Tag 2 – Porto Santo Stefano

Als wir am heutigen Morgen gut ausgeruht erwachten, war die Sonne bereits über der Bucht von La Spezia aufgegangen und lockte uns aus dem Auto. Beim aussteigen wurden wir direkt von unseren Nachbarn gegrüßt, einem jungen Paar aus Regensburg. Sie sind schon seit drei Tagen zum Klettern hier, denn auf den Felsen der Landzunge befindet sich ein kleines Kletterparadies. Von ihnen erhielten wir auch noch einen Tipp für einen Aussichtspunkt, dem wir nach dem Frühstück nachgehen wollten. Während desselbigen kam allerdings noch ein junger Mann die Straße heraufgelaufen, der sich nach kurzem Gespräch als ein Student aus Würzburg herausstellte und der erzählte, dass er gestern am Nachmittag mit seinem Auto die Straße hinaufgefahren war um den Sonnenuntergang zu betrachten. Wir wissen nicht wie er heißt, aber wir nennen ihn jetzt mal Sebastien. Kurz bevor Sebastien wieder die Abfahrt antreten wollte, hörte er allerdings ein lautes Krachen und sah einen gewissen Baum auf eine gewisse Straße fallen und war somit über Nacht dort oben gefangen. Nun war er zu einem der wenigen Häuser auf der Landzunge gewandert und dessen Bewohner hatte sich tatsächlich bereit erklärt, seine Motorsäge auf sein Quad zu packen und Hilfe zu leisten. Sebastien zog weiter die Straße hinauf und kurze Zeit später brummte tatsächlich ein mit Quad und Motorsäge ausgerüstete Mann an uns vorbei. Zu unserem Erstaunen kam dasselbe Gefährt bereits etwa drei Minuten später wieder die Straße hinab und zog wieder von dannen. Wir bewunderten die offensichtlich massiv hohe Arbeitsgeschwindigkeit, mit der in Italien an einem Sonntagnachmittag körperlich schwere Arbeit verrichtet wird und machten uns auf den Weg zum vorhin erwähnten Aussichtspunkt. Es ging einen schmalen, ausgetretenen Pfad entlang, der zu einer Klippe führte an deren Rand man ein 180° Panorama auf das offene Meer hatte.

Dort verbrachten wir etwa eine halbe Stunde damit den Ausblick zu genießen, Fotos zu machen und die vielen kleinen und großen Schiffe und Boote zu beobachten, die auf der sonnenüberfluteten Wasseroberfläche umherflitzten. Anschließend wollten wir uns noch das Fort ansehen, das sich ganz oben am Ende Straße befand und wir machten uns daran die letzten Höhenmeter zu erklimmen. Und was sahen wir, als wir um die erste Kurve kamen? Einen Baum. An einem Ort, an dem er nicht hingehört, nämlich quer über der Straße. Wir kamen nicht umhin uns ein schmunzeln zu verdrücken, bewunderten die Menge und Größe der herumliegenden Kiefernzapfen und klassifizierten den umgestürtzten Kollegen als norditalienische Steinkiefer der Wuchsordnung II.

Gerade als wir über den Baum hinwegstiegen, rückte hinter uns ein Pickup mit Blaulicht an und hielt vor dem Baum an. Im selben Zuge kam auch Sebastien wieder von oben herabgelaufen und grinste uns an. Er meinte der Typ auf dem Quad hat die „Protezione Civile“ angerufen, was mit dem THW in Deutschland vergleichbar ist und die haben direkt jemanden losgeschickt um aufzuräumen. Während Dennis und ich also einen weiteren Aussichtspunkt aufsuchten, hörten wir die Motorsäge schreien und als wir nach ca. 30 Minuten wieder zurückkehrten räumten die zwei Arbeiter gerade die letzten Reste des Baums beiseite. Sie fragten Sebastien nach Wasser, aber er hatte keines mehr bei sich, also halfen wir gerne damit aus. Mit dem Wissen, dass er seinen weiteren Weg nun ohne Hindernisse antreten konnte verabschiedeten uns und zogen weiter, ein Schwimmbad als nächsten Zwischenstopp im Blick. Wir bezahlten den viel zu teuren Eintritt, zogen uns um und wurden in der Dusche mit einer Aufforderung konfrontiert, eine Chipkarte vorzuhalten um die Dusche zu aktivieren. Verdutzt fragten wir am Tresen nach was das bedeutete, und die junge Dame erklärte uns dass das Duschen extra kostet und verlangte pro Nase nochmals lächerliche 30 Cent dafür. Es blieb uns nichts anderes übrig als dies zu akzeptieren, duschten also jeweils 2 Minuten und 30 Sekunden für je 30 Cent und bald schon befanden wir uns wieder auf der Straße. Ach ja – in dem Schwimmbad galt übrigens Badekappenpflicht, weswegen wir nun auch stolze Besitzer einer blauen und einer orangenen Badekappe sind. Herrlich!

Nun lagen noch zwei Supercharger-Stopps zwischen uns und der Halbinsel Monte Argentario am Tyrrhenischen Meer, wo Dennis den Tesla gekonnt durch die engen Straßen des Städtchens Porto Santo Stefano bugsierte und danach ein Stück die Küstenstraße entlang bis zu einem Schotterparkplatz mit perfektem Blick auf den Sonnenuntergang.

Dort angekommen verweilten wir und entspannten uns, kochten Nudeln mit Pesto und bekamen von einer Frau die mit ihren Kids picknickte noch Kekse geschenkt, die traditionell nur hier auf der Insel gebacken werden. Da mit der versunkenen Sonne die Bedrohung durch Mückenstiche jede Minute stieg, beschlossen wir, uns ins Auto zu setzen und einen Film zu schauen. Nun stehen wir also hier mit drei anderen Autos, davon zwei deutsche auf dem Parkplatz und sind gespannt, was der morgige Tag uns bringen wird.

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