Tag 4 – Im spanischen Outback

Nachdem wir gestern unser Ziel erreicht hatten, haben wir den heutigen Tag genutzt um den südlichsten Punkt Europas genauer zu betrachten.

Am Morgen haben wir erstmal auf dem Campingplatz geduscht, haben uns in dem kleinen Laden dort mit ein paar Vorräten eingedeckt und sind nach dem Frühstück eine Runde am Strand spazieren gegangen. Dieser ist dort ein feiner, breiter Sandstrand der sich über einige Kilometer hin erstreckt und von fleißigen Kite-Surfern nur so wimmelte. Die waren heute ganz glücklich, denn der Wind wehte sehr kräftig bei angenehmen Temperaturen um 25°C.

Morgenspaziergang am Strand

Dann sind wir mit dem Auto wieder nach Tarifa in die Ortschaft reingefahren und haben in Strandnähe geparkt. Dort gibt es einen Hafen, eine Burg, einen Strand und natürlich die vorgelagerte Insel, die „Isla de las Palomas“. Leider ist diese ein militärisches Sperrgebiet, da sich auf der Insel bis vor einigen Jahren eine spanische Kaserne befand. Somit ist der südlichste legal zu Fuß erreichbare Punkt Europas also das Tor vor genau dieser Kaserne, wo wir nochmal unserem bisherigen gemeinsamen Weg gedachten und auf unsere Freundschaft anstießen.

Der Damm zur Insel
Das Eingangstor zur Kaserne
Dieses Schild und das Tor hätte man ja auch weglassen können…
An dieser Stelle trifft das Mittelmeer auf den Atlantischen Ozean, dazwischen ist die Straße von Gibraltar.

Ein paar Fotos konnten wir dann doch noch auf der Insel machen, da wir uns am Wasser entlang in einen Bereich einschmuggeln konnten. Weiter wollten wir dann aber doch nicht gehen, da das Gelände auch videoüberwacht ist. Aber dafür können wir jetzt sagen dass wir alles getan haben um so weit in den Süden zu kommen wie möglich (ohne verhaftet zu werden). Fühlt sich toll an so ein Ziel gemeinsam zu erreichen.

Dann sind wir einmal am Hafen entlang geschlendert bis wir zur Burg kamen die dort recht erhaben fast direkt am Wasser trohnt. Die war noch eine Stunde zur Besichtigung geöffnet, und so entschlossen wir uns direkt reinzugehen.

Die ältesten Teile der Burg gehen zurück ins 10. Jahrhundert und im Laufe der Zeit diente sie allen möglichen Zwecken und wurde immer wieder teilweise zerstört und neu aufgebaut und erweitert. Oh und ich darf natürlich nicht vergessen zu erwähnen dass es die südlichste Burg Europas ist.

Nachdem wir die Burg von oben bis unten besichtigt hatten, machten wir uns auf die Suche nach dem südlichsten Eiscafé Europas, und ich denke wir haben es gefunden!

Gute Laune bei gutem Eis bzw. Cocktail

Die restliche Zeit des Nachmittags verbrachten wir damit die Sonne zu genießen, am Strand zu schlendern und die Füße ins Wasser zu halten. Wir wären ja auch gern mal ins Meer gehüpft, aber durch Mattis Wunden hätte ihm das dabei sicher mehr Schmerzen als Freude bereitet, und ich ließ es aus freundschaftlicher Solidarität dann auch bleiben.

Bunkeranlagen am Strand
Ein wichtiger Moment: Mein Tesla ist das südlichste Auto Europas!

Dann fehlte also zum gelungenen Abschluss unseres Aufenthaltes nur noch ein gutes Abendessen, was wir nun in Angriff nahmen. Wir suchten ein ordentliches Restaurant aus und bestellten uns eine Paella mit Meersfrüchten, die uns pappsatt hinterließ.

Nach dem Essen planten wir den ersten Teil unserer Rückreise, und da wir ja am Vortag bereits 160km gefahren waren und eine Nacht im Auto geschlafen haben – das verbraucht etwa 12-15% Akkustand – hatten wir nun nicht mehr genug Strom im Akku um bis zum Supercharger zu kommen. Das hatten wir aber bei der vorausgehenden groben Planung des Trips schon bemerkt und für diesen Fall eine andere Lösung gefunden: Einen Tesla Destination Charger.

Das sind keine Schnellladestationen wie die Supercharger, sondern langsamere Ladestationen die man sonst auch Wallbox nennt. Diese sind mittlerweile in sehr vielen Hotels vorhanden und bilden somit ein dichtes Netz aus Lademöglichkeiten wenns mal nicht so schnell gehen muss oder wenns eben nicht anders geht, wie nun in unserem Fall. Also peilten wir unser Ziel an – ein Casino mit Destination Charger – und luden dort die erforderlichen paar Prozent nach. In der Zeit hatte ich mal die Gelegenheit die Windschutzscheibe ordentlich zu reinigen, Matti konnte digital seinem Jugendkreis beiwohnen und wir bekamen einen tollen Sonnenuntergang serviert.

Der Tesla Destination-Charger am Casino

Als wir also für die nächste Etappe genug Strom im Akku hatten, waren wir wieder auf dem Weg zum Supercharger in Fuengirola, das ist der in der Tiefgarage. Dort luden wir so voll dass wir zu unserem Schlafplatz kommen, 15% Nachtverbrauch mit einrechnen und es dann noch zum nächsten Supercharger reicht.

Unsere Schlafmöglichleiten finden wir übrigens über eine App, die heißt Park4Night und ist eigentlich auf Wohnmobil-Urlauber ausgelegt die einen Stellplatz für eine oder mehrere Nächte suchen. Dort sind nicht nur Campingplätze und ausgeschriebene Stellplätze für Wohnmobile eingetragen, sondern auch Parkplätze, Straßen und oder einfach Orte an denen man in der Wildnis gut eine Nacht stehen kann.

Das erwähne ich heute gesondert, da wir für diese Nacht einen Platz in der Natur ausgewählt haben und die nächtliche Anreise schon sehr abenteuerlich war. Als das Navi uns von der Autobahn herunterlotste wurde die Straße sofort schmal und sehr kurvig und das blieb sie die nächsten 25 Kilometer auch. Hunderte Höhenmeter und mindestens 300 Kurven auf glatter, einwandfreier Straße später änderte sich das Bild plötzlich, als wir abbogen auf eine andere Straße. Diese führte sehr verwunden und enorm steil bergab, war schlecht asphaltiert und oft ausgebessert. Die ganze Zeit wundern wir uns, was für ein Ausblick sich uns hier wohl am Tag bieten würde. Das sehen wir dann ja morgen. Kurz nach Mitternacht an den Koordinaten angekommen die uns die App empfohlen hatte, erwartete uns eine große, unbefestigte Fläche auf der wir diese Nacht nächtigen. Als wir ausstiegen und die Tür hinter uns zufiel, wussten wir – hier sind wir im nirgendwo.

Wir mussten erstmal eine Minute still sein und Lauschen, um die Atmosphäre des Ortes auf uns wirken zu lassen. Es ist windstill, wir befinden uns in einem Tal, umgeben von Bergen und Hügeln. Es ist etwa Halbmond, wenn sich die Augen daran gewöhnt haben wirkt es aber irgendwie heller. Alles ist in ein sanftes Licht getaucht, der Himmel ist klar und die Sterne sind gut zu sehen. Man hört Kröten quaken, irgendwo in der Nähe muss ein Sumpfgebiet sein. Grillen zirpen im hohen Gras um uns herum, irgendwo gluckert Wasser. Hundegebell bricht durch die Nacht, irgendwo von rechts. Dann von links, weiter entfernt. Sie bellen sich gegenseitig an, über Kilometer hinweg, ein dritter steigt mit ein, noch viel weiter weg. Die Laute hallen von den Berghängen wider. Ein Uhu und ein Käuzchen melden sich, plötzlich Maunzt etwas ganz in der Nähe. Es ist also ganz schön was los hier, aber Menschen findet man hier erstmal nicht so schnell – jetzt erst fällt mir auf dass wir seit der Autobahn keinem einzigen Auto begegnet sind und vielleicht an drei oder vier Häusern vorbeikamen.

Mit diesen Eindrücken verabschieden wir uns in die Nacht und schließen unsere Augen, hier, irgendwo im nirgendwo.

Track of the day:

Weils einfach fittet.

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