Am heutigen Morgen haben wir uns nach einem gemütlichen Frühstück – bestehend aus frisch gebrühtem Kaffee und köstlichem Müsli – direkt auf den Weg gemacht zu unserem nächsten geplanten Zwischenstopp. Dieser bestand aus dem Supercharger in Łódź, den wir gegen 11 Uhr erreichten. Dort legten wir nur eine kurze Ladepause von zehn Minuten ein, um dann von dort aus zum nächsten Charger nach Warschau zu kommen.
Dort stellten wir bei der Betrachtung der folgenden Route fest, dass es nun eine größere Distanz zum nächsten Lader zu überwinden gilt und zwar 409km, die die Reichweite des Tesla auf der Autobahn voll ausreizen würden. Also klemmten wir sämtliche Neutronen in den Akku, die die Ladesäule hergab und luden den Akku auf 100%, ehe wir weiter fuhren.

Die darauf folgenden drei Stunden fuhren wir entspannt über die sehr leere, sehr gut ausgebaute polnische Autobahn (sieht alles aus als wäre es noch keine zehn Jahre alt), bis wir über die Grenze nach Litauen rollten. Dort änderten sich schlagartig die Straßenverhältnisse, das erste was man zu Gesicht bekommt ist eine gigantische Baustelle und danach hat die dortige Autobahn circa die selbe Ausbaustufe wie die K4516 zwischen Knittlingen und Freudenstein. Eine Fahrbahn pro Fahrtrichtung, schön kurvig und teilweise fehlende Markierungen.
Über den Verlauf des Tages hinweg hatten sich die großen, flachen Felder des südlichen Polens langsam immer mehr zu einem leicht hügeligen, geschwungenen Landschaftsbild gewandelt, das nun auch immer mehr Waldflächen beinhaltete.
Die ausgesuchte Route führte uns nun abseits der Autobahn durch eher rurale Gebiete und durch einige kleinere Ortschaften. In einer davon erspähte Dennis im vorbeifahren einen Supermarkt, der trotz des Sonntags geöffnet hatte und machte den Vorschlag, dass wir noch ein paar Getränke und Snacks kaufen gehen könnten. Beim Parken entdeckten wir eine öffentliche Ladesäule am örtlichen Busbahnhof, bei der wir entzückt feststellten, dass das Laden dort kostenfrei ist. Nach kurzem Blick auf die Karte beschlossen wir, diesen Wink des Schicksals anzunehmen und hier den Abend zu verbringen.
Also gingen wir einmal einkaufen, entdeckten eine öffentliche Toilette die wir nutzen konnten, und kochten im Park nebenan eine Portion Gnocchi mit Pesto. Danach erkundeten wir das Dorf noch ein wenig zu Fuß und bestaunten den merkwürdige Kontrast aus sehr gepflegten, sauberen Hauptstraßen, an denen allerdings fast ausschließlich alte, heruntergekomme Häuser stehen.


Auffällig hier ist ausserdem die Jugendkultur – es scheint hier so wie wohl in jedem Land cool zu sein, nachts mit seinem Motorroller lärmend durch die Innenstadt zu heizen, nur mit auffallend weniger Stil als die italienischen Vespafahrer. Und wenn man dann alt genug für den Führerschein ist, steigt man offensichtlich auf einen 3er BMW um, mit dem man den selben Tätigkeiten nachgeht, nur mit der Unterstützung eines möglichst Basslastigen Soundsystems. So viel zu meiner Analyse der Dorfjugend Litauens.

Faszinierend war auch die Feststellung, dass in Litauen Sonntags ab 15 Uhr kein Alkohol mehr verkauft werden darf und unter der Woche nur bis 20 Uhr. Dies musste ich herausfinden, als mir im Supermarkt am Self Check-Out die Bierflasche konfisziert wurde mit den Worten „No Alcohol!“. Eine kurze Recherche brachte zu Tage, dass Litauen weltweit den höchsten Alkoholkonsum pro Kopf hat und die Regierung deshalb recht strikte Massnahmen ergreifen musste. Neben der zeitlich begrenzen Verfügbarkeit ist der Konsum jeglichen Alkohols erst ab 20 Jahren erlaubt, es darf nicht in der Öffentlichkeit getrunken werden und es gibt ein striktes Werbeverbot.
Mit all diesen Beobachtungen und dem neu erlernten Wissen haben wir uns dann einen Schlafplatz außerhalb des Dorfes gesucht und nachdem dort sämtliche durch unsere Ankunft in Alarmbereitschaft versetzte Hunde wieder beruhigt waren legten wir uns schlafen. Morgen soll es weiter bis nach Riga gehen.
Bis dahin.
