Tag 6 – Midges

Den heutigen Tag ließen wir gemütlich angehen, nach dem Frühstück nahmen wir noch ein erfrischendes Bad im Fluss, an dem wir unser Nachtlager hatten. Dann planten wir unser weiteres Vorgehen und beschlossen, weiter in Richtung Westküste zu fahren. Das Problem war nun, dass wir nicht mehr genug Strom im Akku hatten, um den nächsten Tesla Supercharger zu erreichen, die hier immer seltener wurden. Also suchten wir eine Alternative und wurden in einem kleinen Dorf auf unserem Weg fündig, wo eine oldschool Ladesäule stand, an der wir mit 50kW laden konnten. Da es dort auch noch einen coop Supermarkt gab, nutzen wir die Chance noch zum Einkaufen und fuhren dann weiter nach Fort Williams zum Supercharger.

Von dort aus hatten wir es nicht mehr weit bis nach Glenfinnan, wo wir einen Schlafplatz in der Nähe gefunden hatten. Dort befindet sich das Glenfinnan Viadukt, das bekanntermaßen in vielen Filmen vorkommt wenn es eine Szene mit schöner Eisenbahnfahrt geben soll. Am bekanntesten ist es vielen wohl aus den Harry Potter Filmen, wo mehrfach der Hogwarts Express darüberfährt. Am Platz angekommen stellten wir uns zwischen die anderen Camping-Vans und ich trat eine eine kleine Wanderung an, während Dennis einen Drohnen-Erkundungsflug startete. Mein Weg führte mich ein sehr steiles Stück die Highland-Hügel hinauf, an dessen Flanke ich dann entlangging, bis sich mir eine herrliche Aussicht auf die Landschaft drum herum bot.

Auf meinem etwa 90-minütigen Ausflug wurde auch schnell klar, dass die Region, so schön sie auch ist, im Sommer ein Problem mit sich bringt: Midges. Die kleinen Stechmücken schwirren hier zu zehntausenden durch die feuchte Landschaft und belästigen einen mit ihrer Anwesenheit, sobald man in ihre Nähe kommt. Die Stiche sind sehr schwach und kaum zu spüren, aber die Masse macht sie dann doch zu lästig, um sie zu ignorieren. So lief ich den Rückweg zum Auto unter ständigem Klatschen und Reiben, und am Auto angekommen flüchtete ich mich zu Dennis in den Innenraum. Alle anwesenden Camper befanden sich in ihren Fahrzeugen und hatten ihre Insektengitter und Türen verschlossen, mit herannahender Dämmerung schien sich die Präsenz der Insekten nochmals zu intensivieren. Zum Glück hatte Dennis sein Zelt bereits aufgebaut und so sprühten wir uns mit dem lokalen smidge-Spray ein, das wir gestern bereits besorgt hatten, als wir das erste Mal von dem Mücken-Problem gehört hatten und bereiteten uns noch ein Abendessen zu.

Als wir unser Essen im Auto verspeisten, bot sich uns noch ein schönes Spektakel, das sich vor unserer Windschutzscheibe abspielte: Ein Kleinwagen mit französischem Kennzeichen fuhr auf den Platz und stellte sich auf den letzten freien Stellplatz. Ein junges, stylisch gekleidetes Paar stieg aus, öffnete den Kofferraum und machte sich daran, eine Zeltausrüstung auszuladen. Schon währenddessen stürzten sich die Midges auf die neu angekommen Blutreserven, die ihnen offensichtlich besonders Appetit bereiteten. Nach wenigen Sekunden begann das Mädel wild mit den Armen zu fuchteln und zu rudern und unternahm sogar die verzweifelte Anstrengung, die Biester mit einer Jacke zu vertreiben. Das brachte natürlich gar nichts und das Paar wurde über den ganzen Parkplatz gejagt und rieb sich dabei unerlässlich an den Armen und Beinen. Schnell wurde das Spray herausgeholt und sich eingesprüht, aber es auch das schien wenig zu helfen, denn der verzweifelte und aussichtslose Kampf gegen die Midges ging weiter. So kam es, dass die beiden nur wenige Minuten nach ihrer Ankunft wieder in ihr Auto stiegen und davon fuhren. Nach diesem Spektakel blieben wir den Rest des Abends im Auto und stiegen nur nochmal aus, als Dennis ins Zelt ging und ich nochmal pinkeln musste und Zähne putzte. Als ich danach wieder ins Auto schlüpfte, fand ich etwa 200 Midges mit mir im Auto, die ich erstmal mit Hilfe einer Deckenleuchte an eine Stelle lockte und so nach und nach beseitigen konnte. Nachdem dieser Kampf gewonnen war, konnte ich in Frieden schlafen gehen. Bis dahin.

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