Tag 5 – Komani

Dafür dass es für uns beide die erste Nacht auf einem Schiff war, verlief sie ziemlich ereignislos. Nachdem wir gestern Abend unsere Kabine bezogen hatten, haben wir beide erstaunlicherweise einfach durchgeschlafen und sind gegen 7 Uhr aufgewacht. Wir beschlossen dann aufzustehen und an Deck zu gehen, und kamen grade rechtzeitig um mitzuerleben wie die Rigel III in den Hafen einlief und anlegte.

Das entladen ging erstaunlich flott vonstatten, und schon waren wir auf albanischem Boden unterwegs. Sehr schnell stellten wir fest, dass der Tesla in Albanien keine Internetverbindung herstellt. Das zeigte sich darin, dass wir erstens keine Musik über Spotify mehr hatten und zweitens darin, dass die Navigationskarte schwarz blieb. Ersteres Problem behoben wir damit, dass wir die albanische Musikwelt übers Radio entdeckten. Das zweite Problem überbrückten wir vorerst mit der Navigation übers Handy, aber auf lange Sicht ist das keine Lösung. Erste Amtshandlung war dann erstmal der Besuch des Audi & VW Zentrums Albania in der Hauptstadt Tirana, etwa 30 Kilometer entfernt von Durrës, wo unsere Fähre angekommen war. Der Grund unseres Besuchs war, dass sich dort eine der wenigen Schnelladesäulen in Albanien befindet welche wir nutzen wollten. Auf dem Gelände angekommen wurden wir direkt von einem Security Guard empfangen, der seinen Job sehr ernst nahm und nach innen an den Tresen gebracht, wo wir im Voraus pauschal bezahlten und anschließend den Akku auf 100% aufluden. Währenddessen kam ein niederländisches Pärchen mit einem Hyundai Kona dazu, die auch laden wollten und wir hatten ein nettes Gespräch mit den beiden, vor allem über Elektromobilität.

Als unser Akku fast aus den Nähten platzte, brachen wir auf zu dem zweiten wichtigen Punkt: Internetbeschaffung. Bei Porsche hatten wir über WLAN einen Vodafone Store gefunden, bei dem wir eine SIM Karte kaufen wollten, also fuhren wir dahin, es stellte sich aber heraus dass es die Vodafone Zentrale war, bei der man gar nichts kaufen kann. Die sehr freundliche Dame an der Rezeption zeigte uns den Weg zum nächsten Store, welcher sich in einem großen Einkaufszentrum befand. Dort angekommen kauften wir uns beide eine albanische SIM Karte mit je 35GB Datenvolumen. Somit ist die Versorgung damit erstmal gesichert, auch der Tesla kann sich nun über den Hotspot mit meinem Handy verbinden und ist somit wieder online. In dem Einkaufszentrum haben wir noch etwas gegessen und sind schließlich in Richtung Shkodër gefahren, wo es nochmal eine Ladesäule geben soll. Fünf Minuten aus Tirana heraus erwartete uns dann auch schon die erste abenteuerliche „Straße“, eine ungeteerte Piste mit jeder Menge Verkehr, steilen Passagen und abgerutschten Stellen. Danach kamen viele sehr gute Straßen, die Autobahn ist in sehr gutem Zustand und die Bundesstraßen soweit auch. Irgendwie ist es aber trotzdem ein Abenteuer hier Auto zu fahren – hier gibt es auf den Straßen natürlich Gefährte die so bei uns keine Straßenzulassung mehr bekämen, keiner hält sich an irgendwelche Regeln, es gibt keine Helmpflicht für Motorradfahrer und es stehen gerne mal Kühe auf dem Grünstreifen oder ähnliches. Letzten Endes sind wir gut angekommen, haben die Ladesäule auf Anhieb gefunden und sie hat erstens sofort funktioniert und zweitens war sie kostenlos! Das haben wir ihr sofort gedankt indem wir sie mit einem WG Sticker beehrt haben.

Während des Ladens – wir mussten nur etwa 20 Prozent nachladen, wollten aber so voll wie möglich in die Berge starten – liefen wir etwas durch die Stadt, gingen nochmal einkaufen und ließen den Albanian Lifestyle auf uns wirken. Es gibt viele kleine Geschäfte, spezialisiert auf eine Sache wie z.B. Matratzen, Werkzeug, Wasserbehälter oder Teppiche, die Menschen mit denen wir Kontakt hatten sind sehr freundlich und hilfsbereit und wirken offen. Viele sind mit dem Auto unterwegs, manche mit Motorrollern und nur wenige auf dem Fahrrad. Mit 96% im Akku fuhren wir weiter, das Ziel war nun den Weg in die Berge anzutreten und eine Ortschaft namens Komani zu erreichen, von wo aus wir morgen eine Fähre über den Komani Lake nehmen möchten. Der Komani Lake ist ein aufgestauter Fluss namens Drin, der durch das Tal hier fließt. Die Straße dort wurde online als sehr schlecht beschrieben und die ersten 10 Kilometer wunderten wir uns über diese Beschreibung, denn dort war die Straße eigentlich ziemlich gut. Die kurvenreiche Strecke führte uns die Täler entlang von See zu See, wir waren fast die einzigen auf der Straße und wir fuhren in die Dämmerung. Dank dieser Kombination konnten wir immer wieder einfach auf der Straße anhalten und ungestört Fotos machen.

Je weiter wir der etwa 30km lange Straße entlang folgten, desto schlechter wurde sie. Es gab Stellen die komplett abgesackt waren, jede Menge tiefe Schlaglöcher und Risse, immer wieder Stellen komplett ohne Asphalt und natürlich Steine und Felsbrocken die auf der Straße lagen.

Für die 30km Strecke benötigten wir am Ende etwa 1:30h Fahrtzeit und trafen gegen 20:30 Uhr in Komani ein, als es nun schon dunkel war. Wir fanden einen Camping Spot an dem schon ein paar andere Autos standen und gesellten uns dazu, kochten etwas zu essen und gingen relativ erschöpft ins Bett.

Somit haben wir unseren ersten Tag in Albanien erfolgreich hinter uns gebracht, haben schon ein, zwei Seiten des Landes gesehen und sind gespannt was morgen so passiert. Gute Nacht!

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