Tag 0 – Die Vorgeschichte
Jede Reise beginnt irgendwo. Diese Reise hat ihren Anfang nicht zu Hause, sondern bereits ca. 500km südlich davon. Als wir vor einigen Monaten die Idee hatten einen gemeinsamen Trip anzutreten und sich langsam herausstellte dass es in den südöstlichen Bereich Europas gehen wird, wussten wir beide noch nicht, dass es auch eine kleine logistische Herausforderung werden wird. Sowohl Dennis als auch ich befinden sich getrennt voneinander bereits seit einer Woche in Italien im Urlaub. Wir haben so vorgeplant dass wir uns hier an einem Punkt treffen um dann unseren gemeinsamen Roadtrip antreten zu können. Konkret bedeutet das, dass wir bereits alles im Gepäck haben, was wir für die einwöchige Tour benötigen und nicht vor Ort besorgen können und dass die grobe Reiseroute steht. Im Vorfeld habe ich mich natürlich eingelesen in die länderspezifischen Gegebenheiten bezüglich Straßenverkehrsregeln, Vorschriften und Straßenzuständen und Reisetipps eingeholt. An dieser Stelle auch einen dicken Dank an Mieke und Yoa, die mir vor Reiseantritt noch einen Balkan-Reiseführer geschenkt haben, den ich die letzten Tage noch studieren konnte und der den Trip sicher noch um das eine oder andere Schmankerl bereichern wird.
Und ein weiterer – nicht zu verachtender – Punkt wenn man mit einem Elektroauto auf Langstrecke unterwegs ist, ist natürlich die Verfügbarkeit von Ladeinfrastruktur und die möglichen Probleme damit. Das wird auf dieser Reise auch ein Knackpunkt werden, denn je südlicher oder östlicher man kommt, desto rarer wird die vorhandene öffentliche Infrastruktur und desto unzuverlässiger werden die Informationen dazu. Ich habe diverse Onlineportale durchforstet und alle Informationen zusammengetragen die ich gefunden habe, und ich denke ich habe einen ordentlichen Überblick über die Optionen, die uns auf der Route zur Verfügung stehen. Als E-Auto Fahrer gilt aber auf jeden Fall die Regel: Wo’s Strom gibt, kann ich auch laden – und das beruhigt.
Ansonsten haben wir beide einen internationalen Führerschein beantragt und ich habe für den Tesla einen internationalen Fahrzeugschein besorgt, um auch außerhalb der EU Schwierigkeiten vorzubeugen. Außerdem sind die Fährtickets zur Überfahrt von Italien nach Albanien seit einigen Monaten bereits gebucht, um einen sicheren Platz auf der Fähre zu bekommen.
Jetzt bleibt eigentlich nur noch zu sagen dass wir beide uns auf einen schönen Trip freuen und gespannt sind, was uns erwartet. Wir hoffen dass ihr Freude daran habt, unsere Erlebnisse hier mitzuverfolgen und wünschen euch viel Spaß beim Lesen.
Dennis & David
Tag 1 – La Spezia
Der Tag beginnt für uns beide unterschiedlich früh. Dennis fährt mit seiner Freundin Tamara in Dunkelheit und Nebel um 6 Uhr morgens los, um pünktlich um 12 am vereinbarten Treffpunkt in Trient sein zu können. Ich hingegen konnte meine letzte Nachtruhe in einem festen Bett noch eine Weile länger in der Ferienwohnung genießen. Gegen sieben Uhr plärrte mich der Wecker dann aber auch wach und als ich die Vorhänge beiseite zog, grüßte mich schon die italienische Morgensonne. Wir genossen noch ein gemeinsames Frühstück am großen Esstisch, starteten eine letzte Aufräumaktion um das Haus in einem ordentlichen Zustand zu verlassen und dann kam es auch schon zum Abschied von meinem Cousin Benni und seiner Freundin Agnes, die früher zu Hause sein wollten und um kurz nach acht die Heimreise antritten. Die verbliebenen in Form von Kai, Lisa und mir (Team Fiesta) blieben noch etwas im Haus um ca. um 9:30 Uhr loszufahren. Da meldeten sich auch schon Tamara & Dennis (Team Tesla) telefonisch um eine Verschiebung des Zeitplans anzukündigen, da sich die Verkehrssituation auf der Autostrada zunehmend anspannte. Angekommen in Trient beschloss also Team Fiesta sich in die Innenstadt zu begeben und einen Park aufzusuchen, einen Kaffee zu trinken und ein Gelato zu verspeisen, um die Zeit zu überbrücken, die Team Tesla noch auf der Straße benötigte.

Die Zeit verflog flott und als der Anruf von Dennis kam, der das erreichen des Ziels ankündigte, waren wir auch schon wieder vor Ort in der Tiefgarage um die beiden zu empfangen. Das Wechselspiel war schnell vollzogen: Ich stieg um zu Dennis, der meinen Tesla in der vergangenen Woche gefahren war, und Tamara wechselte in das Team Fiesta, das die Heimreise nach Deutschland anstrebte.

Vereint fuhren Dennis und ich den nächstgelegenen Supercharger an, um Strom zu tanken für die nächste Etappe – flott ging es weiter, zuerst verkehrsbedingt langsam über eine Bundesstraße und nach einem kurzen Einkauf dann schneller über die Autobahn in Richtung Verona. Eine Ladepause später kehrten wir in einer Pizzeria ein, um auch unser digestives System wieder zu laden.

Gegen 22:30 Uhr traten wir gut gesättigt die letzte Etappe an, mit der salzdurchsetzten Küstenluft als Endziel. Diese führte uns über einen vermutlich landschaftlich exzellent anzuschauenden Autobahnabschnitt… Allerdings nur vermutlich, da sich dies in der nächtlichen Dunkelheit nur erahnen ließ. Dutzende Kurven, Brücken und Tunnel führten unsere vier Räder am Ende bis nach La Spezia, einer schön gelegenen Bucht. Dort erkundeten wir noch den Pier und das örtliche Nightlife, bevor wir uns auf die abenteuerliche Fahrt zum Schlafplatz machten.

Der Plan war, am Forte del Muzzerone zu campen, einer Festungsanlage aus Vorkriegszeiten. Diese liegt am Ende der Landzunge und ist über eine kleine kurvige Straße zu erreichen. Am Ende wurden die Straßen immer enger, die Schlaglöcher immer tiefer und die Überreste des Sturms, der hier diese Woche durchzog, immer mehr. Plötzlich, eine Kurve vor dem Fort, standen wir vor einem umgestürzten Baum, der es sich auf der Straße gemütlich gemacht hatte.

Also hieß es Rückfahrkamera putzen, um die gut 250m bis zur nächsten Wendemöglichkeit wieder retour fahren zu können. Dort ergriffen wir direkt die Möglichkeit und parkten uns neben einen deutschen Darmstädter Landsmann. Mittlerweile ist es 3 Uhr und wir beide freuen uns nun auf eine geruhsame Nacht.
Tag 2 – Porto Santo Stefano
Als wir am heutigen Morgen gut ausgeruht erwachten, war die Sonne bereits über der Bucht von La Spezia aufgegangen und lockte uns aus dem Auto. Beim aussteigen wurden wir direkt von unseren Nachbarn gegrüßt, einem jungen Paar aus Regensburg. Sie sind schon seit drei Tagen zum Klettern hier, denn auf den Felsen der Landzunge befindet sich ein kleines Kletterparadies. Von ihnen erhielten wir auch noch einen Tipp für einen Aussichtspunkt, dem wir nach dem Frühstück nachgehen wollten. Während desselbigen kam allerdings noch ein junger Mann die Straße heraufgelaufen, der sich nach kurzem Gespräch als ein Student aus Würzburg herausstellte und der erzählte, dass er gestern am Nachmittag mit seinem Auto die Straße hinaufgefahren war um den Sonnenuntergang zu betrachten. Wir wissen nicht wie er heißt, aber wir nennen ihn jetzt mal Sebastien. Kurz bevor Sebastien wieder die Abfahrt antreten wollte, hörte er allerdings ein lautes Krachen und sah einen gewissen Baum auf eine gewisse Straße fallen und war somit über Nacht dort oben gefangen. Nun war er zu einem der wenigen Häuser auf der Landzunge gewandert und dessen Bewohner hatte sich tatsächlich bereit erklärt, seine Motorsäge auf sein Quad zu packen und Hilfe zu leisten. Sebastien zog weiter die Straße hinauf und kurze Zeit später brummte tatsächlich ein mit Quad und Motorsäge ausgerüstete Mann an uns vorbei. Zu unserem Erstaunen kam dasselbe Gefährt bereits etwa drei Minuten später wieder die Straße hinab und zog wieder von dannen. Wir bewunderten die offensichtlich massiv hohe Arbeitsgeschwindigkeit, mit der in Italien an einem Sonntagnachmittag körperlich schwere Arbeit verrichtet wird und machten uns auf den Weg zum vorhin erwähnten Aussichtspunkt. Es ging einen schmalen, ausgetretenen Pfad entlang, der zu einer Klippe führte an deren Rand man ein 180° Panorama auf das offene Meer hatte.



Dort verbrachten wir etwa eine halbe Stunde damit den Ausblick zu genießen, Fotos zu machen und die vielen kleinen und großen Schiffe und Boote zu beobachten, die auf der sonnenüberfluteten Wasseroberfläche umherflitzten. Anschließend wollten wir uns noch das Fort ansehen, das sich ganz oben am Ende Straße befand und wir machten uns daran die letzten Höhenmeter zu erklimmen. Und was sahen wir, als wir um die erste Kurve kamen? Einen Baum. An einem Ort, an dem er nicht hingehört, nämlich quer über der Straße. Wir kamen nicht umhin uns ein schmunzeln zu verdrücken, bewunderten die Menge und Größe der herumliegenden Kiefernzapfen und klassifizierten den umgestürtzten Kollegen als norditalienische Steinkiefer der Wuchsordnung II.

Gerade als wir über den Baum hinwegstiegen, rückte hinter uns ein Pickup mit Blaulicht an und hielt vor dem Baum an. Im selben Zuge kam auch Sebastien wieder von oben herabgelaufen und grinste uns an. Er meinte der Typ auf dem Quad hat die „Protezione Civile“ angerufen, was mit dem THW in Deutschland vergleichbar ist und die haben direkt jemanden losgeschickt um aufzuräumen. Während Dennis und ich also einen weiteren Aussichtspunkt aufsuchten, hörten wir die Motorsäge schreien und als wir nach ca. 30 Minuten wieder zurückkehrten räumten die zwei Arbeiter gerade die letzten Reste des Baums beiseite. Sie fragten Sebastien nach Wasser, aber er hatte keines mehr bei sich, also halfen wir gerne damit aus. Mit dem Wissen, dass er seinen weiteren Weg nun ohne Hindernisse antreten konnte verabschiedeten uns und zogen weiter, ein Schwimmbad als nächsten Zwischenstopp im Blick. Wir bezahlten den viel zu teuren Eintritt, zogen uns um und wurden in der Dusche mit einer Aufforderung konfrontiert, eine Chipkarte vorzuhalten um die Dusche zu aktivieren. Verdutzt fragten wir am Tresen nach was das bedeutete, und die junge Dame erklärte uns dass das Duschen extra kostet und verlangte pro Nase nochmals lächerliche 30 Cent dafür. Es blieb uns nichts anderes übrig als dies zu akzeptieren, duschten also jeweils 2 Minuten und 30 Sekunden für je 30 Cent und bald schon befanden wir uns wieder auf der Straße. Ach ja – in dem Schwimmbad galt übrigens Badekappenpflicht, weswegen wir nun auch stolze Besitzer einer blauen und einer orangenen Badekappe sind. Herrlich!



Nun lagen noch zwei Supercharger-Stopps zwischen uns und der Halbinsel Monte Argentario am Tyrrhenischen Meer, wo Dennis den Tesla gekonnt durch die engen Straßen des Städtchens Porto Santo Stefano bugsierte und danach ein Stück die Küstenstraße entlang bis zu einem Schotterparkplatz mit perfektem Blick auf den Sonnenuntergang.


Dort angekommen verweilten wir und entspannten uns, kochten Nudeln mit Pesto und bekamen von einer Frau die mit ihren Kids picknickte noch Kekse geschenkt, die traditionell nur hier auf der Insel gebacken werden. Da mit der versunkenen Sonne die Bedrohung durch Mückenstiche jede Minute stieg, beschlossen wir, uns ins Auto zu setzen und einen Film zu schauen. Nun stehen wir also hier mit drei anderen Autos, davon zwei deutsche auf dem Parkplatz und sind gespannt, was der morgige Tag uns bringen wird.
Tag 3 – Scerne
Heute konnten wir wieder schön ausschlafen, und ich entdeckte beim Frühstück mit Meerblick eine Ameisenstraße und beobachtete das fleißige Volk bei der Schwerstarbeit, während ich mein Müsli aß. Dabei sinnierten wir über unseren Tagesplan, welcher zu diesem Zeitpunkt nur aus der Idee bestand, Rom zu besuchen. Dabei kam uns die glorreiche Idee dass wir ja auch mal das Fortbewegungsmittel #1 in Italien ausprobieren könnten – die Vespa! Also schnell online einen Vermieter in Rom gefunden, direkt gebucht und ab gings auf die Straße Richtung Hauptstadt. Auf dem Weg hörten wir zur Einstimmung Folge 66 der drei ???, in der sich das Detektiv-Trio auch in Rom umtreibt. Wir fuhren direkt zur Rollervermietung, nahmen unsere Gefährte in Empfang und ab gings auf zwei Rädern die alten Straßen und Gassen erkunden.

Wer von euch schonmal in Rom war und dort am Verkehr teilgenommen hat, denkt sich jetzt wahrscheinlich dass wir den Verstand verloren haben, und das nicht ganz zu Unrecht. Es existieren zwar sicher auch auf den Straßen Roms irgendwelche Verkehrsregeln, allerdings scheint es eher eine Interpretationssache jedes einzelnen zu sein, was für wen in welcher Situation gilt. Also kann man als Neuling in diesem System eigentlich nur so unauffällig wie möglich versuchen das zu tun, was auch alle anderen machen. Und irgendwie versucht man dann auch noch ohne Navi ein Ziel zu erreichen, in dem verwirrenden Wechsel aus Einbahnstraßen, fünfspurigen Straßen ohne jede Markierung und jeder Menge Sperrzonen in die man nicht fahren darf. Während wir also dabei Spaß hatten nicht zu sterben kamen wir ganz gut in der Stadt herum, statteten dem Kolosseum einen Besuch ab, fuhren durch so manchen Tunnel unter der Stadt, grüßten den Papst auf dem Petersplatz und aßen selbstverständlich eine riesige Portion Gelato.



Als wir gerade auf dem Rückweg zu unseren mobilen Untersätzen über die Brücke vor der Engelsburg spazierten, fing es an zu regnen, erst sachte, dann mittelsachte und dann auch so überhaupt nicht mehr sachte. Mit lautem Donner zog ein Gewitter über Rom, die Straßen waren plötzlich menschenleer, jeder versuchte unter irgendeinem Gerüst, in einem Hauseingang oder unter einem der Kioskstände ein trockenes Plätzchen zu ergattern. Wir suchten erst Schutz unter einem Baum, dieser war allerdings schon nach kurzer Zeit nicht mehr in der Lage die Wassermassen davon abzuhalten, sich den Weg zu uns zu bahnten. Also rannten wir auf die andere Straßenseite unter den Pavillon eines dort befindlichen Cafés, wo wir den Rest des Wolkenbruchs ausharren konnten. Nach einiger Zeit konnten wir weiter und beschlossen noch eine Abschlussrunde zu drehen bis wir die Vespas wieder abgeben mussten. Unterwegs fanden wir noch einen Park im dem wir nochmals abstiegen und dort ein wenig flanierten, die Bäume und Palmen bestaunten (…sind Palmen nicht auch Bäume? – egal…) und ein paar illegale Manöver mit den Vespas später waren wir dann auch schon wieder am Ausgangspunkt und gaben die italienischen Wespen wieder ab. Wir beschlossen dann weiterzuziehen und in der Nähe unseres Schlafplatzes etwas essen zu gehen, welcher sich auf der entgegengesetzten Seite des Landes befand. Somit durchquerten wir ganz Italien einmal auf der Ost-West Achse, was in etwa 200km Wegstrecke sind. Dennis hatte ein Restaurant ausgesucht dessen Internetauftritt in Design und Anmutung der Apple-Webseite nahekam, weshalb wir erst Angst hatten dass das Etablissement und unser Geldbeutel nicht kompatibel sein könnten. Diese Angst stellte sich jedoch als unbegründet heraus und das Restaurant entpuppte sich als schick eingerichtete, mit hochkompetentem Personal ausstaffierte Einrichtung mit sehr erträglichen Preisen und sehr leckerer Pizza. Auch unser Schlafplatz stellte sich als gut ausgestattet heraus mit Strandzugang, WCs und Duschen, also haben wir auch heute wieder die richtige Wahl getroffen was das angeht. Auch heute steht neben uns wieder ein VW Multivan mit Dachzelt, dessen Fahrer uns zähneputzend am Strand entgegenläuft.

Und so sehe ich ich heute beim schreiben des Blogs aus:

Und somit verabschiede ich mich für heute und freue mich darauf, euch morgen Abend von der Fähre aus schreiben zu können.
Tag 4 – Rigel III
Der heutige Tag begann für uns mit einem Frühstück am Adriatischen Meer, dann hüpften wir ins Wasser und genossen etwa eine Stunde lang den Wellengang und das salzige Nass auf unserer Haut. Wir konnten beim ansässigen Strandcafé ein paar Wertmarken für eine warme Dusche ergattern, und somit starteten wir erfrischt und sauber in den heutigen Part der Reise.

Wir cruisten die Küste in Richtung Süden hinab mit Bari im Blick, an dessen Fährhafen heute Abend unser Schiff nach Albanien ablegen würde. Ich möchte an dieser Stelle noch ein paar Worte zum italienischen Straßensystem verlieren – dort gibt es die Autobahnen „Autostrada“, die Schnellstraßen „Strada statale“ und die Bundesstraßen „Strada provinciale“. Der Unterschied zwischen der Autostrada und der Strada statale besteht eigentlich nur aus der unterschiedlichen Qualität des Fahrbahnbelags und natürlich der Mautpflicht. Uns ist es vorgekommen dass die Autostrada aufhört und in eine Strada statale übergeht, sich aber nichts verändert außer dass der Fahrbahnbelag plötzlich rissig und mit Fugen übersät ist und an manchen Stellen zu einem Flickenteppich wird, der die Stoßdämpfer des Tesla zum schwitzen bringt. Für diesen Abschnitt werden dann natürlich keine Mautgebühren erhoben, aber man kommt nicht umhin sich zu wundern wie das zustande kommt.

Generell ist die Qualität der Straßen die wir befahren aber ganz ordentlich, das wird sich natürlich ändern wenn wir die Fähre verlassen und unsere Räder über den Albanischen Straßenbelag rolllen. Ansonsten verging die Fahrt ganz entspannt, der Autopilot des Tesla chauffierte uns elegant über die Autostrada und wir hatten zwei Ladepausen mit einem sehr interessanten Gespräch mit einem anderen Teslafahrer, der seit Jahren eine große Tesla-Community in Frankreich leitet und jetzt mit seiner Familie im Model S nach Sizilien in den Urlaub fährt.
In Bari angekommen suchten wir einen Supermarkt auf, um uns nochmals mit Wasser und italienischen Keksen auszustatten – Kekse können sie, die Italiener! So sieht übrigens ein typisches Keksregal in einem mittelgroßen italienischen Supermarkt aus:

Nach dem Einkauf fuhren wir zum Hafen um schonmal einzuchecken, holten uns unsere Tickets und wurden von den Parkeinweisern ans andere Ende des Hafens geschickt, weil wir nochmal raus wollten um etwas zu essen. Dort angekommen wurden wir allerdings an der Schranke von der Finanzbehörde aufgehalten und wieder zurück geschickt, obwohl uns vorher jeder gesagt hatte dass das der Ausgang in die Stadt sei. Aaaalso fuhren wir den ganzen Weg wieder zurück, nahmen den richtigen Ausgang und parkten wieder in Hafennähe. Da sah ich auf der Karte des Navis schon dass sich Baris Altstadt als ein Netz verwinkelter kleiner Gassen ausgestaltete, durch das wir sodann schlenderten. Und da entpuppte sich das unscheinbare Bari als eine hervorragende Stadt, deren relativ ruhige und schön gestaltete Altstadt sich gut einfügt in das umliegende Bild mit Hafen und Fußgängerzone.


Es ist nicht zu voll, es gibt viele kleine Restaurants und diese Woche findet ein Klavierfestival statt, bei dem jeden Abend ein anderer Virtuose auftritt. Unterwegs hoben wir noch Bargeld ab, da wir uns mittlerweile nicht mal mehr eine Flasche Wasser hätten kaufen können, selbst wenn wir zusammengelegt hätten. Und in Albanien wird man nicht mehr überall mit Karte bezahlen können, wenn überhaupt irgendwo. Nach einem kurzen Abstecher in den Bialetti-Store fanden wir schließlich ein feines Restaurant und nach dem Essen mussten wir das charmante Ambiente der Barischen Altstadt leider wieder hinter uns lassen.


Also zurück zum Auto und ab Richtung Fährterminal, wo unsere Fähre, die Rigel III, um 23 Uhr ablegen sollte. Wir kamen gegen 22 Uhr dort an und durften direkt auf die Fähre fahren, wo direkt hinter uns tatsächlich auch die Laderampen hochgezogen wurden, da wir anscheinend die letzten waren, die an Bord gingen. Nach dem Check-In an der Rezeption wurde uns unser Zimmer gezeigt, wir gingen jedoch erstmal aufs Oberdeck um das ablegen miterleben zu können. Und um 22:25 Uhr hieß es dann auch schon Leinen los und wir ließen den Hafen hinter uns.



Ich hatte übrigens nicht richtig bedacht dass wir ja auf dem Wasser kein Internet haben, deshalb kommt dieser Blogeintrag nun mit etwas Verspätung schon aus dem albanischen Netz zu euch geflattert.
Tag 5 – Komani
Dafür dass es für uns beide die erste Nacht auf einem Schiff war, verlief sie ziemlich ereignislos. Nachdem wir gestern Abend unsere Kabine bezogen hatten, haben wir beide erstaunlicherweise einfach durchgeschlafen und sind gegen 7 Uhr aufgewacht. Wir beschlossen dann aufzustehen und an Deck zu gehen, und kamen grade rechtzeitig um mitzuerleben wie die Rigel III in den Hafen einlief und anlegte.


Das entladen ging erstaunlich flott vonstatten, und schon waren wir auf albanischem Boden unterwegs. Sehr schnell stellten wir fest, dass der Tesla in Albanien keine Internetverbindung herstellt. Das zeigte sich darin, dass wir erstens keine Musik über Spotify mehr hatten und zweitens darin, dass die Navigationskarte schwarz blieb. Ersteres Problem behoben wir damit, dass wir die albanische Musikwelt übers Radio entdeckten. Das zweite Problem überbrückten wir vorerst mit der Navigation übers Handy, aber auf lange Sicht ist das keine Lösung. Erste Amtshandlung war dann erstmal der Besuch des Audi & VW Zentrums Albania in der Hauptstadt Tirana, etwa 30 Kilometer entfernt von Durrës, wo unsere Fähre angekommen war. Der Grund unseres Besuchs war, dass sich dort eine der wenigen Schnelladesäulen in Albanien befindet welche wir nutzen wollten. Auf dem Gelände angekommen wurden wir direkt von einem Security Guard empfangen, der seinen Job sehr ernst nahm und nach innen an den Tresen gebracht, wo wir im Voraus pauschal bezahlten und anschließend den Akku auf 100% aufluden. Währenddessen kam ein niederländisches Pärchen mit einem Hyundai Kona dazu, die auch laden wollten und wir hatten ein nettes Gespräch mit den beiden, vor allem über Elektromobilität.

Als unser Akku fast aus den Nähten platzte, brachen wir auf zu dem zweiten wichtigen Punkt: Internetbeschaffung. Bei Porsche hatten wir über WLAN einen Vodafone Store gefunden, bei dem wir eine SIM Karte kaufen wollten, also fuhren wir dahin, es stellte sich aber heraus dass es die Vodafone Zentrale war, bei der man gar nichts kaufen kann. Die sehr freundliche Dame an der Rezeption zeigte uns den Weg zum nächsten Store, welcher sich in einem großen Einkaufszentrum befand. Dort angekommen kauften wir uns beide eine albanische SIM Karte mit je 35GB Datenvolumen. Somit ist die Versorgung damit erstmal gesichert, auch der Tesla kann sich nun über den Hotspot mit meinem Handy verbinden und ist somit wieder online. In dem Einkaufszentrum haben wir noch etwas gegessen und sind schließlich in Richtung Shkodër gefahren, wo es nochmal eine Ladesäule geben soll. Fünf Minuten aus Tirana heraus erwartete uns dann auch schon die erste abenteuerliche „Straße“, eine ungeteerte Piste mit jeder Menge Verkehr, steilen Passagen und abgerutschten Stellen. Danach kamen viele sehr gute Straßen, die Autobahn ist in sehr gutem Zustand und die Bundesstraßen soweit auch. Irgendwie ist es aber trotzdem ein Abenteuer hier Auto zu fahren – hier gibt es auf den Straßen natürlich Gefährte die so bei uns keine Straßenzulassung mehr bekämen, keiner hält sich an irgendwelche Regeln, es gibt keine Helmpflicht für Motorradfahrer und es stehen gerne mal Kühe auf dem Grünstreifen oder ähnliches. Letzten Endes sind wir gut angekommen, haben die Ladesäule auf Anhieb gefunden und sie hat erstens sofort funktioniert und zweitens war sie kostenlos! Das haben wir ihr sofort gedankt indem wir sie mit einem WG Sticker beehrt haben.

Während des Ladens – wir mussten nur etwa 20 Prozent nachladen, wollten aber so voll wie möglich in die Berge starten – liefen wir etwas durch die Stadt, gingen nochmal einkaufen und ließen den Albanian Lifestyle auf uns wirken. Es gibt viele kleine Geschäfte, spezialisiert auf eine Sache wie z.B. Matratzen, Werkzeug, Wasserbehälter oder Teppiche, die Menschen mit denen wir Kontakt hatten sind sehr freundlich und hilfsbereit und wirken offen. Viele sind mit dem Auto unterwegs, manche mit Motorrollern und nur wenige auf dem Fahrrad. Mit 96% im Akku fuhren wir weiter, das Ziel war nun den Weg in die Berge anzutreten und eine Ortschaft namens Komani zu erreichen, von wo aus wir morgen eine Fähre über den Komani Lake nehmen möchten. Der Komani Lake ist ein aufgestauter Fluss namens Drin, der durch das Tal hier fließt. Die Straße dort wurde online als sehr schlecht beschrieben und die ersten 10 Kilometer wunderten wir uns über diese Beschreibung, denn dort war die Straße eigentlich ziemlich gut. Die kurvenreiche Strecke führte uns die Täler entlang von See zu See, wir waren fast die einzigen auf der Straße und wir fuhren in die Dämmerung. Dank dieser Kombination konnten wir immer wieder einfach auf der Straße anhalten und ungestört Fotos machen.



Je weiter wir der etwa 30km lange Straße entlang folgten, desto schlechter wurde sie. Es gab Stellen die komplett abgesackt waren, jede Menge tiefe Schlaglöcher und Risse, immer wieder Stellen komplett ohne Asphalt und natürlich Steine und Felsbrocken die auf der Straße lagen.


Für die 30km Strecke benötigten wir am Ende etwa 1:30h Fahrtzeit und trafen gegen 20:30 Uhr in Komani ein, als es nun schon dunkel war. Wir fanden einen Camping Spot an dem schon ein paar andere Autos standen und gesellten uns dazu, kochten etwas zu essen und gingen relativ erschöpft ins Bett.

Somit haben wir unseren ersten Tag in Albanien erfolgreich hinter uns gebracht, haben schon ein, zwei Seiten des Landes gesehen und sind gespannt was morgen so passiert. Gute Nacht!
Tag 6 – Bogetići
Auf einem Roadtrip ist es ein guter Tag wenn man aufwacht und sein Geschirr vom letzten Abend an einem Fluss abspülen kann. Und es ist auch ein guter Tag, wenn man diesen Fluss danach als Bademöglichkeit benutzen kann. Heute traf beides davon zu und wir hatten bis 11:30 Uhr Zeit die Sonne zu genießen, denn um 12 Uhr sollte unsere Fähre über den Komani Lake ablegen. Der Platz an dem wir genächtigt hatten war ein angelegter Schotterplatz am Rande des Flusses mit ein paar Hängematten, Tischen und Sonnenliegen. Das Wasser des Drin war affenkalt, aber sehr erfrischend. Wir hatten eine stark unterschiedliche Badedauer, denn Dennis versuchte den Kontakt mit dem Wasser so gering wie möglich zu halten was beim baden gar nicht so einfach ist, und ich habe die Erfrischung sehr genossen. Irgendwann am Morgen kam auch der Besitzer des Platzes in seinem Benz vorbei um die Übernachtungsgebühr von 5€ zu erheben, welche wir ihm gerne gaben.


Beim Fährterminal angekommen wurden wir gebeten kurz auf einem Parkplatz zu warten und bald schon konnten wir das letzte Stück der Straße befahren, welche kurz vor dem Hafen nochmal durch einen Tunnel führte, also fuhr man quasi aus dem Tunnel heraus direkt auf die Fähre. Und dann schipperten wir etwa zwei Stunden auf einem Stausee durch die albanischen Berge, welchen man ansieht dass sie touristisch noch fast unberührt sind. Links und Rechts türmen sich Berge bis 1750m auf, das Wasser ist klar und sauber und am Rande des Ufers steht kaum ein Gebäude, und wenn doch sind es kleine Höfe mit ein, zwei Maisfeldern und einer Kuhweide. Wir saßen auf der Fähre ganz vorn auf dem Oberdeck und uns blies die ganze Zeit ein ziemlich starker Wind um die Ohren, welcher auch so manchen Stuhl zum umkippen brachte.





Das ganze bringt schon fast norwegische Fjord-Vibes mit, mal abgesehen von der albanischen Volksmusik, die irgendwann an Deck ertönte und immer lauter wurde. Am Ende der Überfahrt driftete der Captain mit einem bewundernswerten Manöver in den Hafen ein und schon waren wir in Fierzë gelandet und setzten unsere Reise nach kurzer Beratung und reevaluierung unseres Zeitplans fort in Richtung der kosovoatischen Grenze. Dort kamen wir etwa 90km später an und wurden von dem Grenzbeamten freundlich darauf hingewiesen dass wir eine extra Kfz Versicherung abschließen müssen um einreisen zu dürfen, weil der Kosovo nicht auf der grünen Versicherungskarte steht. Das wussten wir vorher nicht, aber gesagt getan, 15€ bezahlt für 15 Tage Versicherungsschutz, das Dokument in Empfang genommen und ab gings über die Grenze. Das Ziel war gar nicht weit entfernt und bestand aus der einzigen Ladestation weit und breit, die an einer Shell Tankstelle in Призрен (Prizren) steht. Dort angekommen steckten wir unser Auto an und ließen die Säule von der jungen Dame am Schalter freischalten. Wir beschlossen, uns hier etwas zu essen zuzubereiten und kochten uns italienische Penne mit dem sehr leckeren veganen Chili sin Carne aus dem Mühlenladen.

Während des recht langsamen Ladevorgangs (mehr als 27 kW wollte die Säule nicht ausspucken) hatten wir noch zwei interessante Begegnungen: Erst kam ein i3 mit Kennzeichen aus Großbritannien angefahren der uns von seiner Reiseroute von London nach Pristina erzählte und der über die Ladeinfrastruktur auf dem Weg und hier unten bescheid wusste, er ist gebürtiger Kovovoate (?) und mitten auf einem 10.000km Roadtrip, allerdings mit nochmal deutlich kleinerer Reichweite als wir im Tesla. Respekt dafür! Der i3 zog dann weiter an eine andere Lademöglichkeit, weil er verständlicherweise nicht so lange warten wollte bis wir fertig waren. Und die zweite Begegnung war ein Tesla Model Y als Taxi, das ebenfalls die Säule nutzen wollte. Der Fahrer erklärte dass er einen Fahrgast nach Tirana auf den Flughafen bringen müsse, was immerhin etwa 200km Strecke sind. Auch der besagte Fahrgast stieg dann aus und wir kamen in ein nettes Gespräch. Der Taxifahrer meinte, dass das Taxiunternehmen neu sei und ausschließlich Tesla als Fahrzeuge hat, und dass sie erst dabei wären ihre eigene Ladeinfrastruktur in der Hauptstadt zu errichten. Dann telefonierte er mit seiner Zentrale, warf seine Ladepläne irgendwie um und die beiden zogen von dannen. Wir können generell berichten dass viele begeistert sind wenn sie einen Tesla sehen, wir bekommen überall neugierige Blicke, Daumen hoch und lachende Gesichter. Alle sind hilfsbereit und geben ihr bestes einem zu helfen, wenn man eine Frage stellt. Und tatsächlich sprechen in Albanien gefühlt mehr Menschen vernünftiges Englisch als in Italien und man kommt überall gut zurecht. Auf jeden Fall verspeisten wir unsere Mahlzeit und kauften beim Obststand am Kreisverkehr vor der Tanke noch eine Honigmelone als Nachtisch, von der jeder eine Hälfte auslöffelte.

Unser Geschirr konnten wir diesmal an der Waschanlage der Tankstelle reinigen, und als der Akku schließlich voll genug war fuhren wir wieder Richtung Süden. Wir benutzen die gut ausgebaute Autobahn von der es im Kosovo erst ca. 200km gibt, und fuhren alsbald wieder über die Grenze nach Albanien. Dann durchquerten wir fast das ganze Land auf schönen Schnellstraßen bis an die Grenze zu Montenegro, wo wir an der Zollabfertigung etwas warten mussten. Unterwegs auf dieser Straße ist uns nochmal der riesige Unterschied aufgefallen den es von Region zu Region zu geben scheint. Gestern Abend sind wir eine Straße gefahren die man kaum so nennen kann und heute cruisen wir gemütlich mit 110km/h über die saubere, glatte, sogar beleuchtete Autobahn. Aber eines fällt einem im ganzen Land gleichmäßig auf – es gibt sehr viele Gebäude die angefangen wurden zu bauen, aber anscheinend nach dem Rohbau nicht mehr weiter gebaut wurden. Egal ob Wohnhäuser, Lagerhallen oder große Bürogebäude, entlang der Autobahn und auch sonst stehen reihenweise Bauruinen bei denen man sich fragt wie das in dieser Menge wohl zustande kommt. Die Straßen von Montenegro fühlten sich recht ähnlich an zu denen von Albanien, von dem her kamen wir gut voran und schon bald nach Подгорица (Podgorica), der Hauptstadt von Montenegro. Dort gibt es eine (!) Semi-Schnelladesäule die wir direkt anfuhren. An der Säule stand bereits ein Tesla-Taxi und lud noch zehn Minuten, der Fahrer verwies uns auf die zugehörige Tankstelle, bei der wir uns gratis eine Karte abholten zum freischalten der Ladung.

Wir bedankten uns freundlich und nach ca. 40 Minuten Ladepause inkl. Anbringung eines weiteren Stickers konnten wir weiterfahren. Wir hatten einen Schlafplatz entlang unserer zukünftigen Route bei Park4Night ausgesucht und fanden einen Schotterparkplatz am Rande eines Dorfes vor, der unsere Nachtstätte sein sollte. Dort räumten wir wie jeden Abend unser Zeug auf die Vordersitze, hängten unseren Sichtschutz im Auto auf und stellten die Lüftung auf den Camp Modus ein, um dann ins Nest zu schlüpfen und den Schlaf zu finden.
Tag 7 – Villach
Der heutige Tag wird hauptsächlich aus Autofahren bestehen, was es schwer macht einen interessanten Blogeintrag zu verfassen. Ich werde jedoch mein möglichstes versuchen. Als wir erwachten hatten wir ein schnelles Frühstück, gingen im Restaurant nebenan aufs Klo und Dennis bekam eine Haarwäsche aus der Flasche. Und ab gings auf die Straße, erstes Zwischenziel war heute der noch 250km entfernte Supercharger in Vrgorac in Kroatien. Ja richtig gelesen, ein Supercharger! Ab diesem Punkt können wir uns wieder auf das Tesla-eigene Ladenetzwerk verlassen was die Routenplanung deutlich einfacher macht, da dies nun wieder automatisch vom Auto übernommen wird. In ganz Albanien, Kosovo, Montenegro und Bosnien Herzegowina wo wir die letzten Tage unterwegs waren, sind die Anstrengungen von Tesla, eine weltweite Abdeckung von zuverlässigen Schnellladestationen für angenehmes Langstreckenreisen zu schaffen, noch nicht angekommen. Dort gibt es momentan noch so wenige Elektrofahrzeuge, dass es allgemein nur sehr wenig öffentliche Infrastruktur fürs Laden gibt, auch wenn wir überrascht waren trotzdem mehr E-Autos zu sehen als erwartet. Gerade als Taxis sind sie wohl beliebt in den dortigen Großstädten. Für den Notfall wenn uns mal der Saft ausgegangen wäre habe ich ein Universal-Ladegerät an Bord, das ich quasi an jede Stromquelle anschließen kann. Ich zeig euch mal das Lade-Equipment, welches sich in meinem Frunk (das ist der Front Trunk, also Frontkofferraum) befindet.

Das links ist das Ladegerät, genannt Juice Booster, mit verschiedenen Adaptern für 230V Schuko und diverse CEE Dosen, dafür hab ich noch ein 10m Verlängerungskabel welches dann mit allen Adaptern verwendbar ist. Speziell für Schuko habe noch ein 25m Verlängerungskabel an Bord, und das blaue ist das Kabel für die öffentlichen Ladestationen namens Typ2-Kabel.

Die Fahrt verlief ohne besondere Ereignisse, die Straßen Montenegros, die wir morgens befuhren waren noch etwas rubbelig (Wortlaut Dennis W.), danach aber in Bosnien Herzegowina und in Kroatien waren die Autobahnen einwandfrei und es gab kaum Verkehr. Und so fuhren wir von Grenzübergang zu Grenzübergang, machten ab und zu eine Ladepause und führten viele gute Gespräche.


In Bosnien war ungewohnt viel Polizei auf den Straßen, es gab vier Verkehrskontrollen bei denen wir an zwei davon rausgewunken wurden. Die erste davon verlief ungefähr so: Ein Polizist steht auf der Straße und winkt uns mit der Kelle zu. Wir halten neben ihm an, ich lasse das Fenster runter und er sagt: Joooooowww, everything okay? Ich sage: Yes, everything allright. Er: Okay, have a nice day! Ich: You too! – Und das wars. Entspannt! Die zweite war auch nicht viel spektakulärer, und sonst lief alles wie geplant. Gegen 19 Uhr kehrten wir in Kroatien in einem Restaurant ein, wo sich Dennis eine Fleischplatte gönnte und ich sehr gute Pasta mit Trüffeln und einen Griechischen Salat mit sehr smoothem Fetakäse aß. Die Preise für Lebensmittel und Getränke sind hier natürlich deutlich günstiger als bei uns in Deutschland, das haben wir natürlich auch schon in Albanien und im Kosovo bemerkt.



Wir wechselten uns ab mit dem Fahren und würden in Slovenien etwas ausgebremst, da wir etwa 100km außerhalb der Autobahnen fuhren, unsere Route führte uns über eine Landstraße durch die bewaldeten Täler Sloveniens. Dies war eine echt schöne Route mit vielen Kurven und es gab auch kaum Verkehr, aber als wir später wieder auf der Autobahn waren, kamen nach unserem letzten Ladestopp in Ljubljana irgendwann gegen 23 Uhr an der Grenze zu Österreich vor dem Karawankentunnel in einen Stau mit etwa einer Stunde Stop and Go. Als Schlafplatz hatten wir einen Platz im Wald nahe Villach ausgesucht, welchen wir auch noch erreichen wollten. Mit uns im Stau standen hauptsächlich deutsche Urlaubsrückkehrer, eigentlich hatte sich ab der Mitte Kroatiens die Dichte der deutschen Autos auf den Straßen mit jedem Kilometer erhöht. So rollten wir langsam unserem Bett entgegen und hielten uns im Gespräch gegenseitig wach. Dort angekommen waren wir froh, nun die Augen schließen zu können. Morgen steht dann die letzte Strecke nach Hause an.
Tag 8 – Knittlingen
Wir wollten heute frühzeitig loskommen, daher klingelte der Wecker bereits um 7 Uhr. Mit einiger Überwindung schlüpften wir aus dem kuscheligen Nest, das wir uns nun die letzten sieben Nächte geteilt hatten und waren überrascht, das erste Mal seit etwa zwei Wochen so etwas wie kühle Luft zu spüren. In dem schattigen Wäldchen, in dem wir auf dem Parkplatz eines Kletterparks genächtigt hatten, hatte es etwa 20 Grad. Dies stand ganz im Gegensatz zu den Temperaturen der letzten Tage, wo es auch nachts mindestens 26 Grad hatte und tagsüber auch mal 37 Grad erreicht wurden.

Nach kurzem Frühstück und Zähne putzen fuhren wir los in Richtung des Superchargers in Villach, welchen wir nach wenigen Minuten bereits erreichten. Dort luden wir genug Strom, um die nächste Etappe bis Bernau am Chiemsee bewältigen zu können. Auf dem Weg dorthin kamen wir nochmals in einen kurzen Stop and Go Verkehr, welcher uns etwa eine halbe Stunde kostete.
Während wir dann in Bernau luden, bauten wir das Auto wieder in seinen Normalzustand zurück und räumten unseren Kram auf. Um einen angenehmeren Schlafkomfort zu erzielen, hatten wir ja die Rücksitzbank herausgenommen, so dass die Rückenlehnen beim umlegen eine ebene Fläche ergeben. Nun konnten wir also die Matratze zusammenklappen, die Rückenlehnen wieder senkrecht stellen, die Rücksitzbank einbauen und das ganze Gepäck im Kofferraum verstauen. Die Matratze die wir verwendeten ist speziell für den Tesla gemacht und hat ihren Platz in einem großen Staufach unter dem Kofferraum, wo sie immer parat ist für eine spontane Übernachtung. Während dieser Aufräumaktion füllte sich der Akku stetig, und bis wir damit fertig waren konnten wir auch direkt weiter fahren. Als nächste und letzte Pause vor der Heimat hatten wir den Sortimo Innovationspark Zusmarshausen ausgesucht, den momentan größten Ladepark Europas. Dort gibt es aktuell in der ersten Ausbaustufe 72 Ladesäulen mit verschiedenen Geschwindigkeiten, und in weiteren Stufen können bis zu 144 Ladeplätze entstehen. Da nun Mittagszeit war beschlossen wir dort etwas zu essen, im Erdgeschoss gibt es eine Bäckerei und einen großen Restaursntbereich wo wir uns versorgten. Und während wir unsere Energie wieder aufluden, gönnte sich auch das Auto nochmal eine Portion Ökostrom um uns danach die letzte Etappe nach Hause zu bringen.




Gerade als wir fertig gegessen hatten fing es an zu regnen und das tat es dann den restlichen Heimweg über immer wieder, was im übrigen das erste Mal auf dem gesamten Trip war, dass es regnete. Auf der A8 war viel los, es gab immer wieder stockenden Verkehr aber der Autopilot und Dennis hinter dem Steuer regelten das wunderbar. Auf den letzten Kilometern freuten wir uns, dass wir nun wieder in der Heimat waren und ließen die Reise nochmals Revue passieren. Wir schätzen es sehr, in einer Welt zu leben in der man sich einfach ins Auto setzen kann und ohne Probleme tausende Kilometer damit reisen kann, ohne auf Schwierigkeiten zu treffen. Wir haben auf unserer exakt 3500km langen Reise insgesamt acht Staaten besucht und diese Freiheit ist ein hohes Gut, das wir hoffentlich schaffen uns zu bewahren. Wir haben viel neues gesehen, einige Dinge zum ersten Mal erlebt und hatten einfach eine gute gemeinsame Zeit.

Wir sind gut miteinander ausgekommen und haben es geschafft uns nicht gegenseitig auf die Nerven zu gehen, was bei so langer gemeinsamer Zeit ein Zeichen für gute Kompatibilität ist und unsere Freundschaft definitiv weiter gefestigt hat.
Wir danken euch, dass ihr unsere Reise hier verfolgt habt und wünschen euch viel Spaß und Abenteuerlustigkeit bei euren eigenen Reisen!
Dennis & David

PS: In den nächsten Tagen gibt es nochmal ein paar Bilder von der Reise, wenn die Bilder von Dennis‘ Kamera ausgewertet sind und einen Post mit ein paar Statistiken der Reise wie den Ladekosten.
Nachtrag – Zahlen, Daten, Fakten
Hier kommt nun also der Eintrag mit ein paar erweiterten Informationen und Zahlen – zu Anfang eine kleine Grafik:

Als wir zu Hause auf den Hof gefahren sind, hatte der Kilometerzähler exakt 3500km auf der Uhr, man bedenke allerdings dass wir als Ausgangspunkt ja Trient in Italien hatten. Wenn man die Strecke von zu Hause mitzählen würde, wären es knapp über 4000km Gesamtstrecke.
Wir haben unterwegs 612 kWh geladen, davon 558 kWh am Supercharger und 54 kWh an anderen Ladestationen. Die Gesamtkosten für alle Ladevorgänge belaufen sich auf 326,46€, daraus resultiert sich ein Schnitt der Stromkosten von 9,33€/100km. In diesem Gesamtstromverbraucht eingerechnet sind auch 77kWh die wir verbraucht haben während das Auto stillstand, hauptsächlich zur Kühlung des Innenraums während des Schlafens. Der durchschnittliche Verbrauch während der Fahrt betrug 15,2 kWh/100km, inkl. der Verbräuche im Stand sind es 17,2 kWh/100km.
Die Mautkosten teilen sich auf in 18,40€ für 2x 10-Tages-Vignetten in Österreich, 71,58€ in Italien, 35,09€ in Kroatien und eine Vignette für Slowenien für 15,00€. Außerdem hatten wir in Albanien einen kurten Autobahn-Abschnitt auf unserer Rückreise vom Kosovo, bei dem wir 5€ bezahlt haben. Und dann war da noch die Tunnelmaut vor dem Lake Komani Ferry Terminal, die uns ganze Zwei Euro gekostet hat.
Als Fazit lässt sich sonst nur sagen dass das Auto seinen Job mal wieder sehr gut gemacht hat und uns sicher und komfortabel überall hinbrachte. Die Situation mit der Ladeinfrastruktur war doch besser als gedacht, da die Länder in denen wir unterwegs waren auch ziemlich klein sind und man schon viel rumkommt ohne viele Kilometer zu fahren.
Dennis und ich haben den Trip sehr genossen, hatten viel Spaß zusammen und konnten Eindrücke von einem für uns beide neuen Eck Europas sammeln. Wir haben die Landschaft genossen, haben es uns kulinarisch gut gehen lassen und hatten Zeit uns über alle möglichen Themen zu unterhalten, was ich an Roadtrips immer besonders schätze. An dieser Stelle ein dickes Danke an Dennis, der sich so dermaßen auf meiner Wellenlänge befindet, dass es eine wahre Freude ist. Mal sehen wo es uns als nächstes hin verschlägt! Cheers, Dennis & David PS: Anbei noch eine kleine Kuriositätensammlung, was einem alles auf so einer Reise begegnet









