Tag 1 – Der Beginn einer neuen Reise…

… ist immer etwas spannendes. Und so auch der Beginn dieser Reise: Nachdem ich mit Fabian bereits eine Woche bei bestem Wetter in der wunderschönen Normandie verbracht habe, sah der Plan für heute vor, Fabian in Paris abzusetzen, von wo er mit dem TGV nach Hause fahren kann. Dafür ist Dennis, der mal wieder mein Reisepartner sein wird, um halb elf in Paris eingereist, ebenfalls via Schiene. Zu dritt aßen wir noch ein Baguette nahe des Bahnhofs und haben dann Fabian aus unser kurzen Zusammenkunft verabschiedet. Der personelle Austausch war also geglückt und wir lagen gut im Zeitplan, um die Fähre um 18:20 Uhr von Calais nach Dover zu nehmen. Auf der britischen Insel angekommen werden wir dann erstmal zwei Nächte in einem Hotel in London verbringen und dann in Richtung Schottland aufbrechen, wo wir die Highlands erkunden möchten. Einen genaueren Plan als dies gibt es noch nicht, der Rest ergibt sich auf der Reise.

Als Dennis und ich nun im Tesla saßen und uns den Weg aus dem 36°C heißen Moloch von einer Stadt heraus bahnten, die hauptsächlich aus Beton zu bestehen schien, stellte ich Dennis eine unscheinbare Frage, deren Tragweite ich im Moment der Aussprache noch nicht erfassen konnte und auf die ich eigentlich nur eine einzige Antwort hören wollte: „Hast du deinen Reisepass dabei?“ Als Antwort bekam ich nur Stille. Ein Blick nach rechts zeigte mir Dennis‘ gequälten Gesichtsausdruck, der nichts gutes verhieß. Schweigen macht sich im Fahrzeug breit. Ich musste die gegebene Information, die sich aus der Stille ergab, erstmal verarbeiten und fragte nochmals nach, um ein potentielles Missverständnis aus dem Weg zu räumen: „Ja? Nein? Vielleicht?“ Dann die wurde die Antwort, die zuvor bereits in der Luft schwebte, von Dennis kleinlaut ausgesprochen: „Daran habe ich tatsächlich nicht mehr gedacht“. Wieder Schweigen. Meine Gedanken drehten sich um die Konsequenzen dieser Aussage und die möglichen Lösungswege, die sich nun ergaben.

Nach der Überwindung des ersten Schockmoments informierte sich Dennis schnell online über die Möglichkeiten einer Einreise nach Großbritannien ohne Reisepass und kurzum gesagt: Es gibt keine. Der Reisepass ist seit dem Brexit zwingend notwendig. Das wissen wir auch beide, da wir vor Reise antritt bereits die Einreisegenehmigung ETA beim britischen Staat beantragt haben, wozu wir auch den Reisepass benötigt haben. Also war klar: Irgendwie muss Dennis seinen Reisepass beschaffen, der gemütlich zu Hause in der WG liegt. Dazu blieben uns mehrere Optionen: Erstens: Dennis fährt mit dem Zug nochmal zurück nach Hause, holt den Reisepass und kommt wieder nach Paris, worauf wir mit der Fähre übersetzen können. Zweitens: Dennis fährt mit dem Zug nach Hause, holt den Reisepass, während ich allein mit der Fähre übersetze und Dennis fliegt morgen nach London, wo ich ihn abhole. Drittens: Wir schwenken unsere Route gen Osten und fahren nach Knittlingen, übernachten dort und fahren morgen nach Calais, um morgen Abend mit der Fähre überzusetzen. Schnell wägten wir die Optionen gegeneinander ab und entschieden uns für die dritte Variante, da diese insgesamt einen ähnlichen Zeitverzug, aber am wenigsten Geldverlust bedeutete. Ein kurzfristig gebuchtes Zugticket Paris – Karlsruhe kostet etwa 120€ und ein Flug wäre noch teurer geworden. So würden wir zwar einige Stunden mehr auf der Straße sein und viele Kilometer zurücklegen, aber der Kostenfaktor liegt in diesem Fall weit geringer als bei Verwendung der öffentlichen Verkehrsmittel. Nach einem Anruf bei der Fährgesellschaft konnten wir die Fähre für eine geringe Zusatzgebühr auf den morgigen Tag umbuchen und schon befanden wir uns auf dem Weg. Zwar eigentlich auf dem falschen, aber immerhin auf dem Weg. Die unerwartete Fahrt in Richtung Heimat verlief dafür problemlos und gegen 22 Uhr kamen wir an unserem gemeinsamen Zuhause an. Dies hatte nun den Vorteil, dass ich nochmals Klamotten austauschen konnte, da ich ja bereits eine Woche unterwegs gewesen war, und wir nochmals duschen konnten.

Und so liegen wir noch einmal in unseren eigenen Betten und haben nochmal eine Nacht zu Hause. Da sieht man mal wieder, dass man noch so viel planen kann und doch kann immer etwas schief gehen. Aber halb so wild, wir sehen es entspannt und freuen uns umso mehr, dass es morgen früh dann so richtig los geht. Bis dahin.

Ich freue mich über jeden Leser, der unsere Reise auf diesem Wege verfolgt, danke fürs vorbei schauen. Vermutlich wird es für diesen Trip keine täglichen Einträge geben, sondern eher sporadische. Viel Spaß beim Lesen!

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