guten Platz gesichert. 11 Uhr kam und ging, es war jedoch kein Schiff in Sicht. Eine halbe Stunde später wurden die Fahrer der Autos um uns herum immer unruhiger, stiegen aus und liefen herum. Ich beschloss, mal die Webseite der Fährgesellschaft zu checken und fand eine Servicemitteilung, dass auf der Strecke wegen technischer Probleme seit dem Vortag keine Fähren mehr fuhren und die nächste heute um 14:45 Uhr kommen sollte. Also hatten wir noch etwa drei Stunden totzuschlagen und wussten nicht mal hundertprozentig, ob wir überhaupt auf die Fähre kommen würden. Denn wenn nun alle mitfahren wollten, die bei den letzten vier ausgefallenen Fähren schon dabei sein wollten würde das niemals auf ein Schiff passen. Aber versuchen mussten wir es und wir hatten ja keinen Zeitdruck, irgendwo hin zu kommen. Also schauten wir ein paar Folgen Breaking Bad im Auto, vertraten uns etwas die Beine und Dennis gönnte sich einen schmackhaften Burrito von einem Foodtruck neben dem Warteplatz, der heute vermutlich den Umsatz seines Lebens machte. Immerhin regnete es nun nicht mehr. Der Platz war mittlerweile beinahe komplett gefüllt mit Autos, Wohnmobilen und Motorrädern, zudem mindestens einhundert Passagiere zu Fuß und Bikepacker, die auch übersetzen wollten. Da waren wir wirklich froh, dass wir einen der vordersten Plätze bekommen hatten und rechneten unsere Chancen als relativ hoch an, einen Platz zu bekommen.

Wenig Hafen für so viele Autos

Als die Fähre dann mit etwa 20 Minuten Verspätung eintraf, fingen die Mitarbeiter an, die Fahrzeuge einzuchecken – das funktioniert hier ganz einfach indem sie ein Foto vom Fahrzeug machen, die Rechnung bekommt später der Fahrzeughalter per Post. Zuerst wurden logischerweise die Fahrzeuge registriert, die ein Ticket hatten, danach waren dann wir an der Reihe. Tatsächlich passten am Ende mehr Fahrzeuge auf die Fähre als gedacht, aber einige Unglückliche würden weitere fünf Stunden warten müssen, bis die Fähre wieder zurück sein würde.

Auf dem Passagierdeck angekommen stellte sich schnell heraus, dass es schwierig werden würde einen Sitzplatz zu finden, denn alle Bereiche mit Sitzgelegenheiten waren bereits fast bis ans Limit gefüllt. Und als die Fähre dann ablegte und aufs offene Meer hinaus fuhr, stellte sich wiederum heraus, dass dies eine holprige Überfahrt werden würde. Der Wind wehte kräftig und produzierte nicht zu verachtende Wellen, was in einem stetigen Auf und Ab des Schiffes resultierte, das einigen Passagieren sichtlich zu schaffen machte.

Einer dieser betroffenen Passagiere hieß Dennis, dem zu Beginn der Fahrt sichtlich die gesunde Farbe aus dem Gesicht wich und der einige Zeit an der frischen Luft brauchte, um sich an das Geschaukel und Geschunkel zu gewöhnen. Die ganze Zeit über regnete es mehr oder minder stark, wir fanden jedoch ein einigermaßen trockenes Plätzchen an Deck im Windschatten des Aufbaus, wo wir die meiste Zeit verbrachten. Nach etwa dreieinhalb Stunden waren wir endlich in Bodø und gingen von Bord.

Tschüss Lofoten
Hallo Festland

Wir suchten noch einen Supermarkt auf, der auch Sonntags geöffnet hatte und deckten uns mit dem Nötigsten ein. Unser Vorrat war komplett aufgebraucht, denn wir hatten auf den Lofoten nicht so viel kaufen wollen. Dort war alles nochmals teurer, als es in Norwegen sowieso schon ist. Danach gings zu einem Parkplatz ein paar Minuten außerhalb, wo wir die Nacht verbringen werden. Dort kochten wir uns noch eine Kleinigkeit und schlossen den Tag mit einer weiteren Folge Breaking Bad ab.

Für morgen haben wir noch keinen Plan.

Bis dahin.

Tag Siebzehn ¦ Schweden – Storuman

Heute wachten wir das erste Mal seit ein paar Tagen wieder im Sonnenschein auf und waren erstaunt darüber, wie viele Camper über Nacht auf dem Parkplatz dazu gekommen waren. Wahrscheinlich waren das die Reisenden, die gestern die späte Fähre bekommen hatten und irgendwann mitten in der Nacht hier gelandet waren. Nach einem kurzen Frühstück machten wir eine Lagebesprechung. Bei der legten wir fest, dass wir heute noch nach Schweden fahren und dann die nächsten Tage durch Mittelschweden bis nach Göteborg, wo wir am Donnerstag Abend eintreffen wollen. Wir fuhren los und in der nächsten Ortschaft hielten wir erstmal an einem Supermarkt, wo wir auf die Toilette gehen konnten und ein paar Kleinigkeiten einkauften. Dort bestaunte ich nochmals das reichhaltige Angebot an Lebensmitteln zur Zubereitung von Tacos, Tortillas und Burritos, das hier in jedem Supermarkt zu finden ist. Anscheinend essen die hier gerne mexikanisch.

Das mexikanische Regal

Dann fuhren wir die erste Tagesetappe und luden am Supercharger in Fauske. Dort suchten wir einen Campingplatz bei dem wir duschen konnten und frisch gesäubert ging es weiter das nächste Stück bis nach Mo i Rana. Bevor wir dort ankamen, bestellten wir Pizza zur Abholung vor und holten diese an der Pizzeria ab. Dann fuhren wir zum Lader und aßen während der Ladepause. Dabei schmeckte die Pizza besonders gut in Anbetracht des Preises, der nach den saftigen Preisen auf den Lofoten und unter Berücksichtigung von 20% Studentenrabatt geradezu günstig war. Deshalb gönnten wir uns auch direkt jeder eine große Pizza, um auch am Abend und morgen noch davon zehren zu können.

Einverleibung

Nach der mittäglichen Stärkung und dem Verpacken der Pizzareste waren wir bereit für den nächsten großen Streckenabschnitt. Nach kurzer Zeit kamen wir über die unspektakuläre schwedische Grenze und weiter ging es über die Europastraße 12 durch Wälder, vorbei an Seen und Wildwasserflüssen. Hier war es nun wieder voll bewaldet und zu den Birken gesellten sich jetzt auch wieder Kiefern und Fichten. Je weiter man ab hier in den Süden kommt, desto diverser wird der Wald. Auch der erste Elch ließ sich hier am Fahrbahnrand blicken, davon erwarten wir in den nächsten Tage noch viele Sichtungen. Das Wetter soll sich jetzt über die nächsten Tage auch bessern, heute war es sehr gemischt und die Nacht soll kalt werden. Nach etwa drei Stunden Fahrt kamen wir schließlich ins schwedische Storuman, wo wir die dortige Ladepause nutzten, um nochmals in einen Supermarkt zu gehen.

Auf der Straße
Kaffepause im Wald
Starke Zugmaschinen sind hier keine Seltenheit

Die Nacht verbringen wir auf der malerischen Insel Luspholmen direkt vor Storuman in einem kleinen Wäldchen. Neben uns steht selbstverständlich ein deutscher Van.

Schwedische Abendsonne

Morgen geht’s weiter an die schwedische Ostküste.

Bis dahin.

Tag Achtzehn ¦ Schweden – Sörfjärden

Am heutigen Tag genossen wir mal wieder einen Kaffee und ein Müsli zum Frühstück, bevor wir abermals einen Supermarkt aufsuchten, um dort die sanitären Einrichtungen zu benutzen. Es sei hier einmal lobend zu erwähnen, dass die Supermärkte hier alle mit einer Kundentoilette ausgestattet sind, die man jederzeit benutzen kann. Dies ist auf einem Roadtrip sehr praktisch, denn einen Supermarkt findet man eigentlich überall und hier haben die meisten von 7 bis 22 Uhr geöffnet. Wenn man nach einer Toilette fragt wird man meist ins Lager geführt in irgendeinen Hinterraum und dort befindet sich dann die Toilette. Dort hat man seine Ruhe und kann auch mal das dreckige Kochgeschirr abwaschen oder sich die Haare waschen, wenn man die passende Ausrüstung im Rucksack mitführt.

Nach diesem morgendlichen Boxenstopp wollten wir Kilometer machen und fuhren die E45 in Richtung Süden entlang. Nach zwei Ladepausen und über 400 Kilometern Fahrt kamen wir an einem Lidl vorbei, wo wir selbstverständlich halten mussten. Die vertrauten Produkte und endlich wieder normalen Preise fühlten sich fast an wie zu Hause und endlich gab es wieder Wasser in 1,5 Liter Flaschen. In ganz Norwegen und im nördlichen Schweden gibt es Wasser nur zu hohen Preisen in großen 5 Liter Flaschen, da freuten wir uns über die Sixpacks Saskia-Wasser. Als Alternative haben wir auch einen 10 Liter Wassersack dabei, den wir mit Trinkwasser gefüllt mitführen. Den benutzen wir hauptsächlich zum abspülen und zum Haare waschen, haben aber auch schon unsere Trinkflaschen daran gefüllt.

Ein Stück Heimat in der Fremde

Gegen 18 Uhr kamen wir an unserem Schlafplatz an einem kleinen Angelsee an, der schön friedlich war und ich umrundete den See einmal zu Fuß, während Dennis sich noch etwas zu Essen kochte. Das gestaltete sich als abenteuerlicher als gedacht, denn es gab nach etwa der Hälfte der Strecke keinen richtigen Weg mehr und ich musste mich durch den dichten schwedischen Wald kämpfen.

Waldabenteuer

Den Abend schlossen wir dann mal wieder mit einer Folge Breaking Bad im Auto ab, bevor wir uns schlafen legten.

Unser Parkplatz für heute

Morgen früh werden wir ein wenig Axtwerfen und danach weiter Richtung Süden die Küste entlang ziehen.

Bis dahin.

Tag Neunzehn ¦ Schweden – Röfors

Heute klingelte um 8 Uhr der Wecker, denn nach dem Frühstück am See fuhren wir ein Stück weiter ins Dörfchen Gränsfors, wo heute eine Besichtigung einer Schmiede auf dem Plan stand. Gränsfors Bruk stellt traditionelle, von Hand gesenkgeschmiedete Äxte her und auf dem Gelände gibt es neben der Schmiede mit Werksverkauf auch ein Axtmuseum, ein Restaurant und eine Blumentopffabrik.

Nach unserer Ankunft um 9:30 Uhr nahm uns Jessica im Empfang, die uns dann einmal durch den gesamten Prozess der Entstehung einer Axt bei Gränsfors Bruk führte. Zuerst sahen wir das Schmieden aus dem Rohmaterial, das auf neun elektrisch betriebenen Gesenkschmieden stattfindet, die älteste davon aus dem Jahr 1913. Dann das Vorschleifen, das Härten, den Bruchtest per Hammerschlag als Qualitätskontrolle und schließlich das Fertigschleifen und Polieren des Axtblattes. Dann folgte das Anfügen des Axtgriffs aus Hickory-Holz und schließlich das Verpacken für den Versand. Die Äxte sind weltweit beliebt und es gibt ein breites Angebot sowohl für Outdoor und Survival, aber auch Fälläxte und spezielle Formen für Schreiner und für den Blockhausbau. Jede Axt die hier produziert wird, bekommt einen Stempel mit dem Wappen der Firma und mit den Initialen des Schmiedes, der das Axtblatt hergestellt hat. Falls man seine Axt mitbringt wird sie jederzeit kostenlos nachgeschliffen und bei richtigem Schleifen sollte sie eine Lebensdauer von etwa 150 Jahren haben.

Die Schmiede
Die fertigen Produkte

Nach der geführten Tour, bei der wir die einzigen beiden Gäste waren, konnten wir nochmals auf eigene Faust durch den Betrieb schlendern und hatten Zeit um nochmal alles genau anzusehen. Dann konnten wir im Aussenbereich ein wenig Axtwerfen, was ein paar Anläufe benötigte bis die Axt stecken blieb, aber dann ganz gut klappte. Selbstverständlich kam ich nun nicht mehr umhin, mir auch eine Axt zu kaufen. Bisher waren mir diese immer zu teuer, aber hier gab es eine Kiste mit Äxten 2. Wahl, die vielleicht einen kleinen Schönheitsfehler haben und hier für die Hälfte des eigentlichen Preises verkauft werden. Die Wahl fiel auf das Wildmarksbeil, das meiner Meinung nach die richtige Balance aus Handlichkeit und Versatilität darstellt. Anschließend warfen wir noch einen Blick ins Axtmuseum, wo über 2000 Äxte und Axtköpfe aus allen Epochen und aus aller Welt zu sehen sind.

Versuch #374

Das Axtmuseum

Auf der Toilette des Museums entdeckten wir eine Dusche, und weil nicht viel los war nutzen wir die Chance und duschten dort, auch wenn wir uns nicht ganz sicher waren ob das erwünscht war. Hat aber geklappt und auf dem Rückweg zum Auto liefen wir noch am Restaurant vorbei, das auch als Betriebskantine dient und sahen ganz erstaunt, dass es dort ein Buffet für knapp 13€ gab. Das konnten wir kaum glauben, aber es stellte sich heraus dass es ein kleines, aber feines Buffet war und sogar Getränke und Kaffee mit Keksen inbegriffen war. Also langten wir ordentlich zu und füllten unsere Mägen, genossen das WLAN und die heute wieder scheinende Sonne.

Mit guter Laune ging es dann gegen 13 Uhr auf die Straße und nach gut 500 Kilometern mit zwei Zwischenstopps und einem abendlichen Snack kamen wir schließlich an unseren Nachtplatz. Heute stehen wir an einem weiteren der rund 96.000 Seen Schwedens mitten im Wald auf einem Parkplatz. Das Muster, dass sich auf jedem Parkplatz Skandinaviens mindestens ein deutscher Camper befindet, setzt sich auch hier fort.

Morgen geht’s weiter bis nach Göteborg.

Bis dahin.

Tag Zwanzig ¦ Schweden – Göteborg

Heute schliefen wir gemütlich bis 9 Uhr aus und nach dem Frühstück im Wald verließen wir den malerischen Ort wieder, um die letzten Kilometer noch hinter uns zu bringen. Auf dem Weg machten wir an einer Raststätte halt und fanden im innenliegenden Supermarkt eine riesige Auswahl aus Süßigkeiten, die man sich selbst zusammenstellen konnte und dann nach Gewicht bezahlt. Solche Theken gibt es hier in jedem Supermarkt, aber das war die größte Auswahl, die wir bisher gesehen hatten. Also packten wir uns jeder eine kleine Tüte ein bevor wir weiter fuhren.

Der süße Himmel

Gegen 12 Uhr kamen wir in Göteborg an, wo wir nochmal an einem Supercharger luden und uns dabei etwas kochten. Nach dem Essen besorgten wir im nebenstehenden Supermarkt noch ein paar Dinge und fuhren dann Richtung Innenstadt, wo wir auf einem kostenfreien Parkplatz parkten und dann ca. 20 Minuten in die Altstadt liefen. Auf der Fahrt zum Parkplatz überholten wir auf der Stadtautobahn eine S-Bahn, die sich irgendwie dorthin verirrt hatte, wenn auch nicht ganz aus eigener Kraft.

Das nennt man dann wohl eine Straßenbahn

Heute regnete es leicht, aber es war gut aushaltbar und so erkundeten wir die Stadt mit ihren großen Einkaufszentren und der Fußgängerzone. Wir setzten uns in ein Café, tranken einen Cappuccino und aßen eine der berühmten schwedischen Zimtschnecken. Dann gings noch in die Saluhallen, eine große Markthalle in der es viele Verkaufsstände mit frischem Fleisch, Käse, Backwaren und allerlei sonstigem gab. Dort suchte Dennis verzweifelt nach einem Lachsbrötchen, fand aber keines. Als auch das Durchsuchen von mehreren Läden und Cafés keinen Erfolg brachte, aber das Begehren nach dem Salm nicht abebbte, griffen wir zu drastischen Maßnahmen. Dennis kaufte im örtlichen Lidl ein Mini-Baguette und eine Packung Lachs und kredenzte sich damit kurzerhand sein eigenes Lachsbrötchen.

Göteborg

Nach der Stillung dieses Bedürfnisses machten wir uns auf den Rückweg zum Auto. Auf dem Weg dorthin fing es an immer stärker zu regnen und wir waren froh, als wir wieder im Trockenen waren. Wir suchten einen Stellplatz auf Park4Night aus und stehen jetzt etwa 15 Minuten außerhalb der Stadt in einem Vorort auf einem Parkplatz. Neben uns ist eine Art Fußballplatz, ein See und ganz viel Wald, so wie überall in Schweden. Tatsächlich steht heute kein deutscher Van neben uns. Fühlt sich fast komisch an.

(Kurz nach dem Verfassen dieser Zeilen rollte ein VW T2 mit Hamburger Kennzeichen neben uns an, also ist alles wieder in bester Ordnung.)

Morgen ist unser letzter gemeinsamer Tag auf dieser Reise und wir sind gespannt, was der so bringt.

Bis dahin.

Tag Einundzwanzig ¦ Schweden – Göteborg

Der Tag begann heute gemütlich und nach erfolgtem Frühstück ging es für uns nochmals in die Stadt ins Viertel Heden. Dort stellten wir unser Auto ab und besuchten den kostenlosen Bereich der Kunstgalerie Konsthallen, wo aktuell eine Ausstellung mit Gemälden und Skulpturen von Jonatan Pihlgren zu sehen ist.

Vargtimme („Wolfsstunde“)

Nach der Besichtigung kehrten wir auch wieder zum Auto zurück, denn es regnete heute wieder ziemlich stark. Wir beschlossen, uns auf dem Weg bei Subway etwas zum Mittagessen zu holen und fuhren dann wieder raus aus der Stadt in die Nähe des Flughafens, von wo aus Dennis morgen früh in die Heimat fliegen wird. Dort warteten wir den Regen ab und schauten zwei Folgen Breaking Bad im Auto. Dann packte Dennis seinen Rucksack mit den Dingen, die er mit nach Hause nehmen wird und ich entschloss mich noch eine kleine Wanderung zu unternehmen.

Erst folgte ich der Straße ein Stück, dann bog ich auf einen Waldweg ab der immer unwegsamer wurde. Plötzlich ging es steil bergauf und als ich oben ankam stand ich am Rande einer Klippe und vor mir lag ein Steinbruch. Ich suchte mir einen Weg am Rande des Steinbruchs entlang und hielt Ausschau nach einem Weg, den ich weiter gehen konnte. Da es viel geregnet hatte war alles nass und matschig und da ich keinen direkten Weg sah, entschied ich mich dazu, ein Stück durch den angrenzenden Wald zu gehen und steuerte auf der anderen Seite des Waldstücks auf eine Lichtung zu. Alles war nass, meine Schuhe waren bald durchnässt und als ich in der Mitte des Waldstücks angekommen war, kam plötzlich ein heftiger Regenschauer auf. Ich verharrte für einige Zeit unter den Bäumen und wartete das Ende des Regens ab.

Spaziergang mit Hindernissen
Regen unter Bäumen

Als der Regen nach ein paar Minuten vorübergezogen war, stiefelte ich weiter durch die Heidekräuter und kam schließlich in ein weitläufiges Areal, das wohl vor zwei bis drei Jahren gerodet worden war. Nach einem kurzen Blick aufs Smartphone verriet mir das Satellitenbild des Gebiets, dass sich auf der gegenüberliegenden Seite wohl ein Forstweg befand, über den ich wieder in die richtige Richtung zum Auto kommen würde. Also ging ich los und durchquerte langsam und vorsichtig das Gebiet, wobei ich allerlei Hindernissen auszuweichen hatte: Rutschige Baumstämme, haufenweise Äste, Wassergräben, Matschlöcher und auch einen Bach musste ich überspringen. Irgendwann kam ich auf der anderen Seite an und fand eine Holzrückegasse, deren schlammigem Verlauf ich folgte. Bald schon wurde der Weg besser und mündete schließlich auf einen geschotterten Waldwirtschaftsweg, der mich schließlich wieder zurück zum Auto und zu Dennis brachte.

Auf Abwegen

Dieser kurze Ausflug hat mir nochmals gezeigt, wie anders und wie schön hier die Vegetation im Wald ist als man es von uns zu Hause gewohnt ist.

Zum Abend hin entschieden wir uns nochmals etwas zu essen zu holen und fuhren zum nahe gelegenen McDonalds, wo wir auf unseren letzten gemeinsamen Abend anstießen. Dann fuhren wir wieder zurück zum Übernachtungsplatz und legten uns früh schlafen, denn morgen heißt es sehr früh aufstehen.

Bis dahin.

Tag Zweiundzwanzig ¦ Schweden – Landvetter

4 Uhr. Der Wecker klingelte. Wir standen auf und machten ein letztes Mal Kaffee. Unsere gemeinsamen Tage des Trips sind vorbei und wir realisierten langsam, dass sich unsere Wege gleich trennen würden. Nach dem nächtlichen Kaffee fuhren wir die zehn Minuten bis zum Flughafen Landvetter und dann kam auch schon der Moment der Verabschiedung. Dennis fliegt nach Hause und für mich geht die Reise noch zwei Wochen weiter.

Die letzten drei Wochen haben wir sehr viel Zeit miteinander verbracht, wir haben gemeinsam gelacht und geredet, gekocht und gegessen, geschwitzt und gefroren, geschaut und gestaunt. Wir sind dankbar für die Zeit, für die Erfahrungen, für die Erinnerungen.

Schön, dass Du uns in diesem Blog begleitet hast. Wir hoffen, er hat Dich unterhalten und vielleicht inspiriert er Dich ja auch zu einer Reise.

Mal sehen, wohin es für uns das nächste Mal geht.

Bis dahin.

Dennis & David

Die nordischen Nomaden – Der Film

Anbei findet Ihr den Film zum Roadtrip, den Dennis während der Reise aufgenommen hat. Enjoy!

https://youtu.be/xrNyvF7K5S8
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