Tag 6 – Das Gewitter

Auch am heutigen Morgen gibt es den rituellen Morgenkaffe, den Yoa emsig gebraut hat. Nach erfolgtem Kafferuf sitzen nach kurzer Zeit alle im Frühstückskreis – außer Finn und Matze. Nach kurzer Beratung entschließt Yoa sich, die beiden zu wecken und lässt nochmal einen extra lauten Schrei direkt neben ihrem Zelt los. Kurz darauf steht Finn neben der Gruppe, aber Matze lässt sich weiterhin nicht blicken. Nach erneuter, lautstarker Einladung findet auch er den Weg aus dem Zelt und schließt sich uns in der Frühstücksrunde an.

Der Tag beginnt so sonnig, wie er gestern geendet hatte und somit ist die Stimmung hervorragend. Was aber schnell zum Gespräch wird ist die Wettervorhersage für den restlichen Tag, denn es gibt eine amtliche Sturmwarnung mit Starkregen für den Abend. So entsteht der Plan, heute nur ein relativ kurzes Stück weiter südlich zu fahren und bald nach einem Schlafplatz zu suchen. Also schwingen wir uns in die Kanus und paddeln los, es geht einmal quer über den See und dann fahren wir ein ganzes Stück am Ufer entlang. Auf der Strecke halten wir immer Ausschau nach vielversprechenden Plätzen und steigen ab und zu aus, um die eine oder andere Stelle auf Lagertauglichkeit zu überprüfen. Als wir um 12 Uhr auf eine Landzunge einer Insel stoßen, auf der eine frisch gebaute Wetterschutzhütte steht, legen wir schnell an und erkunden die Lage. Die Hütte hat noch kein Dach und die Umgebung ist nicht ganz optimal um unsere fünf Zelte aufzustellen, aber wir entscheiden uns, dennoch hier zu bleiben und zumindest mal den Regen abzuwarten, der gegen 14 Uhr einsetzen soll. Das Gewitter ist dann für den Abend angesagt. Also machen wir es uns bequem, es wird gegessen, es wird Kaffee gekocht und ein Tarp über die Hütte gespannt, um bei anhaltendem Regen einen Unterschlupf zu haben.

Dann baden wir noch im erfrischenden Wasser des Sees und genießen die Sonnenstrahlen, die uns aktuell noch die Häupter wärmen. Yoa, Finn und Matze beschließen, nochmal ins Kanu zu steigen und noch ein wenig die Gegend zu erkunden. Als diese schon eine Weile weg sind und sich die 14 Uhr Marke nähert, ziehen zügig Wolken auf und es fängt tatsächlich an zu regnen. Die im Lager gebliebenen räumen schnell die kritischen Dinge unter das Tarp ins Trockene. Nach einiger Zeit sehen wir ein Kanu herankommen und der Erkundungstrupp kehrt zurück in die Basis. Zum Glück ist der Regen nach kurzer Zeit schon vorbei und die Sonne lässt sich wieder blicken. Keine Spur mehr vom großen Regen der angekündigt war. Das lässt uns viel Zeit, um den Nachmittag über zu lesen, zu entspannen oder Brennholz zu machen.

Dann rufen Mieke und Yoa zur Kochaktion auf, sie haben aus Nepal einige Zutaten mitgebracht, die heute aufgetischt werden. Es werden Zwiebeln, Knoblauch, Kartoffeln und Ingwer geschnippelt, es werden Erbsen und Reis gekocht und es wird Wirsing gebraten. Am Ende entsteht mithilfe vieler Hände, Kocher und Töpfe ein mega leckeres Dal Bhat, das traditionelle Gericht, das in Nepal viel gegessen wird.

Mit vollem Magen lassen wir den Tag am Feuer ausklingen und wir sind gespannt, wo es uns morgen hin verschlägt.

Und das für heute angekündigte Gewitter? Von dem haben wir nix mitbekommen.

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