Auf einem Roadtrip ist es ein guter Tag wenn man aufwacht und sein Geschirr vom letzten Abend an einem Fluss abspülen kann. Und es ist auch ein guter Tag, wenn man diesen Fluss danach als Bademöglichkeit benutzen kann. Heute traf beides davon zu und wir hatten bis 11:30 Uhr Zeit die Sonne zu genießen, denn um 12 Uhr sollte unsere Fähre über den Komani Lake ablegen. Der Platz an dem wir genächtigt hatten war ein angelegter Schotterplatz am Rande des Flusses mit ein paar Hängematten, Tischen und Sonnenliegen. Das Wasser des Drin war affenkalt, aber sehr erfrischend. Wir hatten eine stark unterschiedliche Badedauer, denn Dennis versuchte den Kontakt mit dem Wasser so gering wie möglich zu halten was beim baden gar nicht so einfach ist, und ich habe die Erfrischung sehr genossen. Irgendwann am Morgen kam auch der Besitzer des Platzes in seinem Benz vorbei um die Übernachtungsgebühr von 5€ zu erheben, welche wir ihm gerne gaben.


Beim Fährterminal angekommen wurden wir gebeten kurz auf einem Parkplatz zu warten und bald schon konnten wir das letzte Stück der Straße befahren, welche kurz vor dem Hafen nochmal durch einen Tunnel führte, also fuhr man quasi aus dem Tunnel heraus direkt auf die Fähre. Und dann schipperten wir etwa zwei Stunden auf einem Stausee durch die albanischen Berge, welchen man ansieht dass sie touristisch noch fast unberührt sind. Links und Rechts türmen sich Berge bis 1750m auf, das Wasser ist klar und sauber und am Rande des Ufers steht kaum ein Gebäude, und wenn doch sind es kleine Höfe mit ein, zwei Maisfeldern und einer Kuhweide. Wir saßen auf der Fähre ganz vorn auf dem Oberdeck und uns blies die ganze Zeit ein ziemlich starker Wind um die Ohren, welcher auch so manchen Stuhl zum umkippen brachte.





Das ganze bringt schon fast norwegische Fjord-Vibes mit, mal abgesehen von der albanischen Volksmusik, die irgendwann an Deck ertönte und immer lauter wurde. Am Ende der Überfahrt driftete der Captain mit einem bewundernswerten Manöver in den Hafen ein und schon waren wir in Fierzë gelandet und setzten unsere Reise nach kurzer Beratung und reevaluierung unseres Zeitplans fort in Richtung der kosovoatischen Grenze. Dort kamen wir etwa 90km später an und wurden von dem Grenzbeamten freundlich darauf hingewiesen dass wir eine extra Kfz Versicherung abschließen müssen um einreisen zu dürfen, weil der Kosovo nicht auf der grünen Versicherungskarte steht. Das wussten wir vorher nicht, aber gesagt getan, 15€ bezahlt für 15 Tage Versicherungsschutz, das Dokument in Empfang genommen und ab gings über die Grenze. Das Ziel war gar nicht weit entfernt und bestand aus der einzigen Ladestation weit und breit, die an einer Shell Tankstelle in Призрен (Prizren) steht. Dort angekommen steckten wir unser Auto an und ließen die Säule von der jungen Dame am Schalter freischalten. Wir beschlossen, uns hier etwas zu essen zuzubereiten und kochten uns italienische Penne mit dem sehr leckeren veganen Chili sin Carne aus dem Mühlenladen.

Während des recht langsamen Ladevorgangs (mehr als 27 kW wollte die Säule nicht ausspucken) hatten wir noch zwei interessante Begegnungen: Erst kam ein i3 mit Kennzeichen aus Großbritannien angefahren der uns von seiner Reiseroute von London nach Pristina erzählte und der über die Ladeinfrastruktur auf dem Weg und hier unten bescheid wusste, er ist gebürtiger Kovovoate (?) und mitten auf einem 10.000km Roadtrip, allerdings mit nochmal deutlich kleinerer Reichweite als wir im Tesla. Respekt dafür! Der i3 zog dann weiter an eine andere Lademöglichkeit, weil er verständlicherweise nicht so lange warten wollte bis wir fertig waren. Und die zweite Begegnung war ein Tesla Model Y als Taxi, das ebenfalls die Säule nutzen wollte. Der Fahrer erklärte dass er einen Fahrgast nach Tirana auf den Flughafen bringen müsse, was immerhin etwa 200km Strecke sind. Auch der besagte Fahrgast stieg dann aus und wir kamen in ein nettes Gespräch. Der Taxifahrer meinte, dass das Taxiunternehmen neu sei und ausschließlich Tesla als Fahrzeuge hat, und dass sie erst dabei wären ihre eigene Ladeinfrastruktur in der Hauptstadt zu errichten. Dann telefonierte er mit seiner Zentrale, warf seine Ladepläne irgendwie um und die beiden zogen von dannen. Wir können generell berichten dass viele begeistert sind wenn sie einen Tesla sehen, wir bekommen überall neugierige Blicke, Daumen hoch und lachende Gesichter. Alle sind hilfsbereit und geben ihr bestes einem zu helfen, wenn man eine Frage stellt. Und tatsächlich sprechen in Albanien gefühlt mehr Menschen vernünftiges Englisch als in Italien und man kommt überall gut zurecht. Auf jeden Fall verspeisten wir unsere Mahlzeit und kauften beim Obststand am Kreisverkehr vor der Tanke noch eine Honigmelone als Nachtisch, von der jeder eine Hälfte auslöffelte.

Unser Geschirr konnten wir diesmal an der Waschanlage der Tankstelle reinigen, und als der Akku schließlich voll genug war fuhren wir wieder Richtung Süden. Wir benutzen die gut ausgebaute Autobahn von der es im Kosovo erst ca. 200km gibt, und fuhren alsbald wieder über die Grenze nach Albanien. Dann durchquerten wir fast das ganze Land auf schönen Schnellstraßen bis an die Grenze zu Montenegro, wo wir an der Zollabfertigung etwas warten mussten. Unterwegs auf dieser Straße ist uns nochmal der riesige Unterschied aufgefallen den es von Region zu Region zu geben scheint. Gestern Abend sind wir eine Straße gefahren die man kaum so nennen kann und heute cruisen wir gemütlich mit 110km/h über die saubere, glatte, sogar beleuchtete Autobahn. Aber eines fällt einem im ganzen Land gleichmäßig auf – es gibt sehr viele Gebäude die angefangen wurden zu bauen, aber anscheinend nach dem Rohbau nicht mehr weiter gebaut wurden. Egal ob Wohnhäuser, Lagerhallen oder große Bürogebäude, entlang der Autobahn und auch sonst stehen reihenweise Bauruinen bei denen man sich fragt wie das in dieser Menge wohl zustande kommt. Die Straßen von Montenegro fühlten sich recht ähnlich an zu denen von Albanien, von dem her kamen wir gut voran und schon bald nach Подгорица (Podgorica), der Hauptstadt von Montenegro. Dort gibt es eine (!) Semi-Schnelladesäule die wir direkt anfuhren. An der Säule stand bereits ein Tesla-Taxi und lud noch zehn Minuten, der Fahrer verwies uns auf die zugehörige Tankstelle, bei der wir uns gratis eine Karte abholten zum freischalten der Ladung.

Wir bedankten uns freundlich und nach ca. 40 Minuten Ladepause inkl. Anbringung eines weiteren Stickers konnten wir weiterfahren. Wir hatten einen Schlafplatz entlang unserer zukünftigen Route bei Park4Night ausgesucht und fanden einen Schotterparkplatz am Rande eines Dorfes vor, der unsere Nachtstätte sein sollte. Dort räumten wir wie jeden Abend unser Zeug auf die Vordersitze, hängten unseren Sichtschutz im Auto auf und stellten die Lüftung auf den Camp Modus ein, um dann ins Nest zu schlüpfen und den Schlaf zu finden.
