Den ersten Tag starteten wir mit einem kurzen Frühstück in Casa Dobler und kurz nach 6 Uhr gings ab auf die Straße. Das erste Zwischenziel zum kurzen Zwischenladen erreichten wir nach etwa 2,5 Stunden Fahrt.
Wir sind morgens mit 90% im Akku gestartet und konnten somit an den ersten drei Superchargern vorbeidüsen. Der erste Halt war dann in Mulhouse kurz hinter der französischen Grenze, über die wir ohne Kontrolle geschlüpft sind. Dort haben wir unsere noch müden Körper etwas gestreckt und für 15 Minuten geladen, dann konnten wir weiter fahren.
Nächster Stop war der Supercharger in Besancon, wo wir eine Frühstückspause einlegten, ein paar Nougatbits verköstigten und im benachbarten Hotel auf die Toilette gehen konnten. Dadurch hatten wir so viel Strom im Akku dass die nächste Teilstrecke eine längere wurde – 230km bis nach Lyon. Dort gibt es drei Supercharger im Umkreis des Stadtgebiets, wir haben uns den rausgepickt der am nächsten an unserer Route lag.

Hier kommt mal etwas „Ladekunde“ für die Interessierten:
Wir werden für den gesamten Trip ausschließlich die hauseigene Ladeinfrastruktur von Tesla verwenden. Diese Schnellladestationen sind strategisch über ganz Europa verteilt und heißen Tesla Supercharger. Sie sind Tesla-exklusiv und für viele Käufer eines der wichtigsten Argumente, sich für einen Tesla zu entscheiden statt für eine andere Marke. Das Supercharger-Netzwerk ist das am besten ausgebaute Netzwerk an Schnellladestationen der Welt und wird ständig erweitert.

Ganz grundsätzlich kann man einfach den Zielort im Auto eingeben und das Auto plant dann eine geeignete Route in der alle Ladestopps eingerechnet werden und man bekommt gasagt wann und wie lange man wo laden sollte. Diese Empfehlung ist in Ordnung, aber wenn man sich etwas auskennt gibt es ein paar Strategien die sich anwenden lassen um die Ladestopps zu optimieren. Optimal ist grundsätzlich, mit einem Akkustand zwischen 5 und 10% anzukommen. Die maximale Ladeleistung am Supercharger wird nämlich erreicht, wenn der Akku so leer wie möglich ist und wenn er schön „warmgefahren“ ist. Dann klettert die Ladeleistung bei meinem Model 3 auf bis zu 160kw. Hier ein Beispiel eines Ladevorgangs am Supercharger bei Lyon: Ankunft mit 4%, Matti steckt den Stecker an, das Auto meldet sich bei der Ladesäule an und startet die Ladung, die Ladeleistung fährt hoch auf 167kw (Optimalwert!) und sinkt dann langsam immer weiter ab. Je voller der Akku wird, desto langsamer wird die Ladung. Also sehe ich im Navigationssystem nach, welcher Supercharger entlang der Route ca. 150-250 km entfernt liegt, wähle ihn als Ziel aus und sehe dann wie viel ich noch laden muss um den nächsten Stop zu erreichen. Dann lade ich ca. 5% mehr als benötigt und es kann weiter gehen. Ein ungefährer Richtwert mit meinem Model 3 sind alle 90 Minuten Fahrtzeit eine Ladepause von 15 Minuten. Das entschleunigt das Reisen auf eine mir sehr angenehme Art und Weise und entfernt einen großen Stressfaktor auf Langstreckenfahrten.




So viel mal zur trockenen Theorie – Ich hoffe ihr habt noch nicht abgeschalten – so sieht dann die Praxis aus:
Nach Lyon haben wir eine Essenspause eingelegt in Valence und sind danach weitergedüst bis nach Orange. Dort haben wir am Supercharger geladen der bei einer nagelneuen Einkaufsmeile platziert ist. Um uns die Beine zu vertreten sind wir dort einmal durchgelaufen und haben die gespenstische Leere bestaunt. Fast alle Läden haben geschlossen und man kann sich schwer ausmalen wie es hier an einem „normalen“ Sommertag aussehen muss.

Und dann begann eine kleine Odyssee, da ein mit der Navigation etwas überforderter Matti am Steuer saß als plötzlich eine komplexe Folge von haarsträubenden Navigationsmanövern auf ihn zu kam (einmal links, einmal rechts). Zwei Fehlanläufe, drei Autobahnabfahrten und vier Mautstellen später waren wir dann wieder auf Kurs und Matti durfte fast 200km einfach nur geradeaus fahren, ganz ohne die stressigen Ausfahrten und Kreuzungen. Den größten Teil dieser Fahrarbeit auf der Autobahn erledigt hierbei der sogenannte Autopilot, ein Assistenzsystem das einen Tempomat mit Abstandhalter und ein kamerabasiertes Spurhaltesystem kombiniert. Einmal aktiviert, hält der Tesla die eingestellte Geschwindigkeit, den Abstand zum Vordermann und bleibt in der Mitte der Fahrspur. Natürlich muss das System aufmerksam überwacht werden, aber es nimmt dem Fahrer einen Großteil des Autobahn-Stress ab und entlastet enorm.
Die Ausgangssperre ignorierend sind wir dann gegen 20 Uhr am nächsten Stop am Supercharger in Narbonne angekommen. Dort luden wir nochmal auf 90% auf und überlegten ob wir nun die Stunde Fahrt bis an die spanische Grenze noch auf uns nehmen oder ob wir die Nacht in Frankreich verbringen. Da erinnerte sich Matti daran dass er vor einigen Jahren ganz in der Nähe mal im Familienurlaub war, und wir entschlossen uns an diesem Ort zu campieren. Kurz entschlossen fuhren wir also nach Minerve, kochten uns noch ein Abendessen auf dem Benzinkocher und setzten uns ins Auto um bei einer Folge Netflix das Abendessen zu genießen.

Als letzten Schritt bereiteten wir unseren Schlafplatz vor und legten uns im Kofferraum zur Ruhe. Der Vorteil in einem Elektroauto zu schlafen liegt ganz simpel darin, dass man die ganze Nacht die Heizung/Klimatisierung laufen lassen kann und die Temperatur im Innenraum so immer auf einem konstanten Niveau gehalten wird.

Und so liegen wir hier im kuscheligen Auto und damit geht der erste lange Tag zu Ende, mit fast 1100 km gefahrener Strecke sind wir nun kurz vor der spanischen Grenze und freuen uns schon, morgen weiter zu fahren Richtung Süden.
Track of the day:
Zum mitsingen auf der Autobahn
